BEETHOVENS DRITTE SYMPHONIE
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Theater an der Wien in Beethovens Tagen

 

 

Uns von Kindermans prometheischen Kommentaren zur musikalischen Genese der Eroica loslösend, wenden wir uns nun der Geschichte ihrer ersten Aufführungen zu.  Aus unserer Entstehungsgeschichte erinnern wir uns vielleicht an unsere chronologischen Anmerkungen zur Fertigstellung der Partitur und der Reinschrift dieses Werks.  Darin stellten wir aufgrund von Ferdinand Riesens Bericht und Thayers Kommentaren dazu fest, dass eine Abschrift der Partitur spätestens Anfang Mai 1804 vorgelegen haben muss.

Wie Ries (laut Thayer, S. 348-350) berichtet, erwarb sich Fürst Lobkowitz das Recht, diese Symphonie zunächst in einigen Aufführungen in seinem Palais im privaten Kreis zu genießen.  Cooper (S. 148) verweist auf den frühesten schriftlichen Hinweis darauf: 

"Lobkowitz also enjoyed the first performances of the symphony, which was played privately in his palace several times.  The earliest record of these performances is an invoice dated 9 June 1804, which refers to two 'rehearsals' of the Eroica (presumably trial runs) that had just taken place: (Cooper: 148; --

-- Cooper schreibt hier, dass Lobkowitz die ersten Aufführungen der Symphonie genießen konnte, die in seinem Palais einige Male privat aufgeführt wurde.  Der früheste schriftliche Hinweis darauf sei eine Rechnung vom 9. Juni 1804, die auf zwei 'Proben' der Eroica hinweise).

Ob Solomons folgender Bericht gerade auf diese Proben verweist oder nicht, können wir nicht mit Sicherheit feststellen.  Er vermittelt uns jedoch einen lebhaften Eindruck vom Zustand des Gehörverlusts Beethovens:

"To be sure, there is a report that Beethoven had difficulty hearing the wind instruments during an 1804 rehearsal of the Eroica Symphony; and in the same year Stephan von Breuning wrote to Wegeler:  "You cannot believe, dear Wegeler, what an indescribable--I should say terrifying--impression the waning of his hearing has had upon him. . . . "" (Solomon: 122; --

-- Solomon verweist hier auf einen Bericht, dass Beethoven während einer Probe zur Aufführung seiner Eroica Schwierigkeiten hatte, die Blasinstrumente zu hören.  Im selben Jahr soll Stephan von Breuning an Wegeler geschrieben haben:  "Du wirst es kaum glauben, lieber Wegeler, welchen unbeschreiblichen--ich sollte sagen, schrecklichen--Eindruck sein Gehörverlust auf ihn hatte. . . . ).

Wie Thayer Ries berichten lässt, soll auch im Dezember 1804 eine Aufführung im Lobkowitz-Palais stattgefunden haben:

"In December the famous Munich oboist Ramm was in Vienna and took part with Beethoven in one of Prince Lobkowitz' concerts.

Here it happened that Beethoven, who was directing [the Eroica] himself, in the second part of the first Allegro, where the music is pursued for so many measures in half-notes against the beat, threw the orchestra off in such a way that a new beginning had to be made.

In the first Allegro occurs a mischievous whim (böse Laune) of Beethoven's for the first horn; in the second part, several measures before the theme recurs in its entirety, Beethoven has the horn suggest it at a place where the two violins are still holding a second chord.  To one unfamiliar with the score this must always sound as if the horn player had made a miscount and entered at the wrong place.  At the first rehearsal of the symphony, which was horrible, but at which the horn player made his entry correctly, I stood beside Beethoven, and, thinking that a blunder had been made I said: 'Can't the damned hornist count?--it sounds infamously false!'  I think I came pretty close to receiving a box on the ear.  Beethoven did not forgive the slip for a long time" (Thayer: 348-350; in: "The Year 1804"; --

-- Ries berichtet hier, dass im Dezember der berühmte Münchner Oboenspieler Ramm in Wien war und mit Beethoven an einem Konzert im Lobkowitzpalais teilnahm.  Dort habe Beethoven die 'Eroica' selbst dirigiert.  Im zweiten Teil des ersten Allegros  habe Beethoven dann das Orchester so aus dem Konzept gebracht, dass dieses von vorne anfangen musste.

Im ersten Allegro habe er eine 'böse Laune' für das erste Horn mit eingebaut.  Im zweiten Teil, einige Takte, bevor das Thema ganz wiederholt werde, habe Beethoven vorgesehen, dass das Horn damit an einer Stelle ansetze, wo die zwei Violinen noch einen zweiten Akkord halten.  Für jemanden, der mit der Partitur nicht vertraut sei, müsse das immer so klingen, als ob sich der Hornspieler verzählt habe und an einer falschen Stelle einsetze.  Bei der ersten Probe der Symphonie, die schrecklich gewesen sein soll, bei welcher jedoch der Hornspieler seinen Einsatz korrekt spielte, stand Ries neben Beethoven und, in der Auffassung, dass ein Fehler vorgekommen sei, habe er ausgerufen:  'Kann der verdammte Hornspieler nicht zählen?--das klingt unwahrscheinlich falsch!'  Ries berichtet, dass er von Beethoven dafür beinahe eine Ohrfeige erhielt und dass er ihm diesen Irrtum lange nicht verzieh).

 



Das Lobkowitz-Palais in Wien

 

 

Cooper (S. 148) berichtet, dass Beethoven während der Privataufführungen der Eroica im Lobkowitzpalast viele kleinere Änderungen an der Musik vornahm, die in der Originalpartitur als Korrekturen verzeichnet seien.  Er habe auch den ersten Satz einige Male mit und ohne Wiederholung der Durchführung ausprobiert, bevor er zum Schluss gekommen sei, dass sie besser mit eingeschlossen sein solle. Dazu kommentiert Cooper noch:

". . . paradoxically, the movement seems excessively long without it.  The repeat was finally confirmed in a letter from Carl to Breitkopf dated 12 February 1805:  'My brother thought at first, before he had heard the symphony, that it would be too long if the first part of the first movement were repeated, but after several performances it was found disadvantageous if the first part were not repeated.(8: Alb-98; BB-212)  (Cooper: 148; --

-- Cooper schreibt hier, dass der Satz ohne die Durchführungswiederholung besonders lang wirke.  Die Wiederholung habe Carl van Beethoven in seinem Brief vom 12. Februar 1805 an Breitkopf und Härtel bestätigt).

Cooper (S. 148) verweist auch auf eine halböffentliche Aufführung der Eroica im Februar 1805 (Kropfinger (S. 29) datiert diese, die Würth'sche Aufführung, auf den 20. Januar 1805), im Zusammenhang mit einer Aufführung seiner Ersten Symphonie.  

Sowohl Cooper (S. 148) als auch Thayer (S. 375) verweisen darauf, dass die erste öffentliche Aufführung des Werks am 7. April 1805 stattfand.  Werfen wir dazu einen Blick auf Thayers Bericht:

"Its first really public performance was in the Theater-an-der-Wien, on Sunday evening, April 7th, where it began the second part of a concert given for his own benefit by Clement.  The programme announces it thus:  "A new grand symphony in D-sharp (9: According to German tablature, flat tones (E-flat, A-flat) were customarily called sharp tones (D-sharp, G-sharp) right into the 19th century) by Herr Ludwig van Beethoven, dedicated to his Serene Highness Prince Lobkowitz.  The composer has kindly consented to conduct the work."

Czerny remembered, and told Jahn, that on this occasion "somebody in the gallery cried out" 'I'll give another kreutzer if the thing will but stop!'"  (Thayer: 375; --

Thayer geht hier auf die Uraufführung des Werks im Theater-an-der Wien am Sonntagabend, den 7. April 1805 ein, und zwar im zweiten Teil eines Benefizkonzerts für Clement.  Das Programm kündigte das Werk laut Thayer wie folgt an: "Eine große Symphonie .  . . von Herrn Ludwig van Beethoven, seiner Hoheit, Fürst Lobkowitz gewidmet.  Der Komponist hat sich freundlicherweise bereit erklärt, das Werk zu dirigieren."

Wie Czerny sich laut Thayer erinnerte und später Jahn berichtete, habe bei dieser Gelegenheit jemand in der Galerie gerufen:  "Ich gebe noch einen Kreutzer wenn das Ding endlich aufhört!"). 

Auf die ersten Kritiken dieser Aufführungen werden wir in unserer Rezeptionsgeschichte eingehen.  Bevor wir uns hier der Veröffentlichunsgeschichte zuwenden, sollten wir vielleicht auch einen Blick auf Beethovens allgemeine Lebensumstände der Jahre 1804 bis 1806 werfen. 


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