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NEKROLOG |
![]() E.T.A. Hoffmann, 1822 Stich von Johann Passini nach Wilhelm Hensel |
Den 9ten October No. 41. 1822.
N E K R O L O G.
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Ernst Theodor Amadeus Hoffmann.
Man ist es von dieser Zeitung gewohnt, dass sie keinen, für die Kunst, welcher sie gewidmet ist, bedeutenden Mann aus dem Kreise der Lebenden scheiden lässt, ohne ihm ein bedachtes, gerechtes und wohlwollendes Lebewohl nachzurufen; und dieser, schon seit ihrer Stiftung eingeführte Gebrauch ist ihr immer als keiner ihrer geringsten Vorzüge angerechnet worden. Diesem nach werden Leser, welche den Obengenannten (im grossen Publikum öfter genannt als Verfasser der Phantasiestücke in Callots Manier) gekannt haben, oder doch von ihm wissen -- und deren sind sehr viele -- diese werden schon seit einiger Zeit etwas über ihn, vorzüglich als Musiker und Schriftsteller über Musik, in diesen Blättern erwartet haben. Es wäre dieses auch gegeben worden, hätten wir nicht gehofft, die vielfältigen Bemühungen um nähere und ausführlichere Nachrichten über ihn, als wir selbst schon besassen, würden einige namhafte Ausbeute liefern; und wir würden dadurch uns in den Stand gesetzt sehen, etwas Umfassendes darzubringen. Jenes aber ist nicht geschehen, und so geschieht auch dieses nicht: eben um jener fruchtlosen Bemühungen willen möge man aber mit dieser unserer Gabe fürliebnehmen. --
Hoffman war in günstigen Lebensverhältnissen zu Königsberg in Preussen, im Jahr 1775, geboren*)[In einer Notiz der allgemeinen Zeitung ist das Jahr 1778, vielleicht durch einen Druckfehler, angegeben.] Für seine Belehrung wurde in frühen Jahren nicht wenig gethan: weniger, wie er selbst sagte, für seine Erziehung -- "Und das war eben der Teufel!" setzte er hinzu. Ein sehr fähiger, besonders schneller Kopf machte, dass ihm Tausenderley aus verschiedensten Fächern der Wissenschaften und Künste gleichsam von selbst anflog; und nicht Weniges davon blieb auch haften. Von dem, was man zur Vorschule des Gelehrten zu rechnen pflegt, war ihm, als Jüngling, schwerlich etwas gänzlich fremd; und von Mancherley, was dahin nicht gehört, besass er auch schon eine Vorahnung oder Anwandlung. In den Künsten zeigte er sich als guten Klavierspieler, (der achtbare Componist und Organist, Podbielsky, war sein Lehrer;) auch sang er angenehm, vorzüglich komische Stücke. Zugleich that er sich als fertiger Zeichner, am liebsten von Karikaturen u. dgl. hervor, und selbst von einem ausgezeichneten mimischen Talente, für's Komische nämlich und Burleske, gab er Beweise. -- So stand es um ihn, als er in seiner Vaterstadt unter die akademischen Bürger aufgenommen ward und nun sich vorzüglich der Jurisprudenz widmete. Gewisse veränderte Verhältnisse veranlassten ihn, es mit dieser Wissenschaft ernstlich zu nehmen. In einer jetzt, von mehrern Seiten ungünstigen Lage führte er ein geordneters Leben und war viel fleissiger als vorher. Und so bewiess er schon hier, wie später noch entscheidender, er gehöre zu den nicht wenigen Menschen, die Unglück viel besser vertragen, als Glück. Mit rühmlichen Zeugnissen von seinen akademischen Lehrern versehen, begann er seine praktischen Uebungen als Jurist bey der Oberamtsregierung zu Glogau, und wurde, da er sich hier eben so thätig als geschickt zeigte, nicht gar lange darauf beym Kammergericht zu Berlin als Referendearius angestellt. Bey seinen mannichfaltigen Vorkenntnissen und Vorübungen, bey der ausserordentlichen Regsamkeit, Gewandtheit und Unruhe seines Geistes, (selbst seines kleinen, leichten Körpers,) und bey unwandelbarer Lust und Liebe zur Sache, vergass oder versäumte er über den reichlichen Beschäftigungen, die ihm sein Beruf auflegte, jene frührer erlernten Künste und deren Uebung keineswegs: doch blieben sie ihm bloss Sache des Vergnügens und der Liebhaberey, so dass er auch von den flüchtigen Producten, die seinen Talenten zahlreich entquollen, keinen Gebrauch, als für den Augenblick, machte. Waren sie da, hatten sie im Augenblick ihm und allenfalls einigen Bekannten Freude gemacht: so liess er sie eben so schnell, als sie entstanden waren, untergehen. Dichten, ja schreiben überhaupt, ausser, was er musste -- das wollte er nicht; jetzt, und geraume Zeit noch wollte er's nicht. Er hatte keine Lust, und, wie er sich einbildete, auch kein Geschick dazu.
Bey der neuen preussischen Organisation Polens wurde H. (im Jahr 1800) als Regierungsassessor in Posen angestellt; nach Jahr und Tag von neuem versetzt, und 1803 als Regierungsrath nach Warschau befördert. In Polen gab es viel Neues für ihn -- zu thun, zu erfahren, zu geniessen. Das war ihm eben recht. Er richtete sich schön ein, arbeitete fleissig, setzte seine Liebhabereyen fort, lebte vergnügt, und sah, da seine Vorgesetzten mit ihm zufrieden waren, einer glänzenden Laufbahn entgegen. Auch verheyrathete er sich dort mit einer jungen Polin, und schloss einen Freundschaftsbund mit Zacharias Werner, dem er jedoch in spätern Lebensjahren keineswegs treu geblieben ist -- wie vornämlich seine "Serapions-Brüder" bezeugen. Kaum hatte er sich in jenen günstigen Verhältnissen fest- und zurechtgesetzt, als (1806) mit der Umwälzung der Dinge in Preussen, auch die, in Polen urplötzlich hereinbrach. Er sah sich mit Eins in den allgemeinen Strudel hineingerissen. Alle preussischen Beamten wurden, und nur allzuschnell, auch ohne irgend eine Unterstützung, entlassen, ja vertrieben: da verlor denn auch H., der an Zurücklegung einer Habe bis dahin noch gar nicht gedacht, auch bey so kurzer Zeit und mehrmaliger Versetzung nicht wohl hatte denken können, mit einemmale Amt, Versorgung, ja auch, bis vielleicht die Dinge von neuem einen grossen Umschwung erführen, alle Aussicht zu einer neuen Anstellung. Aber Kopf, Muth und Lebenskunst verlor er nicht. Er ging nach Berlin und war schnell entschlossen, vorläufig, was ihm bisher als Liebhabery gedient, zum Broterwerb anzuwenden: er wollte Musikunterricht geben. Geachtete Männer vom Fach, denen er sich mittheilte, namentlich Reichardt, sein Landsmann, suchten ihm dazu behüflich zu seyn; es gelang auch einigermassen: aber bey der damaligen höchst beunruhigenden und bedrängten Lage der meisten wohlhabenden Familien, und bey der beträchtlichen Anzahl schon accreditirter Musiklehrer am Ort, konnte dabey nicht viel -- konnte kaum das tägliche Brot herauskommen. Da sich nicht absehen liess, wie lange dieser Zustand dauern und H. auf diesem Wege sein Fortkommen zu suchen genöthigt seyn würde, wollte er sich in jener Kunst fester setzen, um zu Bedeutenderm und Vortheilhafterm in ihr sich fähig zu machen; und so begann er, fast in allen Freystunden, mit dem Eifer und der Beharrlichkeit, die in in der Noth ihm Stolz und Freude waren, die ernstesten, strengsten Studien und Uebungen in der Composition, und zwar gleich in den schwierigsten Gattungen derselben. So schrieb er z.B., nachdem er Mozart's Requiem aufs genaueste sich zu eigen gemacht, bloss zu seiner weitern Bildung, Uebung und Befestigung, gleichfalls ein Requiem, fast so lang, als jenes, in ähnlichen Sinne gedacht, und, so weit er's vermochte, in ähnlichem Style verfasst. Er hat es nie zur Aufführung gebracht, nie zur Aufführung bringen wollen, aber später uns mitgetheilt; wir können nicht anders, als folgendermaassen darüber urtheilen: wie nahe es auch an das Vorbild erinnert, nach welchem es gearbeitet worden, so fehlt es ihm doch nicht an Originalität der Erfindung, und noch weniger an Innigkeit und Kraft des Ausdrucks; die Ausführung des Technischen aber -- bedenkt man, dass es eines Dillettanten erstes Probestück in diesem Style ist -- muss man bewundern.
So brachte H. fast zwey Jahre hin -- blutarm, mit trockenem Stundengeben belastet, aber für sich thätig, frisch und fröhlich: da (1808) errichtete Graf Soden eine stehende Bühne in Bamberg und engagirte ihn zum Musikdirector derselben. Das war ein Glück! und was gab es da alles zu thun! Die Sache ging vortrefflich, aber nur kurze Zeit; dann holperte es und holperte immer mehr, so dass H. in der Folge den Musikdirector, Regisseur, Theatermaler, und was sonst noch, in seiner einzigen Person vereinigen musste, und Stoff zum Ueberfluss für sein späteres Werkchen, die Leiden und Freuden eines Theaterdirectors, sammlen konnte. Endlich ging's gar nicht mehr; der Schnellsegler lief in den Sand, zerborst, und ward von den Wellen verschlungen. Wir erinnern uns kaum, etwas Possirlicheres gesehen und gehört zu haben, als H., wenn er den Verlauf dieser Theatergeschichte erzählete, und ihre Hauptscenen nicht nur in Worten ausmalete, sondern mit quecksilberner Beweglichkeit und Behendigkeit alles wie in Handlung darstellte. -- So spasshaft jene seine Lage in der Erinnerung war, so ernsthaft war sie in der Gegenwart. H. hatte nun gar nichts; nicht einmal eine Aussicht, und auch kein Mittel, sich diese zu eröffnen. In dieser Bedrängnis, die die Meisten, wo nicht zur Verzweiflung, doch zur Muthlosigkeit geführt haben würde, blieb er fortwährend guter Dinge, und schrieb dem damaligen Redacteur dieser musikalischen Zeitung, der übrigens noch gar nichts von ihm wusste. Der Brief liegt vor uns; er ist so geistreich und so heiter, als irgend etwas, das H. in seinem Leben geschrieben hat. Er erzählt darin seine frühere Geschichte, (wir haben das Vorhergehende fast ganz aus ihm genommen,) dann seine letzten Fata, und nun, auf sehr lustige Weise, seine gegenwärtige Lage, wie er eben gar nichts sey, gar nichts habe, aber alles wolle, er wisse nur nicht, was? Das hoffe er denn von jenem seinem neuen Correspondenten zu erfahren: aber es müsse, wenn irgend möglich, gleich geschehen; denn Hunger thue ihm weh, wenn gleich nicht seiner, doch der, seiner Frau; und nur Eines, das er etwa zu befahren, würde ihm noch weher thun -- Geld zu empfangen ohne Arbeit. Arbeiten wolle er; müsse es seyn, selbst schreiben -- entweder in dem Fache, was das Volk "dummes Zeug" nenne, oder auch in musikalischen Angelegenheiten, die am Ende auch daran wenigstens gränzten. Zum Beweiss, dass er in letztern etwas vermöge, legte er jenes Requiem bey. Es wurde ihm sogleich geantwortet. Man drang in ihn, zu schreiben, wie er seinen Brief geschrieben habe; man bot ihm zur Bekanntmachung die musikalische Zeitung, und von deren Verleger, was möglich, an; man that ihm, um sein Verlangen genauer zu erfüllen, und auch, um ihn selbst von verschiedenen Seiten kennen und beurtheilen zu lernen, folgende bestimmtere Vorschläge: eine Erzählung oder Charakterschilderung von einem Musiker auszuarbeiten, der in späten Lebensjahren ohngefähr bis auf den Grad, wohin es der tiefsinnige Friedemann Bach gebracht, verrückt, dabey aber in seiner Kunst, wie eben jener auch, zwar verworren und launenhaft, aber gross und kühn, und nun durch die fixe Idee in seiner Einbildung, er sey Mozart, oder Händel, oder solch ein Heros, theils glücklich und näher individualisirt wäre, theils gewissermaassen komisch und überhaupt den Lesern interessanter würde. Zugleich sandte man ihm die, eben in den Händen der Notenstecher befindliche, grosse, herrliche Symphonie von Beethoven aus C moll, in Partitur; mit dem Gesuch, darüber zu schreiben, möchte es nun eine eigentliche Recension werden -- deren es aber bey solch einem Werke und solch einem Meister wohl kaum bedürfe, oder eine Betrachtung darüber, eine Phantasie über die Phantasie, ein Kunstwerk über das Kunstwerk etc. In zehn Tagen schon ging beydes ein; und unsre Leser mögen, wenn sie H.s "Kapellmeister Johannes Kreissler" und seine "Betrachtungen über Beethovens Symphonie" in der musikalischen Zeitung oder in seinen "Phantasiestücken" zur Hand nehmen, und dabey bedenken, dass diess seine ersten Versuche in diesen Fächern waren, auf seine bewundernswürdige Fähigkeit schliessen; als um welches Urtheils willen allein diese ganze Anekdote hier angeführt worden ist. Dass aber jene Charakterschilderung, so wie jene Recension, seine besten, wenigstens im Fache der Tonkunst, geblieben sind, wollen wir, zur Steuer der Wahrheit, gleichfalls nicht unerwähnt lassen. Doch verdankt ihm jenes Institut noch manchen geistvollen, sehr schätzbaren Beytrag in der Folge; wie er denn demselben -- um das gleich hier vorauszunehmen -- so lange getreu und zugethan blieb, bis andere Verleger um des Beyfalls willen, den seine Schriften gefunden, ihm beträchtlichere Vortheile boten, als ihm dort geboten werden konnten. --
Nicht lange nach jenem Antritt einer neuen Thätigkeit traf sichs, dass die Operngesellschaft des verstorbenen Joseph Seconda, die des Sommers auf dem Bade bey Dresden, des Winters in Leipzig spielte, ihren Musikdirector verlor. H.s Bekannte am letztern Orte leiteten ein, dass er zu dieser Stelle berufen ward, unterhandelten an seiner Statt einen beträchlichern Gehalt, als er selbst verlangt hatte, und so übernahm er diesen Posten mit grossem Vergnügen (1812.). Die kriegerischen Vorfälle in Dresden, wo er sich eben damals mit der Gesellschaft befand, machten auf seinen regsamen, durch alles ihm Neue und wahrhaft Bedeutende angezogenen Geist eher einen beglückenden, als einen niederschlagenden oder auch nur beunruhigenden Eindruck. Er war überall, wo es eben etwas Rechtes zu sehen oder zu erfahren gab; gerieth dabey einigemal in offenbare Lebensgefahr, was ihn aber nicht im Geringsten störete; und behielt doch noch Zeit und Kraft genug, seinem neuen Amte nicht übel vorzustehen. Im Herbste diese Jahres reisete er mit der Gesellschaft nach Leipzig, wo ihn denn seine dortigen Bekannten zum erstenmal sahen, und sich von da an seiner geistvollen, höchstbelebten Unterhaltung und unverwüstlichen guten Laune oftmals erfreuten. Auf jener Reise traf ihn übrigens das Unglück, dass die schwere, mit Waaren belastete Postkutsche umwarf. Er selbst wurde zwar nur leicht, seine Frau aber gefährlich verletzt, und da besonders ihr Kopf gefährlich verletzt war, konnte sie nur nach mehrern Monaten wiederhergestellt werden. Diesen Unfall abgerechnet, lebte H. jetzt vollkommen zufrieden und glücklich; wie er nun aber, wenigstens damals noch, einen ruhigen, gesicherten Zustand nicht lange ertrug, so bekam er auch hier Händel, erst mit Mitgliedern der Operngesellschaft, dann mit dem Directeur, der zwar als solcher sehr unfähig, aber ein redlicher zuverlässiger Mann war. Bey einem Ausbruche des Verdrusses von beyden Seiten kündigte H. seine Stelle plötzlich auf und trat auch sogleich ab. Und daran hinderte ihn nicht, dass eben damals (1815) die Kriegsheere der Stadt naheten, die Völkerschlacht sich vorbereitete, und er selbst Anfälle von Gicht bekam. Während der Tage der Schlacht und der harten Bedrängnisse, die unmittelbar auf sie folgten, wo ein jeder vollauf zu denken und zu thun hatte, um für das Allernächste zu sorgen, erfuhren seine Leipziger Bekannten nichts von ihm: nach den ersten Wochen aber suchte ihn Einer derselben auf. Er fand ihn in einem der geringsten Zimmer eines der geringsten Gasthöfe, auf einem schlechten Bett sitzend, wenig gegen die Kälte verwahrt, die Füsse von Gicht krumm zusammengezogen. Er hatte ein Brett vor sich liegen und darauf schien er beschäftigt. Mein Gott! rief jener, was machen Sie denn? "Karikaturen!" sagte H. lachend. "Karikaturen, auf die verwünschten Franzosen! Ich erfinde, zeichne und colorire sie. Ich bekomme für jede von . . . , dem Knauser, einen Ducaten." Und wirklich sind die meist geistvollen, sehr possierlichen Blätter, die damals gestochen erschienen, von ihm. -- -- Guten Muthes, und mit den schnurrigsten Einfällen gespickt, gab er nun die Erzählung zum Besten, wie es ihm in diesen Wochen ergangen; es war eine Geschichte, welche in dem Innern des Zuhörers Bewunderung und Mitleid, Schmerz und Freude, nicht sowohl wechselsweise, als miteinander erregen musste. Es wurde, so gut es damals möglich, das Nöthigste für ihn gethan: er liess es geschehen, ohne eben viel daraus zu machen; was denn auch ganz folgerecht war.
Von diesem seinem Lager aus, und zerrissen vom Gichtschmerz, den er verachtete, schrieb er an den königl. preussischen Staatskanzler, Fürsten von Hardenberg, nach Paris, wohin dieser den siegenden Armeen gefolgt war; und, ohngeachtet der ungeheuern Summe höchstwichtiger und höchstdringender Geschäfte, die diesen grossen Mann haben damals belasten mussten, erhielt H. schon nach einigen Wochen Antwort, Unterstützung, und tröstende Zusage, sobald als irgend möglich nun, bey veränderten Umständen, wieder angestellt zu werden. Der Frühling war gekommen, er wirkte wohlthätig auf H.s Gesundheit, und da erschien auch wirklich schon die Erfüllung jener Zusage: H. wurde als Kammergerichtsrath nach Berlin berufen, und ging nach wenigen Tagen dahin ab. --
Ueber den Rest seines Lebens können wir ganz kurz seyn. Er hatte schon in jener Zwischenzeit die ersten zwey Bände seiner "Phantasiestücke," grossentheils aus Aufsätzen bestehend, die früher in der musikalischen Zeitung gestanden hatten, herausgegeben; Jean Paul Friedrich Richter hatte eine geistreiche Vorrede dazu geschrieben und damit zur schnellen Verbreitung des Werks viel beygetragen; es fand grossen Beyfall: H.s Ruf als Schriftsteller, so wie sein Fach als solcher, war damit bestimmt; sein Leben wurde in sofern ein öffentliches; eben darum können wir voraussetzen, es sey auch unseren Lesern bekannt; und da über diejenigen seiner Schriften, die mehr oder weniger Musik betreffen, auch in diesen Blättern schon ausführlich so oft etwas Neues jener Art erschien, gesprochen worden, von andern, die mit Musik sich nicht beschäftigen, hier nicht der Ort zu sprechen ist: so haben wir darüber gar nicht weiter anzuführen. --
Ueber seine Thätigkeit als Geschäftsmann sind wir nicht weiter unterrichtet, als es durch öffentliche Blätter auch Andere sind: er war geachtet und reichlich beschäftigt -- eine Zeit lang selbst bey der Commission zur Untersuchung geheimer demagogischer Umtriebe; -- er war aber auch reichlich belohnt. Diese reichliche Belohnung, und die sehr grossen Zahlungen, die ihm von den Verlegern seiner Schriften zukamen; weit mehr aber der Ruf, den diese erlangten, da sie mit Vorliebe Gegenstände berührten, die Viele eben jetzt berührt haben wollen, und in einer Manier, die sie jetzt gleichfalls wollen; und der Andrang der Buchhändler um immer Neues, viel Neues, recht wunderliches Neues -- diese Dinge, die vereint auf sein höchst reizbares Wesen gleichsam anstürmten, waren, wenn nicht Schuld, doch Veranlassung, das er den Beweiss für unsere Behauptung, er habe Unglück weit besser getragen, als Glück, in der letzten Zeit sehr augenfällig führte, und schon im 47sten Jahre seines Alters, den 25sten Juny 1822, in Berlin verstarb. --
Es wird und kann Keinem ein Zweifel über das reiche Maas an Geist beykommen, das H. von der Natur zugetheilt war: aber deren, die ihn näher gekannt, auch keinen darüber, dass sie auch in seine Willenskraft eine grosse Energie, und besonders eine Beharrlichkeit und Zähe gelegt hatte, die Achtung erzwingt und verdient. In der Ausbildung und Verwendung von beyden herrlichen Naturgaben war er ein Kind seiner Zeit, in wiefern diese liebt, nach den verschiedensten Seiten hin ein Aeusserstes anzustreben. Diese leitete ihn, dieser gab er sich hin; diese hat dafür ihn gehoben, getragen und aufgerieben. --
(Im Hintergrund sehen Sie Hoffmanns Bleistiftzeichnung, "Kreisler im Wahnsinn",
1822)