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ABSCHIEDSJAHRE |
Viel wurde bereits geschrieben über die geistige Essenz von Beethovens letzten Streichquartetten. Ein kurzer biographischer Überblick über Beethovens Leben wie dieser hier kann nicht einmal versuchen zu beginnen, die Bedeutung dieser Meisterwerke zu diskutieren. Was wir hier aber tun können, ist, eine chronologische Darstellung der Entstehungszeit dieser Werke zu liefern. Vielleicht bietet diese jenen neuen Beethovenfreunden, die mit diesen Werken noch nicht so vertraut sind, einen zeitlichen Rahmen, der ihnen als Ausgangspunkt ihrer eigenen weiteren Beschäftigung mit diesen Werken dienen kann.
Während jener Frühlingsmonate des Jahres 1824, in denen die Vorbereitungen zur Aufführung der letzten großen Meisterwerke Beethovens stattfanden, verhandelte Beethoven auch mit dem Musikverleger Schott & Söhne in Mainz bezüglich der Veröffentlichung dieser beiden Werke. Diese Werke, aber auch das erste "Gallitzin"-Streichquartett, op. 127, wurden dann tatsächlich von Schott verlegt.
Im Sommer 1824 war Carl van Beethoven noch mit seinem Philologiestudium an der Universität Wien beschäftigt. In einem Konversationsbucheintrag dieser Zeit drückte er seinen Wunsch aus, Soldat zu werden, während Beethoven sich jedoch ständig darum Sorgen machte, ob Carl sich seinem Studium wirklich mit allem gebotenen Fleiss widmete. In bezug auf Carl und sein Testament schrieb Beethoven den folgenden Brief an seinen Anwalt, Dr. Bach, am 1. August 1824:
"Verehrtester Freund! Meinen Herzlich.[en] Dank für ihre Emphelung hier(1), ich bin wirklich gut aufgehoben -- an <Karls>mein Testament Karl betreffent muß ich sie erinnern,(2) ich glaube wohl einmal vom Schlage getroffen zu werden, wie mein beiderer Großvater(3) mit dem ich Ähnlichkeit habe, Karl ist u. bleibt einmal Universal-Erbe von allem was mein ist, u. nach meinem Tode gefunden wird, da man aber verwandten, wenn sie auch gar nicht verwandt sind, auch etwas vermachen muß so erhält mein Herr Brudere mein französisches Klawie[r] von Paris.(4) ... "
[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 5, Brief 1855, Seite 343 - 344.]
(Original: Privatbesitz; zu (1): Textverlust durch Riß des Siegels; zu (2): verweist auf Beethovens Brief vom 6.3.1823 an Dr. Bach; zu (3): verweist auf Ludwig oder Louis van Beethoven, 1712-1763; zu (4): verweist auf den "Erard"-Flügel, heute im Besitz des Oberöstrreichichen Landesmuseums in Linz; Angaben S. 343-344 entnommen).
Im September 1824 schlug Andreas Streicher Beethoven aus Sorge um seine finanzielle Sicherheit vor, dass er sechs auserlesene Subskriptionskonzerte im nächsten Winter veranstalten sollte die ihm, vorausgesetzt, dass sich dafür 600 Subskribenten fänden, eine Gesamtsumme von 4000 Gulden bringen sollten, und dass Beethovens Pläne, sein Gesamtwerk veröffentlichen zu lassen, nun in die Tat umgesetzt werden sollten, was ihm hoffentlich einen Gewinn von 10.000 Gulden bringen sollte. Zudem schlug er ihm vor, dass Klavier- und Orgelauszüge der Missa Solemnis an Gesangsvereine verkauft werden sollten.
Einem freundlichen Besucher aus London gegenüber, dem gebürtigen Thüringer Johann Andreas Stumpff (nicht jener Stumpff, der 1818 sein Broadwood-Piano für ihn stimmte) gestand Beethoven, dass er Händel mehr als alle anderen Komponisten verehre. Stumpff nahm sich im Stillen vor, Beethoven Händels gesammelte Werke aus England zu senden. Er verwirklichte diesen Vorsatz zwei Jahre später.
Beethovens Sorgen um seinen Neffen Carl liessen niemals nach, wie dies auch in seinem Brief vom 6. Oktober 1824 an Tobias Haslinger und in einigen Konversationshefteinträgen aus Baden seinen Niederschlag fand.
Nach seiner Rückkehr nach Wien bereitete Beethovens Lebensstil als tauber Komponist (durch infernalisch lautes Klavierspiel!) und sein andauernder, lauter Streit mit seinem Neffen Carl ihm einige Schwierigkeiten als Mieter der ersten von ihm bezogenen Wohnung. Es ist jedoch nicht klar, ob er in dieser Wohnung bleiben konnte oder ausziehen musste. In seinen Beethoven-Memoiren, Erinnerungen aus dem Schwarzpanierhause erwähnt Gerhard von Breuning eine andere Wohnung als Beethovens Winterwohnung der Jahreswende 1824/25, nämlich Krügerstraße 1009.
In bezug auf seine Gesundheit erwähnte Beethoven in seinem Brief vom 18. November an Erzherzog Rudolph, dass er in einem schlechten Gesundheitszustand nach Wien zurückgekehrt sei.
Beethovens wichtigste Komposition des verbleibenden Jahres 1824 (also nach dem 7. Mai) war das E-Dur-Quartett, op. 127. Wir wissen, dass Fürst Gallitzin dieses von ihm im Herbst 1822 bestellt hatte, während Beethoven ohnehin schon an die Komposition eines Streichquartetts gedacht hatte (er erwähnte dies in seinem Brief an Peters in Leipzig im Juni 1822). Er begann mit der Arbeit an diesem Quartett nach dem Mai 1824. In der Zwischenzeit hatte Fürst Gallitzin auch die Missa Solemnis bestellt und Beethoven 50 Dukaten dafür gezahlt.
Gallitzins Brief vom 8. April 1824 an Beethoven schilderte diesem die erste vollständige Aufführung der Missa Solemnis am 7. April 1824 in Petersburg. Nach Gallitzins Meinung könnten die Schönheiten dieses Werks erst in Zukunft voll verstanden werden. Beethoven sandte ihm das fertige op. 127 gegen Ende des Jahres 1824, und Gallitzin bestätigte dessen Empfang mit seinem Schreiben an Beethoven vom 29. April 1825, nachdem er es bereits mehrere Male aufführen hatte lassen.
In seinem Brief vom 20. Dezember 1824 an Beethoven sprach Charles Neate aus London eine Einladung der Philharmonic Society aus, dass er London besuchen solle. Beethoven antwortete ihm am 15. und 27. Januar 1827 und nahm diese Einladung grundsätzlich an und erbat sich einen Vorschuss, der Neates Brief vom 1. Februar zufolge nicht von der Philharmonic Society gezahlt werden konnte. Neate versprach ihm diesen Vorschuss persönlich. Beethovens Freunde rieten ihm dringend, nach England zu reisen, aber seine Gesundheitsprobleme und seine Sorgen um seinen Neffen hinderten ihn daran, sich dazu zu entschliessen.
Beethovens ehemaliger Schüler, Ferdinand Ries, hatte sich mittlerweile in Godesberg bei Bonn zur Ruhe gesetzt, von wo aus er weiter mit Beethoven korrespondierte und ihn nach Godesberg einlud. Ries berichtete Beethoven auch über die erfolgreiche Aufführung der Neunten Symphonie am 23. Mai 1825 in Aachen. Er sandte ihm 40 Louis d'Or als Honorar.
Im März und April 1825 lagen Beethoven und sein Neffe wieder im Streit. Beethoven wollte, dass Carl seine philologischen Studien fortsetzen sollte, um nach seinen hochfliegenden Plänen die Laufbahn eines Universitätslehrers auf diesem Gebiet zu ergreifen. Carl hingegen fand sich für den Fall, dass Beethoven ihn nicht Soldat werden liess, nur dazu bereit, am Wiener Polytechnikum einen Handelskurs zu belegen. Nachdem sein Mitvormund Carl Peters zu Rate gezogen wurde, gab ihm Beethoven in diesem Wunsch nach. Carl begann sein Studium am Polytechnikum um Ostern 1825. Beethoven versuchte auch weiterhin, eine gewisse Kontrolle über Carls Freizeit zu behalten, um sich über seinen moralischen Lebenswandel und seinen Fleiss als Student zu vergewissern. Dies belastete ihre Beziehung natürlich erneut. Ein Ausschnitt aus Beethovens Brief an Carl vom 9. Juni 1825 drückt seine Verzweiflung aus:
"Ich wünsche wenigstens, daß Du Samstags(1) hierherkommst, vergebens bitte ich um Antwort. -- Gott sei mit Dir u. mit mir wie immer. Dein treuer Vater"
[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 6, Brief Nr. 1988, S. 81.]
(Original: nicht bekannt; zu (1): Nohl habe hier und weiter unten im Brief "Sonntag" gelesen; Angaben S. 81 entnommen).
Ignaz Schuppanzigh strebte seit Anfang dieses Jahres danach, dass sein Quartett, das aus ihm und Holz an der Violine, Weiss an der Viola und Linke am Violoncello bestand, Beethovens neues Streichquartett in einer neuen Abonnementserie von Quartetten und anderen Werken aufführen könne. Da das neue Quartett zu dieser Zeit, im Januar, jedoch noch nicht fertig ausgeschrieben war, musste er ersatzweise Beethovens op. 95 spielen. Ein Brief Beethovens an Schuppanzigh von Anfang März drückt aus, dass ihm der Komponist erlaubte, das neue Quartett für eine Woche zu haben. Es wurde dann nach nur kurzer Probezeit am 6. März mit sehr enttäuschendem Ergebnis aufgeführt. Schuppanzigh wurde dafür verantwortlich gemacht. Der enttäuschte Beethoven gab dieses Werk dann an den Quartettleiter Böhm weiter (dessen Quartett hatte sich während Schuppanzighs Abwesenheit in Wien als führendes Quartett etabliert). Bei den Proben dieses Quartetts war Beethoven zugegen und beobachtete die Musiker und konnte dabei die kleinsten Veränderungen in Tempo und Rhytmus feststellen, und als die Spieler seine auf der Partitur stehende Angabe meno vivace nicht ausführten, erlaubte ihnen Beethoven, es so zu spielen, wie sie es taten, ging zu seinem Schreibtisch und kreuzte diese Anweisung in seiner Partitur aus. Die erste der drei sehr erfolgreichen Aufführungen dieses neuen Quartetts durch Böhm und seine Musiker fand um den 23. März statt, und Böhm verwendete es im April für sein eigenes Benefizkonzert. Am 15. April und Ende April wurde dieses neue Quartett auch von Joseph Mayseders Quartett aufgeführt.
Hier sollten wir auch auf den Bericht des Berliner Schriftstellers Rellstab von seinem Beethovenbesuch Anfang April 1825 hinweisen. Rellstab soll Beethoven gegenüber ausgedrückt haben, dass er durch die Aufführung seines Streichquartetts, op. 127, das er gerade gehört hatte, sehr gerührt wurde.
"Beethoven read and remained silent, we looked at each other mutely, but a world of emotions surged in my breast. Beethoven, too, was unmistakably moved. He arose and went to the window" (Thayer: 948 "Beethoven las und blieb still, wir blickten einander stumm an, und eine Welt von Gefühlen wallte in meiner Brust auf. Beethoven war auch eindeutig gerührt. Er stand auf und ging zum Fenster").
Thayer erwähnt, dass Holz zu dieser Zeit bereits Beethovens Bekanntschaft gemacht hatte und dass er bald danach begann, die Lücke Schindlers als sein Privatsekretär zu füllen. Er soll Beethoven sogar in bezug auf seine Wahl von Verlegern beraten haben und ihm bei der Überwachung seines Neffen Carl geholfen haben..
Auf den Frühlingsanfang von 1825 zurückzukommend können wir noch berichten dass Beethoven, wohl durch die erfolgreiche Aufführung seines op. 127 ermutigt, sich mit Schwung an die Komposition seines nächsten Quartetts, op. 132, machte, so dass seine Entwürfe für die ersten zwei Sätze bereits sehr weit fortgeschritten waren, als ihn eine neue Krankheit befiel. Dazu können wir hier seinen Brief vom 18. April an Dr. Anton Braunhofer zitieren:
"Mein werter Freund
ich befinde mich übel u. hoffe, sie werden mir ihre Hülfe nicht versagen, daß [recte: da] ich große Schmerzen leide, ist es möglich, daß sie mir noch heute inen Besuch gegen können, so bitte ich innigst darum. --
mit immer währender Dankbarkeit u. Hochacthung ihr
Beethoven.
[Quelle: Ludwig van beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 6, Brief Nr. 1958, S. 54.]
(Original: Bonn, Beethoven-Haus).
Dr. Braunhofer ordnete eine strenge Diät an und verbat Beethoven den Genuss von Wein, Kaffe und starken Gewürzen. Anfang Mai hatte sich Beethovens Zusstand so weit gebessert, dass er nach Baden übersiedeln konnte. Am 17. Mai schrieb er an seinen Neffen Carl, dass er bereits wieder an seinem neuen Streichquartett arbeite:
"Baden am 17ten May [1825](1)
Lieber Sohn!
Es ist scheußliches Wetter hier, heute noch kälter als gestern, so daß ich kaum die Finger zum schreiben <kaum> bewegen kann, dies scheint mir doch nur hier im Gebirge der Fall zu seyn und besonders in Baden -- die Chokolade(2) habe ich heute vergeßen, mir ist leid dir damit beschwerlich fallen zu müßen. Es wird schon dieses alles abnehmen ich schicke 2 fl, die 15x(3) lege dazu, schicke sie, wenn's möglich ist mit dem nachmittägigen Postwagen, denn übermorgen hätte ich keine, die Haußleute werden dir hierin wohl helfen
Gott mit dir ich fange an wieder ziemlich zu schreiben, jedoch ist es beynahe unmöglich bey dieser höchst traurigen kalten witterung etwas zu leisten --
wie immer dein guter treuervater"
[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 6, Brief Nr. 1972, S. 68.]
(Original: Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu (1): Jahreszahl sei aus dem Inhalt zu erschließen; zu (2): die Schokolade war Teil von Beethovens Diät, die ihm Dr. Braunhofer verschrieben hatte; zu (3): verweist auf Karls Ausgabenverrechnung zwischen 24. und 25. Mai 1825; Angaben S. 68 entnommen).
In ein Konversationsheft, das er im Mai und Juni dieses Jahres benutzte, Schrieb Beethoven: "Hymne der Danksagung eines Invaliden bei seiner Genesung an die Gottheit. Gefühle neuer Kraft und wiedererwachter Emfpindungen." Daraus wurde das "Thema" des dritten Satzes seines zweiten "späten" Streichquartetts, op. 132.
Beethoven stellte dieses Werk Ende Juli fertig. Seine Sorge in Bezug auf die Erstaufführung dieses Werks und seine Erschöpfung finden ihren Niederschlag in seinem Brief vom 11. August des Jahres an seinen Neffen Carl:
"Baden am 11ten aug. [1825]
Lieber Sohn!
Ich bin in Todesangst wegen dem quartett(1) nemlich das 3 <3> 4 5 u 6te Stück hat Holz mitgenommen,(2) die ersten Täkte vom 3ten Stück sind hier geblieben(3) nemlich die anzahl <der> dieser täkte ist 13 -- von Holz höre ich nichts gestern hab ich ihm geschrieben,(4) sonst schreibt er gewöhnlich, welch schrecklicher Zufall, wenn er es verlohren hätte, er trinkt stark unter unß gesagt, so geschwind als möglich beruhige mich -- bey Haßlinger kannst du linke's wohnung erfahren, (5) Haßlinger war heute hier, sehr Freundschaftlich, hat die Hefte u. andere d.g. gebracht, bat sehr um die neuen quartetten(6), laß dich mit Schindler{?} u.g. in kein gewäsch ein, Es führt zu gemeinheiten -- Um Gottes Willen nur beruhigung wegen dem quartett, schrecklicher Verlust, auf nicht als kleinen Fezen ist das Concept geschrieben, u. nie mehr werde ich im stande seyn das ganze so zu schreiben --
dein treuer vater"
[Quelle: Ludwig van beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 6, Brief Nr. 2029, S. 131-132.]
(Original: z.Zt.(der Erscheinung der Gesamtausgabe, 1996: Krakau, Biblioteka Jagiellonska), zu (1): op. 132; zu (2): verweist auf Marsch und Rezitativ als 'viertes und fünftes Stück'; zu (3): verweist auf das Autograph von op. 132; zu (4): Brief 2028, Beethovens Brief an Holz, vom 10. August; zu (5): verweist auf Josef Linke, der eine Stimmenabschrift von op. 132 hersellen sollte; zu (6): verweist auf op. 132 und op. 130; Angaben S. 132 entnommen).
"Was heute geschah: 15. 10. 1825"
BR4 zu Beethovens letztem und
seinen vielen vorangegangenen UmzügenAm 15. Oktober 1825, einem Samstag, kehrte Beethoven nach Wien zurück und zog in eine große Wohnung im Schwarzspanierhaus ein, seine letzte Wiener Wohnung. Dadurch wurde er wieder ein unmittelbarer Nachbar seines Bonner Freundes, Hofrat Stephan von Breuning. Sie hatten sich auch tatsächlich im August in Wien zufällig getroffen. Stephan von Breunings Gattin half Beethoven mit der Einstellung von zuverlässigem Dienstpersonal, nämlich seiner Haushälterin Sali, die bis zu seinem Tod in seinen Diensten blieb. Stephan von Breunings Sohn, Gerhard von Breuning, damals etwa 12 bis 14 Jahre alt, den Beethoven bald sehr ins Herz geschlossen hatte, beschrieb diese Zeit sehr lebhaft in seinen Erinnerungen aus dem Schwarzspanierhause, (das Maynard Solomon editierte und in englischer Übersetzung herausbrachte).
Darstellung von Beethovens Studienzimmer im Schwarzspanierhaus |
Das a-Moll-Quartett, op. 132, wurde am 6. November 1825 zum erstenmal im Musikzimmer des Gasthauses Roter Igel in einem Benefizkonzert für Josef Linke aufgeführt. Dieses Konzert war ein sehr großer Erfolg. Danach erhielt Schuppanzigh die Erlaubnis, es am 20. November zu spielen.
Während des Spätsommers 1825 hatte Beethoven auch mit seiner Arbeit an seinem nächsten Quartett, op. 130, begonnen und schloss seine Arbeit daran im November 1825 ab. Es wurde an Artaria verkauft und erst im Mai 1827 veröffentlicht. Es wurde im März 1826 zum erstenmal öffentlich aufgeführt, und zwar mit der Großen Fuge als Finale.
Das Jahr 1826 sah die Entstehung von Beethovens größtem Steichquartett, dem Cis-Moll-Quartett, op. 131, und die seines letzten Streichquartetts, op. 135, und einen neuen letzten Satz zu seinem Streichquartett op. 130. Beethoven leistete all diese Arbeit inmitten seiner Sorgen um und seiner Auseinandersetzungen mit seinem Neffen Carl. Dazu vertritt Thayer die Meinung, "That he could continue to write amidst all the disturbing circumstances of this year in the higher and purer regions of chamber music was a source of admiration and wonder to his friends." (Thayer: 973; Thayer argumentiert hier, dass Beethovens Freunde ihn wegen seiner Leistungsfähigkeit inmitten seiner Alltagssorgen bewunderten).
In dieser Zeit standen Karl Holz als sein Privatsekretär und Stephan von Breuning und seine Familie im engsten Kontakt mit ihm, und auch Schindler stand ab und zu mit Rat und Tat zur Seite, war jedoch auch auf Holz eifersüchtig. Auch Beethovens Bruder Johann versuchte, ihm ab und zu behilflich zu sein. Konversationshefteinträge aus dieser Zeit stammten auch von Schuppanzigh, Kuffner, Grillparzer, Abbé Stadler und Matthias Artaria.
Gegen Ende Januar 1826 kehrten Beethovens alte Unterleibsbeschwerden zurück. Er beklagte sich auch über Augenschmerzen. Es wurde ihm wieder angeraten, Alkohol und Kaffee zu meiden. Sein Zustand scheint sich im März gebessert zu haben
Zu dieser Zeit nahm Beethoven auch lebhaften Anteil an der Aufführung seines Leibquartetts, op. 130. Es wurde am 21. März aufgeführt. Die meisten Sätze, besonders die tiefbewegende Cavatina und die Danza alla Tedesca, fanden beim Publikum sofort Anklang. Der zweite und vierte Satz mussten sogart wiederholt werden. Das ursprüngliche Finale dieses Werks, die Grosse Fuge, wurde jedoch nicht gleich verstanden. Von der Cavatina berichtete Holz, dass diese Beethoven beim Schreiben Tränen kostete und dass er dazu bekannte, dass ihn nichts, was er geschrieben hatte, so bewegt habe und dass schon die Erinnerung daran ihn erneut zu Tränen rührte. In bezug auf die Grosse Fuge erklärte sich Beethoven bereit, einen neuen letzten Satz zu komponieren und die Grosse Fuge als separates Werk herauszubringen (es erhielt letztendlich die Opusnummer 133)..
In Bezug auf Dembschers Wunsch, dieses Quartett bei sich zuhause aufzuführen, habe sich Beethoven geweigert, ihm seine Partitur zu überlassen, da jener nicht bei dessen Uraufführung durch Schuppanzigh zugegen gewesen sei. Eine "Entschädigung" von 50 Gulden wurde ausgehandelt, wozu Dembscher die launige Frage stellt, "Muss es sein?", und Beethoven schrieb darauf den Kanon, "Es muß sein!". Aus diesem Scherz sei dann das Finale seines letzten Quartetts, op. 135, erwachsen.
Im Mai dieses Jahres machte sich Beethoven Sorgen, dass er von Fürst Gallitzin noch nicht für sein zweites und drittes Quartett bezahlt worden war. Er hatte diese Werke bereits nach Russland geschickt. Erst im November des Jahres erhielt er einen Brief von Gallitzin, in dem ihm dieser mitteilte, dass er finanzielle Verluste erlitten hätte, dass er jedoch das Geld bald schicken werde. Sogar noch auf seinem Sterbebett musste Beethoven einen Brief unterschreiben, in dem er Gallitzin nochmals um die Übersendung des Geldes bat, und er sollte dieses zu seinen Lebzeiten nicht mehr sehen.
In bezug auf op. 131 brach Beethoven seine Verhandlungen mit Artaria ab und überließ dieses Schott & Söhne in Mainz.
In bezug auf die Entstehung von op. 131 erwähnt Thayer erste Konversationshefteinträge im Dezember 1825, während Beethoven das Werk hauptsächlich während des ersten Halbjahres 1826 komponierte. Es ist nicht sicher, ob es noch zu Beethovens Lebzeiten aufgeführt wurde. Am 28. März bat Beethoven Schott um 60 Golddukaten für dieses Werk. Schotts Wiener Vertreter erhielt die Partitur schliesslich am 12. August 1826, und es wurde im Juni 1827 veröffentlicht. In seinem Brief vom 22. Februar 1827 an Schott erwähnte Beethoven, dass er das Werk urspünglich seinem Freund und Bewunderer, Johann Wolfmayer, widmen wollte, aber in seinem Brief vom 10. März 1827 bat er Schott dann, die Widmung zu ändern und Baron Joseph von Stutterheim einzutragen. Dessen Bedeutung für Beethoven und seinen Neffen Karl wird uns bald klar werden.
Während Beethoven sich zwischen Ischl und Baden als Sommeraufenthaltsorte zu entscheiden versuchte, ereilte ihn wohl eines der erschütterndsten Ereignisse seines Lebens: der Selbstmordversuch seines Neffen Carl. Um alle auf dieses Ereignis hinführende Einzelheiten zu verfolgen, müssen wir uns hier wieder etwas in die jüngste Vergangenheit dieser Zeit zurückbegeben.
Während Carls Besuch des Wiener Polytechnikums im Frühjahr 1825 sehr vielversprechend aussah, brauchte er auch einen Privatlehrer, um im Lehrstoff aufzuholen, den er dadurch versäumt hatte, dass er sich später für diesen Lehrgang eingeschrieben hatte. Es scheint, dass er es nicht schaffte, aufzuholen. Beethoven schätzte, dass er für Carls Schulbesuch und für seinen Unterhalt jährlich 2.000 Gulden ausgeben musste und wollte dafür Erfolge sehen, während Carl ja eigentlich Soldat werden sollte. Sein Studienwechsel vom Philologiestudium zum kaufmännischen Studium war ein Kompromiss, der sich weder zu Beethovens noch zu seinem eigenen Vorteil zu entwickeln schien.
Beethoven bat Schlemmer, den Hausherrn Carls, ihm mitzuteilen, ob Carl seine Abende dort über seinen Büchern verbrachte oder ob er ausging. Schlemmer bestätigte ihm, dass Carl nach dem Unterricht immer nachhausekam und sich auch Abends dort aufhielt, und dass seine Freizeitbeschäftigungen wie das Billardspiel wohl während seiner Schulzeit stattgefunden haben müssen, so dass er dort öfters abwesend war. Während der Faschingssaison dieses Jahres war Beethoven so um Carls Moral besorgt, dass er fast selbst zu jenen Faschingsbällen gehen wollte, die Carl besuchte, um dort ein Auge auf ihn zu werfen. Holz fand sich jedoch bereit, dies für Beethoven zu tun. Beethoven wollte auch, dass Carl zu ihm zurückzog und willigte nur zögernd ein, dass er bei Schlemmer bleiben solle. Die Gespräche von Onkel und Neffe bestanden jetzt meistens nur aus Beethovens Vorhaltungen und Predigten und aus Carls Erwiderungen in seinem Versuch, sich zu verteidigen. Johann van Beethoven versuchte sich auch einzuschalten und stellte sich teilweise auf Carls Seite, riet Beethoven aber auch andererseits, für Carls baldige Anstellung nach Beendigung seines Kurses zu sorgen. Beethoven misstraute Carl auch in Geldangelegenheiten und wollte Belege für seine Ausgaben sehen. Er besuchte und ermahnte Carl in seinem Zimmer bei Schlemmer mehrere Male, und zumindestens bei einer dieser Gelegenheiten soll Carl seinen Onkel in einer heftigen Reaktion gepackt haben, wurde aber vor Schlimmerem durch das Erscheinen von Karl Holz bewahrt.
Beethoven ging in seiner Überwachung Karls sogar so weit, ihn von der Schule abzuholen. Schindler berichtet in bezug auf Carls Antwort auf die Ermahnungen durch seine Lehrer: "Monitoring of Carl went as far as coming to pick him up from school. Schindler reports of Carl's reply to the rebuke by his teachers: "My uncle! I can do with him what I want, some flattery and friendly gestures make things all right, again, right away." ("Mit meinem Onkel kann ich machen, was ich will, etwas Schmeichelei und einige freundliche Gesten machen alles sofort wieder gut"). In den letzten Julitagen erhielt Bethoven dann die Nachricht, dass Carl verschwunden sei und sich das Leben nehmen wollte. Die Gründe, die Carl dafür angab, waren seine Schulden. Beethoven und Holz mussten Carl nachsetzen, um ihn am Selbstmordversuch zu hindern, er entwischte ihnen aber vorher. Am Samstag, dem 29. Juli, versetzte Carl seine Uhr. Er kaufte zwei Pistolen, Gewehrpulver und Gewehrkugeln. Er fuhr nach Baden und verbrachte die Nacht damit, an seinen Onkel und an seinen Freund Niemetz Briefe zu schreiben. Am Sonntag erstieg er die Ruinen der Burg Rauhenstein im Helenenthal und feuerte zwei Schüsse auf seine linke Schläfe ab. Die erste Kugel verirrte sich, und die zweite zielte an seinem Schläfenknochen vorbei, verletzte jedoch seine Stirn. Ein Kutscher fand ihn und brachte ihn zu seiner Mutter nach Wien, wo Beethoven ihn dann vorfand. Holz, der Beethoven begleitete, suchte die Polizei auf, um diesen Vorfall zu berichten. Die Polizei geleitete Karl dann vom Haus seiner Mutter am 7. August zum Spital. Wie es in solchen Fällen üblich war, wurde ein Priester geholt, der dem Selbstmörder religiöse Belehrungen zu erteilen hatte und ihn zu einem Geständnis bewegen sollte. Holz liess Beethoven wissen, dass Carl ihm mitgeteilt habe, dass er des Lebens müde geworden sei, da er es anders als sein Onkel sah, und der Polizei gegenüber soll er geäußert haben, dass ihn sein Onkel zu sehr geplagt habe und dass er schlechter wurde, da sein Onkel von ihm wollte, dass er besser sein sollte
Während dieses Ereignis Carls Weg zu seiner eigentlichen Berufswahl bahnte, erschütterte es Beethoven so sehr, dass der damals 55-jährige Schindlers Berichten zufolge aussah wie ein Siebzigjähriger. Eine Entscheidung über Carls weiteres Schicksal musste getroffen werden. Stephan von Breuning, Hofrat im Kriegsministerium, riet zu einer militärischen Laufbahn und dass Beethoven seine Vormundschaft niederlegen solle. In der Zwischenzeit hatte Beethoven bereits mit seiner Arbeit an op. 135 begonnen. Die Frage war nun, wo Carl nach seiner Entlassung aus dem Spital sich zur Genesung aufhalten sollte, während Stephan von Breuning Vorkehrungen traf, dass Carl im Regiment von Baron von Stutterheim als Kadett aufgenommen werden sollte, und erklärte sich auch bereit, an Stelle von Professor Reisser vom Polytechnikum, der sein Amt niedergelegt hatte, als Mitvormund über Carl zu wirken.
Es wurde entschieden, dass Beethoven und Carl einige Zeit in Gneixendorf bei seinem Bruder Johann verbringen sollten. Johann hielt sich gerade in Wien auf und machte ihnen diesen Vorschlag. Am 28. September fuhren sie nach Gneixendorf. Es sollte nur ein kurzer Besuch werden. Dieser dehnte sich jedoch auf einen zweimonatigen Aufenthalt aus.
Beethovens Zimmer in Gneixendorf |
Beethoven traf in Gneixendorf bereits in einem bedenklichen Gesundheitzustand ein. Er hatte auch keine Freude an der Gesellschaft seines Bruders und seiner Schwägerin. Ein Diener namens Michael wurde für ihn bereitgestellt, dem er bald vertraute. Als Michael einmal Schwierigkeiten mit seiner Herrin Therese van Beethoven hatte und sie ihn entlassen wollte, drang Beethoven darauf, dass sie ihn in ihren Diensten behielt. Von diesem Zeitpunkt an nahm Beethoven seinem Mahlzeiten in seinem Zimmer ein. Er wanderte tagsüber durch die Felder um Gneixendorf, dabei oft heftig gestikulierend, summend und den Takt zur Musik in seinem "inneren Ohr" schlagend. Auf diese Weise stellte er op. 135 in Gneixendorf fertig, aber auch den letzten Satz zu op. 130. Das Fertigstellungsdatum auf der Originalpartitur zu op. 135 war der 30. Oktober, an dem Johann diese nach Wien mitnahm. Das neue Finale zu op. 130 wurde Artaria am 25. November übergeben. Beethovens Umgang mit seinem Neffen war noch immer so schwierig wie es zu erwarten war, und beide verhielten sich weiterhin ihrem eigenen Wesen gemäß.
Beethovens Gesundheit verschlechterte sich noch sehr in Gneixendorf. Bald konnte er nur Suppe und weichgekochte Eier zu sich nehmen, trank aber immer noch Wein und holte sich dadurch Durchfall. Gegen Ende November verlor er seinen Appetit ganz und klagte immer über Durst. Seine Füsse waren auch immer geschwollen. All das wies auf eine sehr ernste Lebererkrankung hin. Johann machte sich nun auch um Carls Zukunft Sorgen und drängte Beethoven, ihn nach Wien zurückzubringen, damit er sich dort bald seinem Regiment anschliessen konnte. Er tat dies aber schriftlich, da Beethoven zu dieser Zeit in einem solch verworrenen Gemütszustand war, dass er Johann einmal sogar bat, sein ganzes Vermögen Carl zu hinterlassen und Therese leer ausgehen zu lassen. In bezug auf das Fahrzeug, das Beethoven und Carl zur Rückkehr nach Wien benutzten, sollten wir uns nicht allzu sehr auf Schindlers Schilderung verlassen, der behauptete, dass Johann Beethoven die Benutzung seiner Kutsche verweigert hatte. Es muss aber angenommen werden, dass die beiden in einem offenen Gefährt reisten, wie Beethoven später seinem Arzt, Professor Wawruch, erzählte.
Sie kamen am Samstag, dem 2. Dezember nach Wien zurück, und Beethoven litt an einer fiebrigen Erkältung, die er sich durch ihre Übernachtung in einem ungeheizten Zimmer zugezogen hatte. Die Einzelheiten in bezug auf Carls Versuch, einen Arzt für seinen Onkel herbeizuholen, sind bis heute noch nicht geklärt. Aus diesem Grund sollten wir davon absehen, Carl die Schuld dafür zuzuschieben. Dr. Braunhofer und Dr. Staudenheim entschuldigten sich, dass sie Beethoven nicht behandeln konnten. Am dritten Tag seines Fiebers übernahm Professor Wawruch Beethovens Behandlung. Er behandelte Beethoven und erreichte, dass sich das Fieber senkte. Am siebten Tag konnte Beethoven aufstehen, lesen und schreiben.
Am achten Tag fand Wawruch jedoch seinen Patienten in einem schlimmeren Zustand vor, da er in der Nacht eine Kolik erlitten hatte und sich daraus Wassersucht entwickelte. Sein Leiden verschlimmerte sich, indem er in der dritten Woche an nächtlichen Erstickungsanfällen litt. Johann, der am 10. Dezember in Wien eintraf, kümmerte sich neben Carl um Beethoven. Mittlerweile besuchten ihn auch Stephan von Breuning, Karl Holz und Anton Schindler regelmässig. Am 20. Dezember musste zum ersten Mal das Wasser aus seinem Leib herausgelassen werden. Diese Prozedur wurde von Dr. Seibert, dem Chefchirurgen des Allgemeinen Krankenhauses, übernommen. Anwesend waren auch Johann van Beethoven, Carl und Schindler. Dr. Seiberts Kommentar in bezug auf Beethovens Tapferkeit war, "Sie haben sich wie ein Ritter gehalten." In diesen trüben Tagen erhielt Beethoven aus England ein Geschenk, das ihm viel Freude bereitete. Stumpff aus London hatte sein sich selbst gegebenes Versprechen wahrgemacht und Beethoven die Gesamtausgabe der Händelschen Werke gesandt. Gerhard von Breuning beschreibt dieses Ereignis sehr lebhaft in seinem Buch. Er war nun ein täglicher Gast, der Beethoven sehr lebhaft zu unterhalten versuchte.
Stephan von Breunings Vorkehrungen für Carls Militärlaufbahn waren nun abgeschlossen, und Carl verließ Wien am 2. Januar 1827 und sollte seinen Onkel nicht wiedersehen. Am 3. Januar schrieb Beethoven einen weiteren Brief an Dr. Bach und wiederholte darin, dass er Carl zu seinem Alleinerben einsetze. Am 8. Januar wurde zum zweiten Mal Flüssigkeit aus Beethovens Leib gelassen. Beethoven hatte inzwischen die Geduld mit Prof. Wawruch verloren. Wenn er eintrat, soll er sich in seinem Bett umgewandt haben und nur gemurmelt haben, "O, dieser Esel!" Er verlangte nach Dr. Malfatti, mit dem er sich zehn Jahre zuvor zerstritten hatte. Dr. Malfatti erklärte sich nach einigem Zögern bereit, Beethoven zu besuchen, und sie versöhnten sich an seinem Krankenbett. Er verschrieb Beethoven Punsch und dass Beethovens Leib mit Eis einzureiben sei. Während diese Behandlung Beethoven anfangs Erleichterung brachte, führte Beethovens übertriebener Punschgenuss zu "violent pressure of the blood on the brain . . . Began to wander in his speech . . . And when . . . Colic and diarrhea resulted, it was high time to deprive him of this precious refreshment" (Thayer: 1031; "heftigem Druck auf sein Blut und auf sein Gehirn. ... Er begann zu lallen ... und als sich dann eine Kolik und Durchfall einstellten, war es höchste Zeit, ihm diese Erfrischung wieder wegzunehmen"). Malfatti übernahm jedoch Beethovens Behandlung nicht als verantwortlicher Arzt, sondern Wawruch behielt diese Verantwortung. Am 2. Februar 1827 musste das Wasser zum drittenmal aus Beethovens Leib abgelassen werden.
Die Konversationshefteinträge vom Februar 1827 weisen die Namen Haslingers, Streichers, des Schriftstellers Bernard und der Sängerin Nanette Schechner auf. Ein Brief Wegelers kam am 1. Februar an. Beethoven antwortete Wegeler am 17. Februar. Am 18. Februar beantwortete er auch ein Schreiben seines alten, jetzt auch bettlágrigen Freundes, Baron Zmeskall. In seinem Brief vom 8. Februar dankte Beethoven Johann Stumpff aus London für die Übersendung der Händel'schen Werke. Er erwähnte darin auch, dass er an Sir Charles Smart und Ignaz Moscheles um finanzielle Hilfe geschrieben habe. Auf Stumpff's Initiative sandte ihm daraufhin die Philharmonic Society den Betrag von 100 Pfund.
Im Februar wurde Beethoven sehr deprimiert in bezug auf seine Krankheit, seine Geldsorgen und auf Carls Schreibfaulheit.
Das Wasser musste am 27. Februar zum vierten Mal abgelassen werden. Auf Wawruchs Versuch, ihn aufzuheitern, soll Beethoven geantwortet haben: "Mein Werk ist vollbracht. Falls es einen Arzt gäbe, der mir helfen könnte, 'his name shall be called wonderful'" (Thayer: 1038; vermutlich zitierte Beethoven diese Passage aus Händels 'Messias' sogar in englischer Sprache). Am 1. März schrieb Beethoven an seinen Verleger Schott in Mainz und bat um die Lieferung von Moselwein. Am 18. März bestätigte er dankend den Empfang der 100 Pfund aus London.
Im März machte sich niemand mehr Illusionen über Beethovens Zustand. So wurde ihm auch der Genuss einiger Leckerbissen nicht mehr verwehrt. Baron Pasqualati, von Breuning und Streicher sandten ihm Geschenke solcher Art. Wenn wir Schindler glauben wollen, fand Beethoven in diesen Tagen neben dem Studium der Händelschen Werke auch Freude an Schuberts Liedern. So soll er ausgerufen haben, "truly a divine spark dwells in Schubert" (Thayer: 1043; "wahrlich, in Schubert wohnt ein göttlicher Funke"). Wie Thayer berichtet, soll Schubert Beethoven in Begleitung seines Freundes Anselm Hüttenbrenner acht Tage vor seinem Tod besucht haben. Johann Nepomuk Hummel besuchte Beethoven am 8. März.
Es war nun höchste Zeit, dass Beethoven seine letzten Anordnungen traf. Die letzten Zeilen, die Beethoven schrieb, waren wohl folgende:
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"Mein Neffe Karl Soll allein Erbe seyn, das Kapital meines Nachlalaßes soll jedoch Seinen natürlichen oder Testamentarischen Erben zufallen. Wien am 23. März 1827. Ludwig van Beethoven" [Quelle: Facsimiledruck, Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 6, S. 383.] |
Alle anderen Unterschriften unter weitere notwendige Dokumente mussten vorgeschrieben werden und seine Unterschrift unter grossen Mühen erworben werden, da er bereits sehr schwach war. Schindler berichtet, dass Beethoven nach den oben angeführten Zeilen gesagt haben soll, "plaudite, amici, comoedia finita est", mit dem Hinweis darauf, dass man nichts mehr für ihn tun könne.
In bezug auf Beethovens "letzte Ölung" berichtet Wawruch:
"Mit der zartesten Schonung schrieb ich ihm die mahnenden Worte auf. Beethoven las das Geschriebene mit einer beispiellosen Fassung langsam und sinnend, sein Gesicht glich dem eines Verklärten; er reichte mir herzlich und ernst die Hand und sage: 'Lassen Sie den Herrn Pfarrer rufen.' Nun wurde er still und nachdenkend und nickte mir sein 'Ich sehe Sie bald wieder' freundlich zu. Bald darauf verrichtete Beethoven mit frommer Ergebung, die getrost in die Ewigkeit blickte, seine Andacht" (Ley: 401).
Am 24. März traf um etwa ein Uhr die Lieferung des Moselweins ein. Beethoven, der auf die Flaschen blickte, soll dazu gesagt haben, "Schade, schade, zu spät", und dies sollen seine letzten überlieferten Worte gewesen sein. Danach sei er in Bewußtlosigkeit gefallen. Anselm Hüttenbrenner, der zugegen war, als Beethoven am 26. März starb, erinnert sich:
"Nachdem Beethoven von 3 Uhr nachmittags an, da ich zu ihm kam, bis nach 5 Uhr röchelnd im Todeskampf bewußtlos dagelegen war, fuhr ein von einem heftigen Donnerschlag begleiteter Blitz hernieder und erleuchtete grell das Sterbezimmer (vor Beethovens Wohnhause lag Schnee). Nach diesem unerwarteten Naturereignisse, das mich gewaltig frappierte, öffnete Beethoven die Augen, erhob die rechte Hand und blickte mit geballter Faust mehrere Sekunden lang in die Höhe mit ernster, drohender Miene . . . Als er die erhobene Hand wieder aufs Bett niedersinken ließ, schlossen sich seine Augen zur Hälfte. Meine rechte Hand lag unter seinem Haupte, meine Linke ruhte auf seiner Brust. Kein Atemzug, kein Herzschlag mehr!" (Ley: 405).
Während Hüttenbrenner bei Beethoven verweilte, trafen Schindler und von Breuning Vorkehrungen für Beethovens Beerdigung im nahen Währinger Friedhof. Am nächsten Tag waren von Breuning, Schindler, Johann van Beethoven und Holz in Beethovens Wohnung versammelt, um nach seinen Papieren und nach seinen Aktien zu suchen. Johann van Beethoven äusserte den Verdacht, dass diese Suche nur zum Schein durchgeführt wurde. Von Breuning verliess das Haus im Zorn und kehrte erst später zurück. Die Aktien fanden sich in einem Geheimfach von Beetovens Schreibtisch, zusammen mit Beethovens Brief an seine Unsterbliche Geliebte
Beethovens Beerdigung fand am 29. März um drei Uhr nachmittags statt. Eine Menge von 10.000 bis 20.000 Menschen hatte sich vor dem Schwarzspanierhaus versammelt.
Begräbniszug |
"... Es folgten nun die neun Priester und gleich danach die "prachtvoll ornamentierte, mit einer ganz schönen Krone gezierten" Bahre. Von ihr hingen weiße Atlasschleifen herab, deren Enden von acht Kapellmeistern gehalten wurden, unter ihnen Hummel, Kreutzer, Weigl und Seyfried" (Ley: 409).
Unter den Kerzenträgern befanden sich der Schauspieler Anschütz, der Journalist und Beethovenfreund Bernard, sein früherer Schüler Carl Czerny, Grillparzer, Haslinger, Franz Schubert, Andreas Streicher, Schuppanzigh, Wolfmayer und andere.
Vor dem Tor des Währinger Friedhofs las Anschütz Grillparzers Grabrede. Daraus einige Worte:
"Ein Künstler war er, aber auch ein Mensch, Mensch in jedem, im höchsten Sinn. Weil er von der Welt sich abschloß, nannten sie ihn feindselig, und weil er der Emfpindung aus dem Wege ging, gefühllos. Ach, wer sich hart weiß, der flieht nicht, sondern steht und stößt ab! Gerade die zartesten Spitzen sind es, die am leichtesten sich abstumpfen oder biegen oder brechen. Das Übermaß der Empfingung weicht der Empfindung aus! Wenn er die Welt floh, so war's, weil er in den Tiefen seines liebenden Gemütes keinen Stützpunkt fand, sich ihr zu widersetzen; wenn er sich den Menschen entzog, so geschah's, weil sie nicht hinauf wollten zu ihm und er nicht herab konnte zu ihnen. Er war einsam, weilt er kein Zweites fand. Aber bis zum Tode bewahrte er ein menschliches Herz allen Menschen, ein väterliches den Seinen, Gut und Blut aller Welt. So war er, so starb er, so wird er leben für alle Zeiten" (Ley: 411).