BARON JOHANN BAPTIST PASQUALATI

 

 

 

 

EINLEITUNG

Die Tatsache, dass wir Ihnen als Titelbild kein Portrait dieses Beethovenfreunds anbieten können, sondern „nur“ sein Mietshaus an der Mölkerbastei in Wien, sagt bereits einiges über die Natur dieser Freundschaft aus: Pasqualati diente Beethoven vor allem mit dem, womit er ihm dienen konnte, nämlich einer der schönsten Wohnungen in seinem Mietshaus.   Wer aber war Pasqualati und wie stieß Beethoven auf ihn?

BARON PASQUALATI UND BEETHOVEN

Dazu berichtet Thayer-Forbes:

"Ries had in the meantime fulfilled Beethoven's wish for a new lodging on the ramparts, by engaging one for him on the  Mölkerbastei, three or four houses only from Prince Lichnowsky, in the Pasqualati house--"from the fourth story of which there was a beautiful view," namely over the broad Glacis, the northwestern suburb of the city and the mountains in the distance.  "He moved out of this several times," says Ries, "but always returned to it, so that, as I afterwards heard, Baron Pasqualati [20:  The Baron was physician to Maria Theresia.  See Wolfang Madjera, "Beethovens Wohnung im Pasqualati-Haus zu Wien," Der Merkur 221 (1921), 337] was good-natured enough to say, "The lodging will not be rented; Beethoven will come back.'"  To which extent Ries was correctly informed we will not now conjecture" [TF: 356-7; --

-- Im Kapitel zum Jahr 1804 schreibt TF hier, dass Ries in der Zwischenzeit Beethovens Wunsch nach einer neuen Wohnung an der Mölkerbastei erfüllen konnte, nur drei oder vier Häuser von Fürst Lichnowsky entfernt, im Pasqualatihaus. Vom vierten Stock dieses Hauses hatte man laut TF eine schöne Aussicht auf das Glacis, die nordwestliche Vorstadt und auf die Berge im Hintergrund. Wie TF Ries berichten lässt, zog Beethoven aus dieser Wohnung mehrere Male wieder aus, kehrte jedoch immer wieder zurück. Später will Ries erfahren haben, dass Baron Pasqualati, Arzt von Maria Theresia, gutmütig gesagt haben soll: Die Wohnung wird nicht vermietet. Beethoven wird wiederkommen. Inwiefern Ries richtig informiert war, wollte TF hier nicht weiter diskutieren].

Wie wir bereits aus unseren Biographischen Seiten wissen, sahen die Jahre 1804 bis 1805 Beethovens immer intensiver werdende Freundschaft mit und Leidenschaft für Josephine von Brunsvik und seinen künstlerischen Aufschwung in seine sogenannte zweite Schaffensperiode, mit der Dritten Symphonie und seiner Arbeit an seiner einzigen Oper, Fidelio.  In diesem Zusammenhang ist Beethovens Vertrag mit Baron Braun interessant.  Dazu bemerkt TF:

"The new contract with Baron Braun gave the composer again a right in the apartments in the theatre building, which he improved, at the same time retaining the dwelling in the Pasqualati house.  The city directory for 1805 gives his address at the theatre, and there he received visitors; at the Pasqualati-house he was accustomed to seclude himself for work, forbidding his servant to admit any person whatever" [TF: 379-380; --

-- TF berichtet hier, dass der neue Vertrag mit Graf Braun Beethoven wieder die Rechte auf eine Wohnung im Theatergebäude gab, während er zur gleichen Zeit seine Wohnung im Pasqualatihaus beibehielt. Das Stadtverzeichnis des Jahres 1805 zeige Beethovens Adresse im Theater an, und dort habe er Besucher empfangen. Im Pasqualatihaus habe er sich zur Arbeit eingeschlossen und seinem Diener verboten, auch nur irgendjemanden zu empfangen].

Wie sich diese  Zurückgezogenheit manchmal auswirkte, beschreibt dieser Bericht von TF:

"Beethoven felt the loss of Ries very sensibly; but it was in part supplied by young Röckel, to whom he took a great liking. Inviting him to call, he told him he would give special orders to his servant to admit him at all times, even in the morning when busy. It was agreed that, when Röckel was admitted, if he found Beethoven very much occupied he should go through the room into the bed-chamber and--both rooms overlooked the Mölkerbastei--and there await him a reasonable time; if the composer came out, Röckel quietly pass out again. It happened one evening upon his first visit, that Röckel found at the street door a carriage with a lday in it, and, on reaching the fourth story, there, at Beethoven's door, was Prince Lichnowsky in a dispute with the servant about being admitted. The man declared he dared not admit anybody, as his master was busy and have given express orders not to admit any person whatever. Röckel, however, having the entree, informed Beethoven that Lichnowsky was outside. Though in ill humour, he could no longer refuse to see him. The Prince and his wife had come to take Beethoven out for an airing, and he finally consented, but as he entered the carriage, Röckel noticed that his face was still cloudy" [TF: 390; --

-- TF berichtet hier, dass Beethoven im Jahr 1805 den Verlust von Ferdinand Ries sehr gespürt habe, dass dieser aber durch den jungen Röckel gemildert worden sei. Diesen habe er sehr gemocht und ihn zu sich eingeladen. Er habe ihm gesagt, dass er seinen Diener anweisen werde, ihn zu jeder Zeit einzulassen, sogar am Morgen, wenn er beschäftigt sei. Es wurde vereinbart dass, wenn Röckel hereingelassen wurde, er ins Schlafzimmer weitergehen sollte, falls er Beethoven beschäftigt finde und dass er dort auf ihn für einige Zeit warten sollte. Falls Beethoven herauskam, könne  Röckel aus dem Schlafzimmer herauskommen. Als er Beethoven eines Abends besuchte, fand er auf der Straße eine Kutsche vor, in der eine Dame saß und als er im vierten Stock angekommen sei, habe er Fürst Lichnowsky im Streit mit Beethovens Diener vorgefunden, der ihn nicht empfing und angab, dass Beethoven ihm strengstens verboten habe, irgendjemanden vorzulassen, da er sehr beschäftigt sei. Da Röckel jedoch Zugang hatte, sagte er Beethoven, dass Fürst Lichnowsky Einlass begehrte. Obwohl Beethoven schlecht gelaunt war, habe er nun Lichnowsky den Zutritt nicht mehr verweigern können. Der Fürst und seine Gattin seien gekommen, um Beethoven an die frische Luft zu locken. Beethoven stimmte schließlich zu, aber als er in die Kutsche eingestiegen sei, habe Röckel beobachtet, dass er noch ein finsteres Gesicht hatte].

 



 Offene Kutsche in Beethovens Tagen

 

Die Jahre nach Beethovens künstlerischem Kampf um die Vervollkommnung seiner einzigen Oper in den Jahren 1805 -1806  sahen die Fortsetzung der Blütezeit seiner zweiten Schaffensperiode und die seines Wiener Lebensstils mit vielen Wohnungswechseln.  Im Jahr 1810 führte ihn ein erneuter Wohnungswechsel wieder ins Pasqualatihaus zurück:  

"It was in 1801 that Beethoven received from Clementi and Co. the long-deferred honorarium from the British copyrighs bought in April, 1807.  Exactly when this money was received by Beethoven cannot be determined from the existing evidence, but it  must have been in the early part of the year.  On February 4, Beethoven wrote to Breitkopf & Härtel, offering the compositions from Op. 75 to 82, remarking that he was about to send the same works to London. He would probably not have had such a purpose in mind unless he had had a settlement with his London publishers.

Additional evidence, though of little weight, is provided by the circumstance that at the same time he was contemplating a change of lodging, as a letter to Peter von Leber, written on February 9, sows.  It was his old home in the house of Baron Pasqualati which he had occupied two years before, and which he now took again at an annual rental of 500 florins, on April 24th, the start of the spring renting season" [TF: 485-486; --

--TF berichtet hier, dass Beethoven 1810 von Clementi & Co. das lange ausstehende Honorar für die britischen Copyrights, die er im April verkauft hatte, erhalten habe. Wann Beethoven das Geld genau erhalten habe, könne man aus den vorhandenen Unterlagen nicht bestimmen, aber es muss wohl Anfang des Jahres gewesen sein. Am 4. Februar habe Beethoven Breitkopf & Härtel die Kompositionen Op. 75 bis Op. 82 angeboten und vermerkt, dass er diese Werke zu gleicher Zeit in England anbieten werde. Er hätte das wohl nicht geschrieben, falls er aus London kein Geld erhalten hätte. TF gibt als weiteren, jedoch weniger starken "Beweis" an, dass Beethoven zur gleichen Zeit wieder umziehen wollte, wie aus seinem Brief an Peter von Leber vom 9. Februar hervorgehe. Er wollte wieder in seine alte Wohnung im Pasqualatihaus umziehen, die er vor zwei Jahren bewohnt hatte, und zwar für eine Jahresmiete von 500 Wiener Gulden, vom 24. April an, dem Beginn der Frührjahrsmietsaison].

Wir fanden und zitieren Beethovens Brief aus der Henle-Gesamtausgabe:

„Beethoven an Peter von Leber[1]

                                                                                                                                                         [Wien, 8. Februar 1810]

               P.S.

Da mir der Herr Baron Pascolati gesagt, daß ich die Wohnung in seinem Hause im 4ten Stock, welche ich vor zwei Jahren bewohnt habe, wieder besitzen könne, bitte ich Euer Hochwg. mich deswegen als ihr Mitsh.[?] zu betrachten-- d.h. vom künftigen Georgi[3] an für jährliche 500 fl.--die Zeit ist heute zu kurz, sonst würde ich auch das Drangeld gerne errichtet haben, welches ich mir dieser Täge vorbehalte.

      Ihr ergebenster diener

                                                                                                                                                              Ludwig van Beethoven

Wien, am 8ten Februar 1810“

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 428, S. 108-109; Original: nicht bekannt, Text nach Nohl II, Nr. 55; laut GA lag Nohl das Autograph im Besitz von Antonie von Arneth, geb. Adamberger, in Wien vor; zu [1]: Bei Nohl ist lauf GA der Empfänger fälschlich als "Prof. Loeb" angegeben. Beethoven wandte sich jedoch laut GA an den Miteigentümer des Pasqualatihauses, Peter von Leber; zu [2]: laut GA wohl „Miethsherr“; zu [3]: verweist auf den 24. April 1810; Angaben S. 108 entnommen].

Wie wir aus unseren Biographischen Seiten wissen, spielte Beethoven im Jahr 1810 mit dem Gedanken, sich zu vermählen, und zwar im Zusammenhang mit seinem Umgang mit Baron von Gleichenstein, der Malfatti-Familie und insbesondere der jungen Therese Malfatti.  Auch seine offensichtlich viel tiefer gehende Beziehung mit der sogenannten Unsterblichen Geliebten zeugt noch von Untertönen „ehelicher“ Bemühungen, die jedoch in seiner Trauer um den Verlust dieser Geliebten untergingen.    Inmitten seiner Revisionsarbeiten an Fidelio im Jahr 1814 finden wir Hinweise darauf, dass Beethoven durchaus in der Lage war, Trauer musikalisch sanft auszudrücken:

"Sketches for the Elegischer Gesang, Op. 118 ("Sanft wie du lebtest") are found among the studies for the new Fidelio, and this short work was probably now completed in season to be copied and delivered to his friend Pasqualati on or before the 5th of August, that day being the third anniversary of the death of his "transfigured wife," in honor of whose memory it was composed" [TF: 591; --

-- Im Kapitel zum Jahr 1814 schreibt TF hier, dass Skizzen  für den Elegischen Gesang, Op. 118, "Sanft wie du lebtest" inmitten von Beethovens Studien zum neuen Fidelio gefunden worden seien und dass dieses kurze Werk nun wohl fertiggestellt wurde und Beethovens Freund Pasqualati am oder vor dem 5. August überrreicht wurde, dem dritten Todestag seiner Gattin, zu deren Ehren es komponiert worden sei].


Suchen Sie nach einem Midi-Hörbeispiel zu Op. 118
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Seit 1813 überschattete Beethovens Leben auch die Lungenkrankheit seines Bruders Kaspar Karl und war ein Vorbote dessen, was sein Leben ab 1815 bestimmen sollte.  In diesen raueren Gewässern manövrierte Beethoven auch mit Hilfe seines Freundes Pasqualati, wie die folgenden Briefe aus den Jahren 1815 und 1816 zeigen:

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                       [Wien, Ende Dezember 1814/Anfang Januar 1815][1]

   lieber werther Freund Morgen Früh spätestens bis Halb 8 uhr bin ich bey ihnen -- werfen sie mich nicht zur Thüre Hinaus -- wenn sie auch um den Brief an adlersburg[2] schikten wäre gut -- der Erzherzog ist nicht zufrieden mit der schrift[3], weil man der Großmuth zuviel überläßt.

                                                                                                                                       in Eil ihr Beethowen

Für Herrn Baron von Bascalati[4]“

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 3, Brief Nr. 767, S. 89-90; Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass laut GA das Schreiben im Zusammenhang mit dem Gesuch an das böhmische Landrecht [Brief 772} steht, den Beethoven in dieser Zeit vorbereitet und kurz vor dem 11.1.1815 an Baron Joseph Pasqualati zur Einreichung nach Prag schickte, siehe auch Brief Nr. 777; zu [2]: verweist laut GA auf einen Brief von Dr. Anton Wilhelm Wolf aus Prag und Dr. Karl von Adlersburg in Wien, in dem von dem Fortgang der Verhandlungen mit der Kinskyschen Verwandtschaft berichtet wird. Laut GA ist dieses Schreiben nicht erhalten, wird jedoch in Beethovens Brief an Kanka, Brief Nr. 776 kurz vor dem 10.1.1815 erwähnt; zu [3]: verweist laut GA auf einen Entwurf des Gesuchs an das Böhmische Landrecht von Anfang Januar 1815, siehe Brief Nr. 772; zu [4]: verweist darauf, dass die Adresse überklebt ist; Angaben S. 89-90 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati[1]

                                                                                                                                       [Wien, Ende Dezember 1814/Anfang Januar 1815]

Verehrter Freund!

   Es ist noch nachzuholen, daß Wolf[2] Dem Oberst Burggrafen[3] auch die beylagen Zeugniße etc hat beygelegt[4] -- Was ist da zu machen?

<Wir>Morgen Früh bauche ich sie. Es ist glaube ich noch wohl zu überlegen, ob die sache So geht ? -- der Erzherzog glaubt, daß die Schrift, bis auf daß der Großmutch zuviel zugemuthet wird, sehr gut sey[5] --

ich umarme sie von Herzen seyn sie nicht unwillig  über meine Plagen. Es hat ja nun bald ein Ende.

                                                                                                                                      ihr Beethowen“

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 3, Brief Nr. 768, S. 90; Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: laut GA ergibt sich aus inneren Gründen, dass dieser Brief an denselben Adressaten gerichtet ist wie Brief Nr. 767 und kurz danach am selben Tag geschrieben wurde; zu [2]: verweist auf Dr. Wilhelm Wolf in Prag, der im Namen Beethovens beim Böhmischen Landrecht gegen die Kinskysche Verwandtschaft Klage eingereicht hatte; zu [3]: verweist auf Franz Anton von Kollowitz-Liebensteinsky, den Mitvormund der minderjährigen Söhne des Fürsten Ferdinand Kinsky; zu [4]: verweist auf eine Abschrift des Rentenvertrages sowie der Zeugnisse Varnhargens und Olivas; zu [5]: hierzu verweist die GA auf Brief Nr. 767; Angaben S. 90 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                    [Wien, zwischen dem 22. November 1815 und Sommer 1816][1]

    Werther verehrter Freund obschon heute Posttag ist, hab ich die große Bitte an sie, daß sie mich besuchen mögten, indem ich schon einige Täge nicht wohl bin, aber noch heute, wenn es ihnen möglich ist, indem es die Angelegenheiten meines Neffen mit Dr. Adlersburg betrifft, wo es höchst nöthig wäre, daß ich selbst mit spräche, allein ich kann und darf nicht ausgehen. -- laßen sie mich also gütigst wissen, wann sie mich sehen wollen heute !!!!???

                                                                                                                                     ihr Bthwen

Hr. Baron von Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 3, Brief Nr. 856, S. 182-183; Original:  Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1} hierzu bemerkt die GA, dass der Brief sich sehr wahrscheinlich auf eine Angelegenheit bezieht, die mit Beethovens Vormundschaft  über seinen Neffen Karl zu tun hat; Anbaben S. 182 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                   [Wien, November 1815][1]

Verehrter Freund!

    Ich bitte sie mir nur morgen früh durch ihren Bedienten gütigst zuzuschicken, wie sie die Lobkowitzische Sache in Ansehung meines Gehalts gefunden haben,[2] da ich keinen Heller mehr habe -- auch ersuche ich ihren Hr. Bruder[3] doch nach Prag zu schreiben, daß ich den Kinskyschen Gehalt erhalte, da er schon Seit october völlig [=fällig] -- verzeihen Sie wenn ich ihnen lästig seyn muß -- dieser Täge sehe ich sie wieder.

    ihr sie verehrender Freund

                                                                                                                                   Beethowen

Für Seine wohlgeborn Hr. Baron Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 3, Brief Nr. 859, S. 184-185; Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]:  dazu kommentiert die GA, dass im Anschluss an die Beilegung der Auseinandersetzung um die Gehaltsansprüche Beethovens gegenüber Fürst Kinksy im Januar 1815,  beginnend mit April 1815, eine halbjährliche nachschüssige Zahlungsweise vereinbart worden war. Demnach sollte Beethoven Anfang Oktober und Anfang April eines jeden Jahres einen Betrag von 600 Gulden aus der Fürstlich Kinskyschen Hauptkasse in Prag beziehen. Bevor der Beitrag zur Ausstellung kam, musste Beethoven laut GA eine von ihm unterschriebene Quittung einreichen. Laut GA sei die erste Zahlung im Oktober 1815 fällig gewesen. Beethovens Quittung sei jedoch erst auf den 31. Oktober datiert. Laut GA hat sich die Überweisung des ersten Betrags bis in den November oder Dezember 1815 hinausgezogen; zu [2]: verweist darauf, dass die letzte Zahlung aus der fürstlich Lobkowitzischen Kasse in Wien Ende August 1815 erfolgt war. Laut GA war hier ein vierteljährlicher Zahlungsmodus vereinbart worden, der aber erst 1816 regelmäßig eingehalten worden sei; zu [3]: verweist auf Johann Andreas Pasqualati Freiherr von Osterberg, der 1815 als Großhändler in Prag lebte; Angaben S. 184-185 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                 [Wien, November/Dezember 1815][1]

Verehrter Freund!

    Ich bitte sie mir zu wissen zu machen, wann ich morgen Vor oder Nachmittag sie einige Augenblicke sprechen kann.  ich werde ihnen so wenig sie möglich Zeit rauben, einmal besuchte ich sie schon, sie waren aber nicht zu Hause.

wie immer ihr Freund

                                                                                                                                L. v. Beethoven

<An Seine wohlgeb> An Hr. Baron v. PasqualatiI

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 3, Brief Nr. 860, S. 185; Original:  British Library; zu [1]: verweist laut GA darauf, dass der Brief möglicherweise mit Beethovens Streit um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl im Zusammenhang steht. Laut GA suchte Beethoven bei Pasqualati Rat, siehe Brief Nr. 856; Angaben S. 185 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati                                                                                                                            

                                                                                                                               [Wien, möglicherweise Anfang Februar 1816][1]

werther verehrter freund

    Trifft Sie dieses nicht mehr bei ihnen,[2] so bitte ich sie recht sehr, die gefälligkeit zu haben, dem Kopisten Rampel das quartett in F minor v o n m i r aus geben oder zurückzulaßen, damit er selbst copren könnte[3] -- m ü n d l i c h werde ich ihm[4] sagen zu was für einen Zweck.

in Eil ihr innigster

                                                                                                                               Beethowen

  Für seine Hochwohlgebohren H. Baron von Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 3, Brief Nr. 892, S. 218 - 219; Original:  in unzugänglichem Privatbesitz; Text laut GA nach Kalischer, Nr. 526; laut GA hatte Kalischer seinerzeit Einsicht in das Autograph; zu [1]: laut GA wurde der Brief offenbar geschrieben, nachdem Beethoven das Streichquartett op. 95 verkauft und keine eigene Unterlagen mehr davon hatte, also laut GA nach dem Verlagsvertrag mit Steiner vom 20.5.1815 und vor Erscheinen der Originalausgabe im Dezember 1816; zu [2]: verweist darauf, dass Beethoven möglicherweise seinen Bedienten, der die Zeilen überbrachte, angewiesen hatte, das Quartett mitzunehmen, falls Pasqualati zuhause war; zu [3]: verweist auf Wenzel Rampl, einen der Hauptkopisten Beethovens; zu [4]: verweist darauf, dass Kalischer in der Erstausgabe las, die einer Abschrift Otto Jahns folgte; Angaben S. 218-219 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                             [Wien, kurz vor dem 22. April 1816][1]

Werther Freund!

noch immer hüte ich das Zimmer, sagen sie mir doch gefälligst oder vielmehr schreiben sie mir's, wie der Heißt u wo er zu finden, der das Hauß schäzt?[2] --
wenn sie eine Universall medizin besizen, bitte ich sie mich zu bedenken

ihren armen österreichischen Musikanten u. hiesiger Bürge des Burgtheaters[3]

                                                                                                                             lvBthvn

Für Herrn Baron von Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 3, Brief Nr. 925, S. 249; Original: Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu [1]: laut GA wurder der Brief kurz vor der Schätzung des Hauses Nr. 121 in der Alservorstadt geschrieben, das Beethovens verstorbener Bruder Kaspar Karl und seiner Schwägerin Johanna gehörte, und die Schätzung fand am 22. April 1816 statt; zu [2]: verweist laut GA darauf, dass die Schätzung von Jakob Heinz und Karl Simmonelly vorgenomen wurde; zu [3]: verweist darauf, dass Beethoven auf das Bürgerrecht der Stadt Wien anspielte, das ihm am 16. 11. 1815 verliehen worden war; Angaben S. 249 entnommen].

Zumindest die uns schriftlich überlassenen Zeugnisse zu Beethovens Leben legen uns nahe, dass zwischen Beethoven und Baron Pasqualati fast zehn Jahre lang „schriftliche Funkstille“ geherrscht haben mag.   Sozusagen als „erneuter Vorbote“ erscheint daher Beethovens Korrespondenz mit dem Wiener Verleger Haslinger, und zwar in Bezug auf Op. 118:

"The following stern note to Haslinger introduces a new cause for strife:

"I report to you that neither the Overture nor the "Elegischer Gesang"[12] need further corrections, also that the titles are correct.  . . . " [TF: S. 981; --

-- TF bezieht sich hier auf eine eigentlich strenge Nachricht an Haslinger, die im Zusammenhang mit anderem ein weiterer Anlass zum Unfrieden zwischen Beethoven und Haslinger gewesen sein soll:

Beethoven an Tobias Haslinger

                                                                                                                              {Wien, 9. April 1826]

     Ich melde Ihnen, dass sowohl die Ouwertüre[1] als der elegische Gesang [2] keiner weiteren Korrektur bedürfen. . . . 

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 6, Brief Nr. 2245, S. 237; Original:  Kopenhagen, Kongelige Bibliothek; zu [1]: verweist auf Op. 117; zu [2]: verweist auf Op. 118; Angaben S. 237 entnommen].

TF verweist dann noch auf das Erscheinen von Op. 118 bei Haslinger im selben Jahr:

"The works that were published during the year were:

. . .

By Haslinger, who took over the Steiner firm:

Elegischer Gesang, for Four Voices and String Quartet, Op. 118, dedicated to Baron Johann von Pasqualati, in July" [TF: 1011; --

-- In TF's Auflistungen der 1826 veröffentlichten Werke befindet sich auch der Hinweis auf den von Haslinger im Juli 1826 veröffentlichten Elegischen Gesang, für vier Stimmen und Streichquartett, Op. 118, Baron Johann von Pasqualati gewidmet].

Beethovens eigener Briefwechsel mit seinem alten Freund entstand in seinem letzten Lebensmonat und spricht, samt Thayer-Forbes' Hinweis darauf, für sich selbst:

"Baron Pasqualati, Beethoven's old friend, in whose house he had lived for a long time, also made an effort to contribute to the composer's physical comfort and well-being.  There are several little letters in which Beethoven acknowledges the receipt of contributions from his cellar and larder. . . . " [TF: 1042; --

-- TF schreibt hier, dass Baron Pasqualati, Beethovens alter Freund, in dessen Haus er lange gewohnt hatte, auch versuchte, seinen Beitrag zu Beethovens Wohlbefinden zu leisten.  TF verweist auf einige kleine Briefe Beethovens aus diesen Tagen, in denen er sich bei Pasqualati für dessen Lieferungen aus seiner Speisekammer bedankte.]:  

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                            [                                                                                                Wien, 2. März 1827][1]

Verehrter Alter Freund!

Meinen Herzlichen Dank für ihr Gesundheits geschenk sobald ich von den Weinen den passtensten für mich gefunden, zeige es ihnen an, jedoch werde ich ihre Güte so wenig als möglich mißbrauchen, auf die compote freue ich mich u. werde sie deswegen öfter angehen --

Schon dieses kostet mich Anstrengung -- Sapienti pauca --

Dankbarer Freund

                                                                                                                                            Beethowen

An Seine Hochgebohrn den Baron v. Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 6, Brief Nr. 2273, S. 366-367; Original: Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu [1]: verweist auf Datierung entsprechend Empfangsvermerk; Angaben S. 367 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptists Pasqualati

                                                                                                                                            [Wien, nach dem 7. März 1827][1]

Verehrter Freund!

     Ich bitte heute wieder um ein Kirschen-Kompot jedoch ohne Citronen Ganz simpel.  auch eine leichte Mehlspeise beynahe an Brei erinnernd würde mich sehr Freuen, meine Brave Köchin [2] ist bis jezt zu Krankenspeisen noch nicht geschikt. Champagner ist mir erlaubt, nur bitte ich für den ersten Tag ein Champagner Glaß mitzuschicken -- nun den Wein betreffend Malfatti wollte gleich nur Moseler-wein, allein er behauptete, daß kein ächter hier zu haben sey, er gab also selbst Krumbholz-Kirchner[3] mehrere Flaschen, u. behauptete, daß dieser der Beste sey fü[r] meine Gesundheit, da nun einmal kein ächter Moseler zu haben seye --

     Verzeihen sie mir mein beschwerlich fallen u. schreiben sie es zum Theil meiner hilflosen Lage zu.

Hochahtungsvoll ihr Freund

                                                                                                                                           Beethowen

Für Seine Hochgebohrn Freyherrn v. Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 6, Brief Nr. 2274, S. 367; Original:  Wien,  Österreichische Nationalbibliothek; zu [1]: verweist laut GA darauf, dass aus inhaltlichen Gründen anzunehmen ist, dass der Brief nach Brief Nr. 2273, aber vor Brief Nr. 2275 geschrieben wurde; zu [2]: verweist laut GA auf die ursprüngliche Wortfolge "Köchin Brave" und Umstellung durch Bezifferung; zu [3]: verweist auf Wein aus Gumpoldskirchen nahe Wien; Angaben S. 367 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                           [Wien, nach dem 7. März 1827][1]

Verehrter Freund!

     WIe soll ich ihnen genug danken für den herrlichen Champagner, wie sehr hat er mich erquickt und wird mich noch erquicken! Für heute brauche ich nichts danke für alles -- was sie sonst noch für ein Resultat in Ansehung der Seine[2] ziehen mögen, bitte ich Sie zu bemerken, ich würde selbst nach meinen Kräften gerner vergüten -- für heute kann ich nicht mehr schreiben, der Himmel segne Sie überhaupt, und für ihre liebevolle Theilnahme

an dem Sie hochachtenden

                                                                                                                                           leidenden Beethoven.“

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 6, Brief Nr. 2275, S. 368; Original:  [Autograph] nicht bekannt, Text laut GA nach dem Erstdruck in Nohl II, Nr. 320; zu [1]:  verweist darauf, dass der Brief laut GA aus inhaltlichen Gründen nach den Briefen Nr. 2273 und 2274 eingeordnet werden muss; zu [2]: verweist darauf, dass dies wohl "Weine" heissen soll; Angaben S. 368 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                          [Wien, möglicherweise 13. März 1827][1]

Verehrter Freund

     Meinen Dank für ihre mir gestern übermachte speise, wie ein Kind lezcht [sic] ein Kranker nach so etwas, ich bitte daher heute um Pfirsich compot, andere speisen betreffend muß ich erst den Rath der Ärzte einhohlen -- den Wein betreffend so finden sie den Grinzinger vortheilhaft für mich, allen andern ziehen sie aber alten Krump Holzkirchnner vor -- möge diese Erklärung nur kein Mißdeuten gegen mich bey ihnen hervorbringen --

mit herzlicher Hochachtung

                                                                                                                                           ihr Freund Beethowen“

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 6, Brief Nr. 2279, S. 373-374; Original: Wien, Gesellschaft der Musikfreunde; zu [1]:  verweist darauf, dass laut GA der erwähnte "Rath der Ärzte" bezüglich anderer Speisen offenbar am 9. März eingeholt wurde [Brief 2280] und dass das vorliegende Billet möglicherweise einen Tag früher zu datieren sei; Angaben S. 374 entnommen].

„Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati

                                                                                                                                         [Wien, 14.  März 1827][1]

Verehrter Freund!

    Vielen Dank für ihre gestrige speise, sie ist auch noch hinlänglich für[1] Heute -- Wildpret ist mir erlaubt. Kramets-Vögel[2] meinte der Arzt, seyen gar sehr heilsam für mich -- dies nur zur Nachricht. Es braucht unterdeßen nicht heute zu seyn -- Verzeihen mein gedankenloses schre[i]ben ermüdet von Nachtwachen umarme ich u. verehr ich Sie

als ihr mit Hochachtung ergebener Freund

Für Seine Hochgebohrn Freyherrn v. Pasqualati

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 6, Brief Nr. 2280, S. 374; Original:  Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu [1]: verweist auf Datierung entsprechend Empfangsvermerk; zu [2]: verweist auf die Wachholderdrossel; Angaben S. 374 entnommen].

    

SCHLUSS

In unserem vorliegenden Beitrag haben wir versucht, in unserem eigenen Kommentaren Baron Pasqualatis Bescheidenheit als Anregung aufzunehmen und hoffen, Ihnen mit unserem Blick auf Beethovens Freundschaft mit ihm viel Lesevergnügen bereitet zu haben.  Wir freuen uns schon drauf, bei passender Gelegenheit eine weitere Betrachtung folgen zu lassen.

 

QUELLENANGABEN

Ludwig van Beethoven.  Briefwechsel Gesamtausgabe. [6 Bände]  Im Auftrag des Beethoven-Hauses Bonn herausgegeben von Sieghard Brandenburg.  München: 1996.  G. Henle Verlag.

Thayer's Life of Beethoven, edited by Elliott Forbes. Princeton: 1964.  New Jersey Princeton University Press.