BEETHOVENS DRITTE SYMPHONIE
ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
ZUR VERÖFFENTLICHUNG UND WIDMUNG


 



Fürst Lowkowitz

 

 

EINLEITUNG

 

Wir hoffen, dass Sie durch die Chronologie der allgemeinen Lebensumstände Beethovens in den Jahren 1804 - 1806 gut auf diesen neuen Abschnitt vorbereitet wurden.  Hier können wir Ihnen zwei verschiedene Darstellungsarten der Veröffentlichungs- und Widmungsgeschichte der Eroica anbieten, nämlich zum Einen eine chronologische Wiedergabe der Korrespondenz Beethovens und seines Bruders mit verschiedenen Verlegern, zum Anderen eine chronologische Zusammenfassung der Kommentare der von uns zu Rate gezogenen Autoren.  Wir sind hierbei der Auffassung, dass sich eine Vermischung der beiden Darstellungsarten für Laienautoren und Laienleser weniger eignet als eine getrennte Darstellung.  Dadurch halten wir uns, unserer Rolle als Laien am gemäßesten, von unsachgemäßen Rückschlüssen, Verquickungen und Verwechslungen fern, während uns beide Darstellungsweisen auf ihre jeweils eigene Art viel Informatives zu diesem Thema bieten können.  

Wir wünschen Ihnen für alles hier Gebotene viel Lese- und Entdeckungsfreude!

 

 

KORRESPONDENZ

 

Unsere chronologische Wiedergabe der Korrespondenz enthält keine Kommentare, damit Sie diese so frisch wie möglich auf sich wirken lassen können:

 

Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                         Wien am 21 May 1803

Hochgeehrter Herr!

. . . 

Jetzt hab ich eine Overture (6) kostet 25# auch eine neue Simphonie (7) wo Sie mir Ihre Meinung über schreiben können, denn hat Hr Kleinheinz (8) unter Leitung meines Bruders mehrere von seiner Klaviermusick zu Quartetten, und einige Instrumentalmusick für Klavier mit Begleitung arrangirt, Sie können eins ins andere um 20# haben.

ihr ergebenster

                                                                            K v Beethoven

(Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 138, S. 163-164)

(Original:  Bonn, Beethoven-Haus; zu (6): verweist wahrscheinlich auf op. 43, wurde aber von K. v. Beethoven dem Verlag bereits im Januar 1803 angeboten, s. Brief Nr. 125; zu (7): verweist auf op. 55, obwohl dieses Werk erst im Herbst 1803 der Fertigstellung nahe war; Einzelheiten S. 164 entnommen).


Kaspar Karl van Beethoven an Nikolaus Simrock in Bonn

                                                                                                             Wien am 25 May 1803

H Simrock in Bonn

Hochgeehrter Herr!

. . . 

Dann können Sie auch eine große Simphonie (4) alein um 400 fl haben. .  . . . 

. . .

ihr ergebenster

                                                                                                              K v Beethoven

Adresse

A--Beethoven in Wien abzugeben im Theater an der Wien im 2t Stock.

de Vienne

A Monsieur Moniseur Sumrock in Bonn

(Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 139, S. 165)

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus; zu [4]: verweist auf op. 55; jedoch wurde die Symphonie erst im Herbst 1803 fertiggestellt; Einzelheiten S. 165 entnommen].


 Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                             Leipzig, den 30. Juni 1803 [1]

Herrn L. van Beethoven in Wien.

. . . 

Es würde uns sehr angenehm gewesen sein, wenn Ihr Herr Bruder, der uns von einer neuen Sinfonie von Ihnen schrieb, [12] uns Ihre Bedingungen angezeigt hätte.

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief. Nr. 146, S. 170-171]

[Original: nicht bekannt, Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels; zu [1]]: verweist darauf, dass das Konzept am 1.7.1803 in Reinschrift angefertigt wurde; zu [12]: verweist auf op. 55, siehe Brief 138; Einzelheiten S. 171 entnommen].


 Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                          Leipzig, den 20. September 1803.

Herrn L. v. Beethoven in Wien 

   Sie haben die Güte gehabt, durch das letzte Schreiben Ihres H. Bruders uns einige neuere Klavier- und Violin-Sachen Ihrer Komposition, und zwar gegen die Bedingung von 150# Honorar zum Verlag offerieren zu lassen. [1]  Wir sind für diesen uns sehr schätzbaren Beweis eines wohlwollenden Andenkens gegen uns sehr dankbar, und wir entsagen gewiß einem sehr angelegentlichen Wunsche, wenn wir, durch die Lage der Sache verhindert, dies gütige Anerbieten nicht annehmen können.  Aus beiliegenden Anzeigen H. Zuhlehners in Mainz [2] ersehen Sie, dafern es Ihnen nicht schon bekannt geworden ist, daß derselbe Ihre gesamten Kompositionen für Violine und Klavier auf Abonnement ankündigt.  Jeder rechtmäßige Verleger Ihrer Werke ist dadurch nun im voraus gewiß, die Werke, welche er von Ihnen gegen ein verglichenes Honorar übernimmt, nicht bloß in Bonn, Offenbach und gewiß in Mainz nachgestochen zu sehen, und zu säen, damit jene ernten können.  Wenn auch diese Umstände den Wiener Verlegern, der Entfernung wegen, weniger nachteilig sein sollten, so machen sie es jedoch einer in der Mitte Deutschlands situierten Handlung unmöglich, Ihnen für Ihre Werke Bedingungen zu offerieren, die Ihnen annehmlich sein könnten.  Sollten Sie dagegen wieder einmal ein Klavier-Konzert oder eine Sinfonie herausgeben und uns den Verlag davon zu überlassen geneigt sein, so bitten wir, uns Ihre Bedingungen wissen zu lassen.

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 156, S. 181-182]

[Original: nicht bekannt, Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven; zu [1]: verweist auf Brief 153; zu [2]: verweist auf Georg Carl Zulehner, Komponist und Verleger, Schüler Sterkels, der 1799 in Mainz eine Notenleihanstalt gründete und 1802 selbst verlegerisch tätig wurde; Einzelheiten S. 182 entnommen; Schrägstellung des letzen Satzes durch die Websiteautorin].


 Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                        Wien am 14t 8ber [=Oktober] 1803

Hrn Härtel in Leipzig

Hochwohlgebohrner Herr!

   Ich habe Ihren letzten Brief erhalten, worin Sie eine Simpfonie und ein Konzert verlangen, [1] diesen Wunsch kann ich Ihnen zum Theil erfüllen.  Sie können eine oder zwey Simpfonien, [2] oder eine Simpfonie und Konzertant für alle Instrumenten für Klavier Violonzello und Violin, [3] diese beyden Stücke sind um 700 fl., mit der Bedingung daß Sie bis Ostern beyde erscheinen.

. . . 

ich bin mit vieler Hoch.[achtung]

                                                                                                                          K v Beethoven

de Vienne

A Monsieur Heertel a Leipsic über Prag

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 163, S. 188-189]

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 156; zu 2: verweist auf op. 55, wozu in der 'Gesamtausgabe' vermerkt wird, dass 'Skizzen zu op. 66 und op. 67 im Eroica-Skizzenbuch . . .  belegen, dass Beethoven in dieser Zeit neben der Eroica wenigstens eine weitere Symphonie zu schreiben plante'; Einzelheiten S. 189 entnommen].


 Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                                   [Leipzig, 22. Oktober 1803]

[Der Verlag bietet für die in Brief 163 offerierten Werke ein Honorar von 500 Gulden an und erkundigt sich nach den Verlagsbedingungen für das Oratorium Christus am Ölberge.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 164, S. 190]

[Original nicht bekannt, erschlossen aus den Registraturvermerken auf den Briefen 158 und 163 sowie aus Brief 171; Einzelheit S. 190 entnonmmen].


 Ferdinand Ries an Nikolaus Simrock in Bonn

                                                                                               [Wien, 22. Oktober 1803][1]

Ihren Brief vom 18. erhielt ich 15. d[iese[s].[2] Wie sehr freute mich das alte liebe Wörtchen Du, ich danke Ihnen recht sehr dafür, es soll gewiß nicht mehr geändert werden. . .  . Die Symphonie will er Ihnen für 100 Gulden verkaufen. [7] Es ist nach seiner eigenen Äußerung das größte Werk, welches er bisher schrieb.  Beethoven spielte sie mir neulich und ich glaube Himmel und Erde muß unter einem zittern bei ihrer Aufführung.  Er hat viel Lust, selbe Bonaparte zu dedizieren, wenn nicht, weil Lobkowitz sie auf ein halb Jahr haben und 400 Gulden geben will, so wird sie Bonaparte genannt. [8]  Von Leipzig sind schon 180 Gulden für diese 2 Werke geboten, weil aber sein Bruder mit unter der Decke liegt, so will er sie nicht geben. [9]  Ich bitte Sie mir also wegen der Symphonie gleich zu antworten. . . . 

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 165, S. 190-192]

[Original nicht bekannt, Text nach Erich Hermann Müller, Beethoven und Simrock, in: Simrock-Jahrbuch 2 (1929), S. 27f.; zu [1] verweist auf die Datierung durch Müller; zu [7]:  verweist auf op. 55, und es waren wohl Dukaten gemeint, nicht Gulden; zu [8]: verweist auf die Frage der Widmung der Symphonie, die bis zum Sommer 1804 unentschieden blieb [Verweis der GA auf Brief Nr. 188] und ferner wird dazu berichtet, dass Beethoven am 3. und 5. November 1804 zwei Beträge von 700 Gulden und 80 Dukaten quittiert habe, die wohl 'als Honarar für die Widmung der Eroica und des Tripelkonzerts op. 56 an Fürst Franz Joseph Maximilian Lobkowitz' anzusehen seien; zu [9]: verweist darauf, dass ein solches Angebot nicht bekannt sei, obwohl Beethoven und sein Bruder mit Breitkopf & Härtel in Bezug auf dieses Werk korrespondierten; Einzelheiten S. 191- 192 entnomment; Schrägstellung des Texts durch die Websiteautorin].


 Kaspar Karl und Ludwig van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                   Wien am 23 9ber [ = November] 1803

Hrn Härtl in Leipzig

Hochwohlgeborhner Hr!

    Ihren letzten Antrag mit 500 fl kann ich für diesesmal nicht annehmen, [1] mir ist es leid, doch dürfte es Sie in der Folge auch gereuen, denn, entweder sind diese Simpfonien das schlechste was mein Bruder geschrieben, oder das beste. [2]

. . .

ihr ergebenster

                                                                                     K. v Beethoven

[Beilage von der Hand L. van Beethovens:]

[diese bezieht sich auf Angaben zu Wiener Instrumentenbauern]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 171, S. 197 - 198]

[Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist auf Briefe Nr. 164 oder 168, die beide nicht überliefert sind; zu [2]: verweist darauf, dass Karl v.B. im Brief Nr. 163 dem Verlag zwei Symphonien oder eine Symphonie und ein Konzertant für 700 Gulden angeboten hatte; Einzelheiten S. 198 entnommen]. 


Ferdinand Ries an Nikolaus Simrock in Bonn

                                                                                      [Wien, 11. Dezember 1803][1]

   Ihren Brief vom 13. Nov. erhielt ich am 3. dieses.[2] . . . Die neue Symphonie von Beethoven will er nun gar nicht verkaufen [10] und sie für seine Reise aufbehalten, wozu er nun noch eine macht. [11] . . .

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 173, S. 199 - 201]

[Original:  nicht bekannt; Text nach Erich Hermann Müller, Beethoven und Simrock, in: Simrock-Jahrbuch 2 (1929), S. 28f., zu [1]: verweist auf Datierung nach Müller; zu [2]: verweist darauf, dass dieser Brief nicht überliefert ist; zu [10]: verweist auf op. 55; zu [11]: verweist darauf, dass Beethoven -- siehe Skizzenbuch Landsberg 6 -- an der sechsten und fünften Symphonie arbeitete; Einzelheiten S. 200-201 entnommen].

 

Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                      Vien am 26ten August 1804

   Mehrere Ursachen Veranlassen mich, ihnen mein Hochgeehrter Hr. Härtel zu schreiben -- . . . eine andere Sache, die mir am Herzen liegt, ist, daß mehrere Verleger mit <Sachen> Kompositionen von mir so erschrecklich lang zögern, bis dieselben ans Tageslicht kommen, die Ursache davon gibt jeder bald dieser bald jener Veranlassung schuld.  ich errinnere mich recht wohl, daß sie mir einmal schrieben, daß sie im stande wären eine ungeheure Menge Exemplar[e] in wenigen Wochen zu liefern [4] -- ich habe jezt mehrere werke, und eben des wegen, weil ich <sie> gesonnen bin, Alle ihnen diese[l]ben zu überlassen, würde mein Wunsch, dieselben bald ans Tages licht kommen zu sehen, vieleicht um desto eher erfüllt können werden -- ich sage ihnen daher nur kurz, was ich ihnen geben kann:  Mein Oratorium [5]; -- eine Neue große Simphonie [6]; -- ein Konzertant für Violin, Violoncelle und piano-forte mit dem ganzen Orchester [7] -- drey neue Solo Sonaten [8], sollten sie darunter eine mit Begleitung wünschen, so würde ich mich auch darauf einlaßen -- wollten sie diese sachen nun nehmen, so müsten sie mir gütigst genau die Zeit angeben, die sie brauchen, solche zu liefern, da es mein gröster Wunsch ist, daß wenigstens die drey erstern Werke so bald als möglich erschienen, so würden wir die Zeit schriftlich oder Kontrat mäßig [nach ihrer Angabe) bestimmen, worauf ich dann freylich, ich sage es ihnen offen, streng halten würde. -- das Oratorium ist bisher noch nicht herausgekommen, weil ich einen ganz neuen chor dazu noch beygefügt, und einige Sachen noch verändert habe, [9] indem ich das ganze oratorium in nur einigen Wochen schrieb, und mir wohl hernach einiges nicht ganz entsprach -- desweegen hatte ich es bisher zurückbehalten, diese Änderungen datiren sich erst nach der Zeit, als ihnen mein Bruder davon geschrieben [10] -- die Simphonie ist eigentlich betitelt Ponaparte [11], außer allen sonstigen gebräuchlichsten Instrumenten sind noch besonders 3 Obligate Hörner Dabey -- ich glaube, sie wird das Musikalische Publikum interessiren -- ich wünschte, daß sie dieselbe statt der gestochenen stimmen in Partitur herausgäben 

. . . .

in Erwartung einer Baldigen Antwort bin ich ihr Ergebenster

                                                                                           Ludwig van Beethoven

An Breitkopf und Härtel in Leipzig.

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 188, S. 218 - 220]

[Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [4]: verweist auf Brief Nr. 126 vom 28.1.1803; zu [5]: verweist auf op. 85; zu [6]: verweist auf op. 55; zu [7]: verweist auf op. 56; zu [8]: verweist auf op. 43, op. 4 und op. 57; zu [9]: verweist auf op. 85; zu [10]: verweist wahrscheinlich auf Brief Nr. 171; zu [11]: hier verweist die GA darauf, dass 'In der überprüften Partiturabschrift im Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Beethoven A 20, 1. Seite) trug die Symphonie ursprünglich die Bezeichnung "Sinfonia grande/intitolata Bonaparte/del Sigr/Louis van Beethoven".  Die zweite Zeile wurde später ausrasiert, doch fügte Beethoven mit Bleistift unten wieder an: "geschrieben auf Bonaparte""; Einzelheiten S. 220 entnommen].


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                            Leipzig, den 30. August 1804.[1]

Herrn van Beethoven in Wien.

   Ihre gütige Verwendung an uns in Betreff der vier neuen herauszugebenden Werke [2] ist uns sehr ehrend und schätzbar; wir bezeugen Ihnen dagegen unsere lebhafte Erkenntlichkeit.  Unsere Musikstecherei und Druckerei ist allerdings so organisiert, daß wir auch ziemlich starke Werke schnell und in beträchtlicher Anzahl abdrucken lassen können; in dieser Rücksicht würden wir allen Wünschen wohl Genüge leisten können.  Was hingegen die von Ihnen vorgeschlagenen Bedingungen betrifft, so ist unsere Situation, wie wir Ihnen schon bei ähnlicher Veranlassung gemeldet haben, zu beschränkt, um Ihnen auch darin Genüge leisten zu können, da der Debit in Deutschland durch den Nachstich (dem Ihre und alle Werke von höherem Kunstwerte desto mehr ausgesetzt sind), in Frankreich, England pp. aber durch die politischen Zeitumstände jetzt äußerst geschmälert wird.

   Besonders schwierig ist jetzt die Herausgabe größerer und ernsthafter, wenn auch noch so trefflicher Werke in Partitur.  Wir haben diese Erfahrung an Mozarts Requiem und Don Giovanni, an Händels Messias, an Haydns Messen und ähnlichen Werken zu großem Nachteil von uns gemacht, denn ob wir sie gleich zu äußerst niedrigen Preisen gesetzt haben, so ist doch die Nachfrage danach bei weitem nicht hinreichend gewesen, um nur die simplen Druckkosten zu ersetzen.  Die Aufhebung der Klöster [3] hat hierzu nicht unwesentlich beigetragen.  Da Sie hingegen wahrscheinlich, und mit gerechtem Anspruch, den bei weitem größten Teil des proponierten Honorars auf Ihr Oratorium werden geschlagen haben, so würde eben dieses Werk die Übereinkunft zwischen uns am meisten erschweren.  Sollten wir Ihnen demohngeachtet einen Vorschlag tun, so würden wir Sie bitten, mit Rücksicht darauf, daß wir von der Herausgabe dieses Werkes außer der Ehre des Verlags wenig oder keinen Vorteil finden können, das Honorar dafür in einer Anzahl von Exemplaren anzunehmen, wogegen wir keine nach Wien für unsere Rechnung schicken würden, bis die Ihrigen verkauft wären; das Hornorar für das ausschließende (überhaupt -- nicht bloß für Deutschland) Eigentum [4] der andern 3 Werke aber in barem Gelde vorzuschlagen.  Sind Ihre Vorschläge nur irgend von der Art, daß Sie uns den Verlag dieser Werke nicht ganz unausführbar machen, so sollen sie dann sehr geschwind fertig sein und versandt werden.

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 189, S. 220 - 222]

[Original nicht bekannt, Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven, in ZfMw9 (1926-27), S. 328; zu [1]: verweist auf den Registraturvermerk auf Brief 188 und dass dort das Datum des vorliegenden Antwortschreibens mit dem 31.8.1804 angegeben ist; zu [2]: verweist auf op. 85, op. 55, op. 56 und die Klaviersonaten, s. Brief 188; zu [3]: verweist auf die Tatsache, dass durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25.2. 1803 alle geistlichen Territorien Deutschlands mit Ausnahme der rechtsrheinischen Gebiete von Kurmainz säkularisiert und als Folge zahlreiche Klöster aufgelassen wurden; zu [4]: verweist auf die Tatsache, dass Breitkopf & Härtel die Absicht hatte, die Verlagsrechte für England an Clementi & Co. in London zu verkaufen; Einzelheiten S. 221 entnommen].


  Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                        Wien am 10t 8br [ = Oktober] 1804

Hrn Härtel in Leipzig.

Hochwohlgebohrner Herr!

   Geschäften welche ich im Reich hatte, und dorten 3 Monate beschäftigten, hinderten mich an Ihnen zu schreiben.  Aus Ihrem letzten Briefe an meinen Bruder, [1] sehe ich daß Ihnen das Orato.[rium] [2] unter der gemachten Bedingung nicht annehmlich scheint; Ich werde indessen Ihren Vorschlag in Betreff der Orat. überlegen. [3] --

Was die übrige 5 Stücke betrifft, nemlich die Simfonie [4], Concertant [5] und die 3 Sonaten [6], (wovon aber vermög ihrer einrichtung jede allein Erscheinen muß,) so glaube ich das 1100 f nicht zu theuer wäre. [7]

Doch müsten wir bestimmt wissen wenn sie erscheinen könnten; dieses ist mit eine Bedingung; denn, ich kann Sie versichern, und überzeugen daß mein Bruder viel mehr für ehnliche Kompositionen bekömmt.  Es sind auch noch viele unter der Presse, welche unter so vielerley Vorwand noch nicht erschienen sind, daß mein Bruder entschlossen ist lieber etwas zu verliehren als des Vergnügens beraubt zu seyn, seine Kompositionen so lange nicht zu sehn.  Denn könnten Sie mir auch Ihre Meinung wegen Quartetten für Violin sagen, und wie hoch sie wohl 2 oder 3 annehmen können.  Ich kann Ihnen diese zwar nicht gleich geben [8] aber ich würde selbe für Sie bestimmen.

ihr ergebenster

                                                                                         K. v Beethoven

de Vienne

A Monsieur Monsieur Heertel a Leipzig über Prag

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 194, S. 225 - 226]

[Original: Bonn, Beethoven-Haus, Bodmer-Sammlung Br 309; zu [1]: verweist auf Brief 189 vom 30.8.1804; zu [2]: verweist auf op. 85; zu [3]: verweist darauf, dass der Verlag statt eines Honorars Freiexemplare schicken wollte, die Beethoven in Wien hätte verkaufen können; zu [4]: verweist auf op. 55; zu [5]: verweist auf op. 56; zu [6]: verweist auf op. 53, op. 54 und op. 57, das noch nicht vollendet war; zu [7]: verweist darauf, dass Beethoven für die am 26.8.1804 (Brief Nr. 188) angebotenen Werke ein Honorar von 2000 Gulden verlangt hatte; zu [8]: verweist darauf, dass Beethoven sich erst ab 1806 wieder der Komposition von Streichquartetten zuwandte; Einzelheiten S. 226 entnommen].


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                       Leipzig, den 3. November 1804.

H. Louis van Beethoven in Wien.

   Sie haben die Güte gehabt, uns d. Ihren H. Bruder schreiben zu lassen, [1] daß Sie gesonnen sind, uns die in Ihrem letzten Briefe [2] gedachten 5 Werke, nämlich 3 Sonaten [3], 1 Sinfonie a. gr. Orch. [4], 1 Concertante für Violin, Cello u. Pf. mit Orch. [5] für 1100 f. Wiener Courant zu überlassen.  Wir wollen diesen Preis annehmen, und es wird uns zum Vergnügen gereichen, hierdurch die Verbindung mit Ihnen zu erneuern.  Nur eine, jedoch wesentliche Bitte fügen wir hinzu, die Sie gewiß gern erfüllen werden.  Wir bitten Sie nämlich, uns über das allgemeine Eigentumsrecht dieser Werke eine kurze, jedoch gerichtl. Anerklärung auszustellen.  H. Griesinger, den wir ersuchen, Ihnen die Zahlung zuzustellen, wird Ihnen unsere Meinung darüber sagen.  Da man hier keine Wechsel a. Vista auf Wien zahlbar haben kann, so bitten wir, eine Anweisung auf jene 1100 fl. auf die H. Kunz & Comp., 6 Wochen nach Dato zahlbar, anzunehmen.  Die gerichtl. Eigentumserklärung hat keine andere Absicht, als den, uns vor Nachstich zu sichern.  Die Manuskripte übergeben Sie für uns H. Griesinger, welcher sie uns durch die Post senden wird.  Die längste Zeit, in welcher alle 5 Werke bei uns bestimmt ausgegeben werden, wollen wir auf 8 - 9 Wochen nach Empfang derselben setzen, doch werden sie wahrscheinlich früher fertig.  Die Dedikationen bemerken Sie auf den Werken, und wir bitten um Ihre Vorschläge wegen der Quartetten. [6]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 198, S. 229]

[Original nicht bekannt, Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven, in ZfMw9 (1926/27), S. 329; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 194 vom 10.10.1804; zu [2]: verweist auf Brief Nr. 188 vom 26.8.1804; zu [3]: verweist auf op. 53, op. 54 und vielleicht op. 57; zu [4]: verweist auf op. 55, zu [5]: verweist auf op. 56; zu [6]: verweist auf das Angebot in Brief Nr. 194; Einzelheiten S. 229 entnommen].


Kaspar Karl van Beethoven an Breifkopf & Härtel in Leipzig

                                                                     Wien am 24ten 9ber [=November] 1804

Hrn Heertel in Leipzig

Hochwohlgebohrner Herr!

   Erst heute habe ich Ihren Brief [1] erhalten, er war vertragen, und daher kam es, daß es lange dauerte bis ich ihn bekommen konnte.  Die Terminen sind meinem Bruder auf diese Art anständig, wir schicken Ihnen binnen 12 oder 14 Tage 1 Sonate [2], und das Konzertant [3], die folgenden 14 Tage, 2 Sonaten, und wieder in 14 Tagen die Simpfonie [4].  Auf diese Art können die Sachen, ohne sich, und Ihnen zu schaden nacheinander herausgegeben werden, und es ist immer ein Zeitraum von einigen Wochen dazwischen.  Sie brauchen mir aber auch Ihren Wechsel nicht eher zu geben, wenn Sie einigen Anstand haben, bis Sie alle Werke haben.

   Mein Bruder ist jetzt so sehr mit seiner Oper [5] beschäftigt, daher ist es unmöglich, daß er die fünf Stücke auf einmal übersehen soll, und wir haben nur einen Kopisten dem man solche Sachen anvertrauen könnte. [6]

   Wenn es Ihnen so recht ist, so werde ich <Ich> Ihnen auf Ihren nächsten Brief die sicherheitspapiere [7] sammt Sonate und Konzertant schicken.

    Wegen den Quartetten [8] kann ich Ihnen noch nichts bestimmtes sagen, so bald als sie fertig sind werde ich Ihnen gleich schreiben.

ihr ergebenster

                                                                                                   K. v Beethoven

de Vienne

A Moniseur Monsieur Härtel a Leipsic

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 199, S. 229 - 230]

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 198; zu [2]: verweist vielleicht auf op. 53, zu [3]: verweist auf op. 56, zu [4]: verweist auf op. 55, zu [5]:  verweist darauf, dass Beethoven seit Anfang 1804 an seiner Oper Fidelio arbeitete; zu [6]: verweist möglicherweise auf Wenzel Schlemmer; zu [7]: verweist darauf, dass der Verlag zur Verhinderung des Nachstichs um eine gerichtlich beglaubigte Eigentumserklärung gebeten hatte; zu [8]: verweist auf die Briefe Nr. 194 und Nr. 198; Einzelheiten S. 230 entnommen].


Georg August Griesinger an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                  [Wien, 24. November 1804]

[...]

Ich bin seit 14 Tägen in der Unterhandlung mit Beethoven um keinen Schritt weiter gekommen.  Das Formular des Contraktes [1] nebst einer Quittung habe ich dem Ludwig Beethoven überbracht und ihm dabey vorgestellt dass Sie sich nicht aus Mistrauen gegen ihn, sondern um ihre Verlagsrechte gegen Collegen zu sichern, auf dem Buchstaben dieses Contraktes bestehen.  Damit schien er ganz zufrieden; weil er aber sich um das Merkantilische seiner Compositionen gar nicht zu bekümmern pflegt so schikte er mir seinen Bruder zu.  Dieser sagte mir es sey noch nichts ins Reine geschrieben und er müsse, ehe er etwas abschliessen könne, einen Brief von Ihnen abwarten worinn Sie den Zeitpunkt, in welchem die Werke erscheinen müssen, bestimmen werden. [2]  Es wurde hierauf ausgemacht dass er mich sogleich benachrichtigen würde sobald er den Brief bekommen hätte.  Das ist nun schon gewis erfolgt und Beethoven lässt nichts von sich sehen.  Ich vermuthe dass Ihre Vorsicht in Ansehung des Contrakts nicht überflüssig seyn wird.  Ludwig Beethoven äußerte selbst gegen mich dass er für die Simphonie vom Fürst Lobkowitz ausser 700 f. in Bancozetteln [3] noch ein Geschenk von 80 Dukaten in Gold erhalten habe. [4]  Wer weiss nun, ob es mit den andern Werken nicht ähnliche Bewandtnis hat welche den Compositeur die Hände binden?  ... Sie dürfen versichert seyn dass ich den Wechsel nicht herausgebe bis ich die 5 Compositionen und den unterschriebenen Contrakt habe.  Ist er aber einmahl unterschrieben so fallen die Folgen blos auf Beethoven, wenn seine Mecäne ihre einzelne Abschrift nicht verwahren.

[...]

   Mein Brief war schon geschrieben, als mir Beethoven [der homme d'affaires] sein Schreiben [6] zum Einschluss brachte.  Er schien zu wünschen dass man nicht auf der Unterschrift des Notars bestehe; mit dem Züricher und Pariser Verleger habe er nie solche Weitläufigkeiten nöthig; [7] Ich antwortete man könne davon nicht abweichen.  Eben so hatte er im Sinne, mir die 5 Compositionen nach und nach zuzustellen; darauf erwiderte ich dass der Contrakt auf alle 5 Compositionen zusammen geschlossen sey, ich auch alles zusammen bekommen müsse und auf Einmahl bezahlen werde. [8]

[...]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 200, S. 230 - 232]

[Original:  im Zweiten Weltkrieg vernichtet; Text und Datierung nach Griesinger S. 229ff.; zu [1]: verweist auf einen notariell zu bestätigenden Verlagsvertrag über 5 Kompositionen, nämlich op. 53, op. 54, op. 57, op. 55 und op. 56; zu [2]: verweist auf Brief Nr. 198; zu [3]: verweist darauf, dass Beethoven den Empfang dieses Betrages am 3.11.1804 quittiert hatte; zu [4]: verweist darauf, dass Beethoven den Empfang zwei Tage später bestätigt hatte; zu [5]: verweist darauf, dass der Verlag bald vergeblich auf die Manuskripte zu warten hatte, was den hier geäusserten Verdacht bestärkte; zu [6]: verweist auf Brief Nr. 199; zu [7]: verweist auf Hans Georg Nägeli und Ingaz Pleyel; zu [8]: verweist darauf, dass Breitkopf & Härtel auf Beethovens Wünsche eingegangen waren; Einzelheiten S. 231-232 entnommen]. 


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                          Leipzig, den 4. Dezember 1804.

Louis v. Beethoven in Wien.

   Sie haben die Güte gehabt, mir durch Ihren H. Bruder erwidern zu lassen, [1] daß Sie mir die 5 Werke [2] sukzessieren, nämlich in 14 Tagen 2, 14 Tage später 2 andere, u. ebensoviel später, das letzte senden wollten, um Ihnen teils die nochmalige Durchsicht, teils uns die Herausgabe zu erleichtern, und daß Sie die Entrichtung des Honorars nicht eher, als nach Ablieferung des letzten Manuskripts und des gerichtl.  Verkaufsakts verlangen.  Ich nehme dies sehr gern an und erwarte nun bald von Ihnen eine Sendung.  Jene gerichtl. Erklärung [3], die Ihnen auch keine Weitläufigkeit machen wird, wünsche ich indes sehr, da sie mir wesentlich nötig ist, und sowohl deutschem als französischem u. engl. Nachstich wenigstens in den ersten 6 Monaten vor der Erscheinung abzuwehren, welches ich nur duch eine gerichtl. rekognozierte Erklärung über mein ausschließendes Eigentumsrecht vermag.

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 204, S. 236]

[Original: nicht bekannt; Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven, in: ZfMw9 (1926-27), S. 329f.; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 199; zu [2]: verweist auf op. 55, 56 + 3 Klaviersonaten, s. Brief Nr. 188; zu [3]: verweist auf Brief Nr. 198; Einzelheiten S. 236 entnommen]. 


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                        Leipzig, den 22. Dezember 1904 [recte: 1804].

Beethoven in Wien.

   Auf mein letztes Schreiben vom 4ten Dezember [1] hoffte ich von Ihnen sogleich bestimmte Erklärung oder einige der vorgeschlagenen Werke zu erhalten.  Es ist mir leid, zu finden, daß diese Sache wieder Verzögerung hat leiden müssen, umso mehr, da auch auf meiner Seite jetzt einige Umstände eintreten, welche mir nicht erlauben, die Herausgabe jener Werke unter wenigstens 3-4 Monat zu besorgen, wenn sie nicht schon an mich abgegangen sind.  Ich halte mich verpflichtet, Ihnen dies anzuzeigen, um nicht Verbindlichkeiten auf mich zu nehmen, die ich nicht erfüllen könnte. [2]  Sollte dies gegen Ihre Konvenienz sein, so würde ich lieber diesmal auf das Vergnügen, jene Werke für mich zu acquirieren, Verzicht tun müssen. [3] Die in dieser Angelegenheit auf die H. Kunz & Co. fl. 1100 gestellte Anweisung [4] werde ich, da sie nun schon lange verfallen ist, zurückrufen, u. wenn noch eine Übereinkuft zwischen uns stattfinden sollte, Ihnen eine andere Anweisung ausstellen oder mich sonst mit Ihnen ausgleichen.

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 205, S. 237]

[Original: nicht bekannt; Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven, in: ZfMw9 (1926-27), S. 330; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 204; zu [2]: verweist darauf, dass Beethoven eine zügige Veröffentlichung verlangt hatte (lt. Brief Nr. 188]; zu [3]: verweist darauf, dass sich die Verhandlungen noch bis Juni 1805 hinziehen sollten und dass sie dann endgültig abgebrochen wurden, [lt. Brief Nr. 226]; zu [4]: verweist darauf, dass die Anweisung wahrscheinlich im November 1804 ausgestellt worden war, siehe Brief Nr. 198.  Laut GA schrieb Griesinger in seinem Brief an Härtel vom 29. Dez. 1804: "Hier folgt der von Herrn Kunz acceptirte aber aus meinen Händen nie gewichne Wechsel von 1100 f. zurük" [aus:  Griesinger, S. 232]; Einzelheiten S. 237 entnommen]. 


Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                          [Wien, 16. Januar 1805]

   So viel ich sehe, ist <ihr>Mein von mir an Sie abgeschicktes Paquet noch nicht angekommen -- sie erhalten darin, die Simphonie [1] und zwei Sonaten [2], das andere wird sobald als nur immer möglich nachfolgen -- nur durch mangel an guten Kopisten ist alles und muß anderes Verzögert werden -- <noch>da ich nur zwei habe, wovon der eine noch obendrein sehr Mittelmäßig schreibt, und dieser ist mir jezt eben krank geworden [3] -- so hats freylich für mich schwierigkeiten -- dazu kömmt noch, daß <ich> im Winter Meistens meine Gesundheit schwächlicher ich daher mich weniger Neben Arbeiten w[i]dmen kann, als im Sommer -- und das übersehen -- ist -- oft eine <weit>wirckliche Anstrengung, die dem wirklichen schreiben gar nicht beykommt -- ein kleines Lied [4] habe ich ihnen noch beygefügt -- wie und warum, -- werden sie aus meinem Brief -- den Musikalien beygefügt ersehen [5] -- fürst Lichnowski wird ihnen nächstens wege[n] meinem oratorium schreiben [6] -- er ist wirklich -- was in diesem Stande wohl ein seltenes Beyspiel ist -- einer meiner treusten Freunde und beförderer Meiner Kunst -- Leben sie wohl

Mit wahrer Achtung bin ich ihr ergebenster [sic] diener

                                                                                                                                 LvBthwn.

Wien am 16ten Jenner 1805 

von [Wien]

An Herrn Breitkopf u Hartel in Leipzig über Prag

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 209, S. 243-244]

[Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist auf op. 55; zu [2]: verweist vermutlich auf op. 53 und op. 54; zu [3]: verweist darauf, dass zu dieser Zeit Wenzel Schlemmer und ein von Tyson als "C" bezeichneter Kopist (vielleicht Benjamin Gebauer vom Theater an der Wien] für Beethoven arbeiteten, wobei Beethoven wohl "C" als den "mittelmässigen" Kopisten bezeichnet hatte; zu [4]: verweist vermutlich auf ein Lied mit dem Titel "Gedenke mein"; zu [5]: verweist darauf, dass dieser Brief nicht bekannt ist, er jedoch offenbar mit der Sendung der Werke im Dezember 1804 nach Leipzig abging; zu [6]: verweist darauf, dass Lichnowsky sich für den Druck und die Aufführung von op. 85 in Leipzig eingesetzt hatte; Einzelheiten S. 243-244 entnommen].


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                       Leipzig, den 30. Januar 1805

L. v. Beethoven in Wien

[Der Verlag bittet um die Übersendung von op. 56, einer versprochenen dritten Sonate [1] und des Oratoriums Christus am Ölberge  op. 85.  Er äußert den Verdacht, daß eine "Zwischenperson" die Abwicklung des Geschäftes erschwere. [2] Außerdem verlangt er eine Reduzierung des Honorars.]

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 210, S. 244]

[Original: nicht bekannt; Brief aus Brief Nr. 209 und Nr. 223 erschlossen; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 188; zu [2]: verweist vermutlich auf Kaspar Karl, siehe auch Brief Nr. 223 und Griesingers Schreiben an den Verlag:  "Dem Bruder ist aber weniger zu trauen und ich vermuthe selbst dass er sich einige Accidentien verschafft, von denen wahrscheinlich Louis Beethoven nichts weiß" (aus: Griesinger, p. 232]; Einzelheiten S. 244 entnommen].


Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                                Wien am 1 Feb 1805

Hrn Heertel in Leipzig

Euer wohlgeohrnen

   kann ich die Partitur von dem Orator[ium] nicht mitschicken, [1] weil wir nur eine davon haben.

   Im Falle Sie keine Partitur machen, habe ich einige Bemerkungen beygefügt, welche die Producktion erleichtern werden.[2]

Ihr ergeb[enster]

                                                                                                              K. vBeethooven

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 211, S. 244-245]

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass mit diesem Brief vermutlich die Aufführungsstimmen zu op. 85 versandt wurden; zu [2]: verweist darauf, dass die Aufführungsanweisungen nicht überliefert sind; Einzelheiten S. 245 entnommen].


Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                               Wien am 12ten Feb 1805

Hrn Breitkopf und Härtl in Leipzig.

Euer wohlgebohrner!

    Auf Ihren Brief an den Fürsten Li[ch]nowsky, [1] werde ich Ihnen in 8 bis 14 Tagen, umständlich antworten, jetzt habe ich Sie an etwas wegen der Simpfonie [2] erinnern wollen; -- -- Mein Bruder wünscht, daß, wo die blasenden Instrumenten, die Bratschen, Violin Secund, oder auch die Bässe etwas zu thun haben, dieses in den Violin prim müße eingetragen werden, wie bey der Simpfo aus C dur [3], welche bei Hofmeister ist gestochen worden.

Beyliegendes Blatt, muß am Ende des ersten <Theils des 1sten Allegro> Theil des ersten Allegro eingelegt werden. [4]

   Es muß also gleich beym dritten Tackt des ersten Allegro das Wiederholungszeichen angezeigt werden, nemlich

(Notenbeispiel)

das andere zeigt das beygefügte Blatt, welches ein Musickverständiger Ihnen leicht zeigen wird.

   Mein Bruder glaubte anfangs, ehe er <sie> die Simphonie noch gehört hatte, sie würde zu lang seyn wenn der erste Theil des ersten Stücks wiederholt würde, aber nach öfterer Aufführung derselben fand es sich, daß es sogar nachtheilig sey, wenn der erste Theil nicht wiederholt würde.  Auch glaubt mein Bruder, es würde vortheilhaft für Sie seyn, wenn Sie diese Simp wie die Heydnischen in Paris, [5] in einem kleinen Format in Partitur druckten, indem wohl jedem Kenner daran gelegen seyn dürfte sich selbe anzuschaffen.

   Der Bruder hat Ihnen das Lied [6] geschickt, und überläst es Ihnen, Sie ihm etwas von Ihren Partituren dafür schicken wollen.

   Lassen Sie auch diese Simphonie in Klavierauszug machen, und in Quintett, sollten Sie für letzteres niemand haben, so könnte ich Ihnen den Hrn Moser hier empfehlen, welcher auch die Schöppfung in Quintetten arrangirt hat, [7] und dem ich Ihren Brief geben werde.

   Säumen Sie nicht mit dem arrangiren, denn, wenn die Simpfo heraus ist möchte H[err] Cappi <möchte> sie sonst zu Leibe nehmen.

   Mit nächstem werden wir Ihnen die andern Stücke schicken. [8]

ihr ergebenster

                                                                                                                         K. v Beethoven

   Das Oratorium [9] werde ich Ihnen bis den 22ten dieses schicken, das ist auf den Postwagen geben.

de Vienne

A Monsiseur Monsieur Heertel a Leipzig über Prag

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 212; S. 245-246]

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief nicht überliefert ist; zu [2]: verweist auf op. 55; zu [3]: verweist auf op. 21; zu [4]: verweist darauf, dass das Blatt nicht überliefert ist; zu [5]: verweist vermutlich auf die bei Pierre Le Duc in Paris ab 1801 erschienene Haydn-Partitursammlung; zu [6]: verweist wohl auf WoO 136, siehe auch Brief Nr. 209; zu [7]: verweist auf Ignaz Frans Mosel; zu [8]: verweist auf die noch fehlenden Werke, op. 56 und die letzte der drei versprochenen Klaviersonaten; zu [9]: verweist wohl auf die Partitur von op. 85; Einzelheiten S. 246 entnommen].


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                                  [Leipzig, 20. Februar 1805]

[Der Verlag mahnt Beethoven, die noch fehlenden Werke, op. 56 und eine dritte Klaviersonate, zu schicken, und erklärt, daß er die vereinbarte rasche Fertigstellung des Druckes nicht zusichern könne, da sich die Ablieferung der Stichvorlagen zu lange herausgezögert habe.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 213, S. 247]

[Original: nicht bekannt, Brief aus den Registraturvermerken und aus den Briefen Nr. 211, 212 und 218 erschlossen; Einzelheit S. 247 entnommen].


Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                    Wien, den 18t. April 1805

                                                             PS

   Ich bedaure selbst recht sehr, daß ich Ihnen die beyden noch für Sie bestimmten Stücke bis jetzt nicht schicken konnte, allein nicht zu ändernde Umstände, nämlich der Mangel eines vertrauten Kopisten, und sehr starke Beschäftigung des einzigen, dem ich jezt solche Sachen übergeben kann, [2] verhinderten mich, und machen es mir auch noch in dem jetzigen Augenblicke unmöglich. -- Ich werde die beste Sorge tragen, und hoffe es zu bewirken, daß Sie dieselben nun in 4 bis 6 Wochen ganz sicher erhalten. -- Indeßen muß ich, da ohnedem Sie durch nichts behindert sind, den Stich der bereits empfangenen Werke sogleich anzufangen, mit Nachdruck darauf bestehen, daß die Simphonie [3] und die 2 Sonaten [4] ganz sicher nach Verlauf von <drey> zwei [5] Monat[en] erscheinen. [6] -- Die verzögerten Erscheinungen meiner Werke haben für meine Verhältniße als Autor schon oft nicht unbedeutende Nachtheile gehabt, und es ist daher mein fester Entschluß, künftig solche Zeitpunkte zu bestimmen, und davon keineswegs mehr abzugehn.  In Beziehung auf die Bezahlung wird für beyde gewiß das billigste seyn, wenn Sie, da bereits drey Werke in Ihren Händen sind, hierfür einstweilen die Summe von 700 fl., und nach Empfang der beyden andern Stücke erst den Rest mit 400 fl übermachen. -- Die Berichtigung der Sache wird am leichtesten vor sich gehen, wenn Sie, wie ich Ihnen hierdurch vorschlage, das Geld jedesmal an Ihren hiesigen Kommißionair schicken, dem ich alsdann bey der Zahlung sogleich den von Ihnen verlangten Eigenthums Schein in gehöriger Form einhändigen werde. -- Sollten Ihnen, wider Vermuthen, diese Bedingungen, sowohl in Rücksicht der baldigen Herausgabe, als der Modalität[en] der Zahlung, nicht ganz paßend seyn, und können Sie mir ihre Erfüllung nicht ganz bestimmt zusichern; so bleibt mir, obschon es mir unangenehm seyn würde, nichts übrig, als das Geschäft abzubrechen, und die unverzügliche Zurücksendung der Werke, die Sie bereits erhalten haben, zu verlangen. [7] --- Die Partitur des Oratoriums wird ihnen der Fürst Lichnowsky selbst bis Ende deses Monates geben, [8] wenn die Stimmen vorher schon ausgetheilt sind, wird es desto eher zur Aufführung gebracht werden können. -- Für den Fall, daß Sie die Simphonie behalten, wäre es vielleicht gut, dieselbe mit dem Oratorium aufzuführen; beyde Stücke füllen einen ganzen Abend sehr wohl aus. -- Wenn keine andere Einrichtung entgegensteht, so ist es alsdann meine Gesinnung und mein Wunsch, daß der Madame Bach [9] die Einnahme zugewendet werden möge, der ich schon lange etwas bestimmt habe. [10] --

                                                                                                    Ludwig van Beethoven

{Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 218, S. 252-253]

[Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist auf op. 56 und eine Klaviersonate, op. 57; zu [2]: verweist vermutlich auf Wenzel Schlemmer; zu [3]: verweist auf op. 55; zu [4]: verweist auf op. 53 und op. 54; zu [5]: verweist auf eine Korrektur von anderer, unbekannter Hand; zu [6]: verweist darauf, dass der Verlag Beethoven eine Herstellungszeit von drei bis vier Monaten genannt hatte, s. Brief Nr. 205 vom 22. Dez. 1804; zu [7]: verweist darauf, dass das Geschäft im Juni 1805 abgebrochen wurde, siehe Briefe Nr. 223 und 226; zu [8]: verweist darauf, dass sich Lichnowsky offenbar selbst schriftlich mehrfach für die Aufführung und Drucklegung von op. 85 eingesetzt hatte; zu [9]: veweist auf J.S. Bachs Tochter Regina Susanna; zu [10]: verweist auf Brief Nr. 59 vom 22. April 1801; Einzelheiten S. 253 entnommen]. 


Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

                                                                                                  [Wien, Mai 1805][1]

                                                                    P.S.

   Erst gestern erhielt ich ihren Brief vom 30ten Jenner Datirt [2] -- die hiesiege Post-Expedition kann auf verlangen mir's bezeugen, indem ich mich über eine so lange Zurückhaltung natürlich anfragen muste, und man mir dann die Ankunft des Briefes und alles deutlich angab, woraus erhellet, daß der Brief auch nicht im mindesten aufgehalten wurde -- Was ich jeden augenblick auf Verlangen schriftlich erhalten kann. -- Obschon der Zusammenhang ihres Pariser Briefs [3] und das lange Ausbleiben des ihrigen -- mir ganz begreiflich ist, als daß ich nur ein Wort drum verliehren sollte [4] -- ohnehin hat man ihnen die ursache der Verzögerung bekannt gemacht -- ist ein Fehler vorgefallen, so lage es darin, daß mein Bruder [5] sich in der Zeit des Abschreibens irrte. [6] -- das honorar ist weit geringer als ich es gewöhnlich nehme [7] -- Beethowen macht keinen Wind, und verachtet alles, was er nicht grade durch seine Kunst und seinen Verdienst erhalten kann -- daher schicken sie mir alle Von mir erhaltene Manuscripte [8[ das Lied [9] <mit einiges> auch mit eingeschlossen zurück -- ich kann und werde kein geringeres honorar <dafür> annehmen, nur um dieses schon mit mir eingegangene können sie die <dasselbe> Mnsprte [= Manuskripte] erhalten -- da das oratorium schon abgeschikt ist, [10] so mag es nun bey ihnen bleiben, sie sie es aufgeführt haben, [11] welches leztere ihnen Frey steht, selbst dann, wenn sie es nicht <zu> für sich behalten wollen -- nach der Aufführung desselben können sie mir's zurükschicken, und ist <es> ihnen Alsdann das honorar von 500 fl. Wiener Währung recht, mit der Bedingung dasselbe nur in Partitur herauszugeben, und daß mir das Recht den Klawirauszuges hier in Vien herauszugeben bleibt, so belieben sie mir darüber eine Antwort zum geben -- Es gibt keine Zwischenpersonen und hat nie deren gegeben, die das Zusammentreffen von ihnen und mir gehindert hätten [12] -- nein -- die Hinderniesse liegen in der Natur der Sache -- welche ich weder verändern kann noch mag. -- leben sie Wohl.

                                                                                                         Ludwig van Beethoven

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 223, S. 257 - 258]

[Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass aus inhaltlichen Gründen zu ersehen ist, dass der vorliegende Brief nach Brief 218, also nach dem 18. April 1805 geschrieben wurde und nicht, wie der Registraturvermerk des Verlags angibt, im März, wobei die GA noch darauf verweist, dass beide Briefe erst am 21. Juni 1805 beantwortet wurden, siehe Brief Nr. 226; zu [2]: verweist auf Brief Nr. 210, der nicht überliefert ist; zu [3]: verweist darauf, dass hier wohl kaum ein Brief Härtels aus Paris an Beethoven gemeint ist, sondern ein Brief, den Härtel aus Paris erhalten hatte und der in seinem Schreiben vom 30. Januar 1805 an Beethoven erwähnt wurde; zu [4]: verweist darauf, dass der Verlag, laut GA, vermutlich im Brief vom 30. Jan. 1805 Bedingungen vorgeschlagen hatte, die nicht mit denen von Beethovens Bruder in dessen Brief Nr. 199 übereinstimmen; zu [5]: verweist auf Beethovens Bruder Kaspar Karl; zu [6]: verweist darauf, dass die Abschrift und Revision von op. 56 und op. 57 längere Zeit beansprucht hatte, als die Beethoven-Brüder versprochen hatten; zu [7]: verweist darauf, dass für op. 55, op. 56, op. 53 und op. 54 und eine weitere Klaviersonate ein Honorar von 1100 Gulden vereinbart worden war; zu [8]: verweist auf op. 53, op. 54 und op. 55, siehe Brief Nr. 209; zu [9]: verweist wahrscheinlich auf eine frühe Fassung von WoO36; zu [10]: verweist auf op. 85; zu [11]: verweist darauf, dass trotz der Bemühungen Fürst Lichnowskys die erste Aufführung von op. 85 in Leipzig erst 1812 stattfand; zu [12]: verweist vermutlich auf Kaspar Karl van Beethoven; Einzelheiten S. 257-258 entnommen].


Breitkopf & Härtel an Beethoven

                                                                                         Leipzig, den 21. Juni 1805.

H.L. v. Beethoven in Wien.

   Seit Ihren ersten Verhandlungen mit uns über die uns offerierten 5 neuen Werke sind nun an neun Monate verstrichen, [1] ohne daß wir zum Ziel gelangt wären, wiewohl wir Ihre Forderung sogleich bewilligten u. dagegen nur die Ablieferung der Mspte. u. eines Kauf-Scheins zur Bedingung machten.  Vor ohngefähr 4 Wochen schrieb der Fürst Lichnowsky, um diese Sache zum Ziele zu bringen, selbst von hier aus an Sie und teilte uns den Inhalt dieses Briefes mit. [2]  Aber auch hierauf sind wir ohne Antwort u. noch in gleicher Ungewißheit geblieben.  So groß nun unsere Hochachtung für Ihre Kunst u. unser Wunsch immer gewesen ist, Ihre neueren Werke für unseren Verlag zu akquirieren, so wird uns doch dies zweifelhafte Verhältnis in die Länge zu unangenehm, als daß wir länger in dieser Ungewißheit bleiben u. nicht lieber wünschen sollten, auf dem kürzesten, wenn auch für uns nicht angenehmen Wege heraus zu kommen.  Wir entsagen daher lieber diesen Werken, die wir Ihnen deshalb auch durch erste fahrende Post zu anderer Weiterdispoisition zurückschicken.  Welche uns unbekannte Gründe Sie auch abgehalten haben mögen, diese Sache bisher in Richtigkeit zu bringen, so dürfen wir jedoch von Ihrer Billigkeit versichert sein, daß Sie uns bei dieser Zögerung durchaus keine Schuld zuschreiben werden.  Wir wiederholen Ihnen vielmehr die Versicherung, daß wir es uns zur Ehre u. zum Vergnügen achten werden, Ihre Werke zu verlegen, nur müssen wir Sie bitten, falls Sie künftig zu einem Verlags-Vertrage mit uns geneigt sein sollten, das Nötige mit uns ohne Vermittelung eines Dritten [3] zu regulieren u. sich die Ausstellung des gewöhnlichen Kaufscheins  oder der Eigentumsnote gefallen zu lassen, ohne welche wir, aus Gründen, die uns bloß betreffen, kein bedeutendes Werk zum Verlag übernehmen.  Es wird uns jederzeit zum Vergnügen gereichen, Ihnen Beweise unserer aufrichtigen Hochachtung geben zu können.

   In dem zur Post an Sie abgehenden Pakete befinden sich

       Das Oratorium [4], Partitur

              do.     Stimmen

       das Lied, Gedenke mein [5] --

       die beiden Klavier-Sonaten [6] --

       die Sinfonie [7]. --

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 226, S. 259 - 260]

[Original: nicht bekannt; Text nach Wilhelm Hitzig, Die Briefe Gottfried Christoph Härtels an Beethoven, in: ZfMw 9 (1926/27), S. 330-331; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 188 vom 26. Aug. 1804; zu [2]: verweist darauf, dass Lichnowskys Brief nicht überliefert ist; zu [3]: verweist darauf, dass der Verlag bereits im Januar 1805 den Verdacht geäußert hatte, dass eine "Zwischenperson" die Verhandlungen erschwerte; zu [4]: verweist auf op. 85; zu [5]: verweist darauf, dass hier wohl WoO gemeint ist; zu [6]: verweist auf op. 53 und op. 54; zu [7]: verweist auf op. 55; Einzelheiten S. 260 entnommen].

 

 

CHRONOLOGISCHE ANMERKUNGEN

 

Wie wir aus unserer Wiedergabe von Beethovens Korrespondenz mit verschiedenen Verlegern entnehmen können, streckte sein Bruder Caspar Carl bereits im Frühjahr 1803 in Richtung Leipzig und Bonn die Fühler aus mit ersten Angeboten der Eroica.  Die Korrespondenz seines Schülers Ferdinand Ries vom 22. Oktober und 11. Dezember dieses Jahres zeigt wiederum, dass Beethoven sich zunächst darauf vorbereitete, das Werk Fürst Lichnowsky zu dessen ausschließlichem Nutzen für ein halbes Jahr zu überlassen.  Cooper bestätig dies wie folgt:

"At one time Beethoven had considered dedicating the symphony, which he considered his greatest work thus far, to Napoleon, but Prince Lobkowitz offered 400 ducats (a huge sum) for exclusive use of the work for six months, and also apparently a separate sum for the dedication, and so it was he who received it: Beethoven's decision to change the dedication was not a political but a financial one, unlike the change of title"  (Cooper: 141; --

-- Cooper schreibt hier, dass Beethoven diese Symphonie, die er für sein bisher größtes Werk hielt, Napoleon widmen wollte, dass ihm aber Fürst Lobkowitz 400 Dukaten, eine große Summe, für den ausschließlichen Gebrauch der Symphonie für sechs Monate, und anscheinend eine gesonderte Summe für die Widmung, so dass Fürst Lobkowitz diese erhielt, was Cooper als eine finanzielle im Gegensatz zu einer politischen Entscheidung bezeichnet).

Die Beethoven'sche Wiederaufnahme des Angebotes der Dritten Symphonie in seinem Brief vom 26. August 1804 an Breitkopf & Härtel deckt sich demnach auch in etwa mit diesem Zeitrahmen des ausschließlichen Nutzungsrechts durch Fürst Lobkowitz.  Vielleicht setzt Thayer deshalb erst hier mit seiner Schilderung der beethoven'schen Korrespondenz zur Veröffentlichung der Symphonie ein:

"The sonata was included in a group of works about which Beethoven wrote Breitkopf and Härtel on August 26, 1804.  He offered the following--Christus am Ölberg, Symphony No. 3, the Triple Concerto, and the Piano Sonatas, Op. 53, 54 and 57--for 2000 florins "because I want a speedy edition made of my works."  . . .  Beethoven continues:  "The Symphony is entitled Bonaparte; besides the regularly used instruments there are in particular three horns obbligato--I believe this will interest the musical public.--I would like you to publish it in score instead of in printed parts."" (Thayer: 356; --

-- Thayer geht hier unter anderem darauf ein, dass Beethoven Breitkopf & Härtel die Dritte Symphonie mit einer Gruppe von anderen Werken für 2.000 Gulden anbot, und das mit der Begründung, dass er die Werke schnell veröffentlicht haben wollte.  In diesem Brief, wie wir bereits aus seinem oben angeführten deutschen Originaltext wissen, wies Beethoven auch auf den Titel der Symphonie mit Bonaparte hin, weiter auch auf drei obligate Hörner und darauf, dass er das Werk als Partitur und nicht in verschiedenen Stimmen gedruckt sehen wollte).

Darauf, berichtet Thayer weiter, habe Breitkopf und Härtel sein Interesse an diesem Angebot ausgedrückt, worauf Beethovens Bruder am 24. September geantwortet habe, dass sich eine Verzögerung eingestellt habe, und zwar aufgrund der Tatsache, dass Beethoven nur ein Kopist zur Seite stand und dass er selbst mit der Komposition seiner Oper zu beschäftigt sei, um die Vorbereitung der Lieferung an Breitkopf und Härtel selbst zu beaufsichtigen.   

Thayer fasst die weiteren Verhandlungen Beethovens so zusammen:

"Negotiations dragged on into 1805.  In a letter dated April 18, Beethoven wrote that because of the amount of work the copyists and he could not promise either Op. 56 or 57 for four to six weeks, but he hoped that publication would proceed on the Symphony and the two sonatas (Op. 53 and 54) which the firm had already received.  As for the oratorio, it would be ready at the end of the month.  The publishers, however, grew tired of waiting, sent back the music in June and abandoned the whole plan. . . .  " (Thayer: 356; --

-- Er spricht davon, dass sich die Verhandlungen bis 1805 hinzogen und dass Beethoven in seinem Brief vom 18. April an Breitkopf und Härtel schrieb, dass er aufgrund der Überlastung des Kopisten weder op. 56 oder op. 57 für weitere vier bis sechs Wochen versprechen konnte, dass er aber hoffte, dass die Veröffentlichung der Symphonie und der zwei Sonaten voranschreiten werde, die die Firma bereits erhalten hatten.  Das Oratorium, so Beethoven, sei Ende April erhältlich.  Der Verleger sei jedoch des Wartens müde geworden und habe Beethoven seine Werke im Juni 1805 zurückgeschickt).

In bezug auf die tatsächliche Veröffentlichung der Symphonie berichtet Thayer (S. 411), dass diese im Jahr 1806 durch das Kunst- und Industriekontor in Wien vorgenommen wurde.  Es ist wohl der Veröffentlichung durch diesen Wiener Verleger zuzuschreiben, dass sich Verhandlungen dazu nicht in überlieferter Korrespondenz niedergeschlagen haben.

In bezug auf Hinweise auf dem Titelblatt berichtet zum Einen Cooper (S. 141), dass die Symphonie erst auf diesem als Sinfonia Eroica bezeichnet wurde, während Thayer noch auf Folgendes hinweist: 

" . . . but a story--characteristic enough to be true--may be added:  that Beethoven, in reply to the complaints of too great length, said, in substance:  "If I write a symphony an hour long it will be found short enough!"  He refused positively to make any change in the work, but deferred to public opinion so far, as , upon its publication, to affix to the title of the Symphony a note to the effect, that on account of its great length it should be played near the beginning of a concert, before the audience was become weary" (Thayer: 376; --

-- Thayer schreibt hier davon, dass Beethoven als Antwort auf Beschwerden, dass die Symphonie zu lang sei, in etwa geantwortet haben soll:  "Wenn ich eine Symphonie schreibe, die eine Stunde lang ist, wird sie sich als kurz genug herausstellen!"  Er soll sich standhaft geweigert haben, Änderungen an dem Werk vorzunehmen, sich aber der Meinung des Publikums insofern gebeugt haben, dass er auf der Titelseite einen Hinweis anbringen ließ, dass die Symphonie aufgrund ihrer Länge am Anfang eines Konzerts gespielt werden sollte, bevor das Publikum müde geworden sei).

Thayer (S. 816-817) weist dann noch auf die erste Kontinentalveröffentlichung der ersten bis dritten Symphonie in Partiturform im Jahr 1822 durch Simrock hin.

Thayers Hinweis auf Beethovens Bereitwilligkeit, auf der Titelseite der Dritten Symphonie einen Hinweis anbringen zu lassen, dass die Symphonie aufgrund ihrer Länge am Anfang eines Konzerts gespielt werden sollte, führt uns aus unserer Betrachtung der Veröffentlichungsgeschichte dieses Werks ganz natürlich in die Richtung unseres nächsten Abschnitts zur Rezeptionsgeschichte der Eroica.

 

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