"Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam."
[Zitat Goethes aus "Egmont" am Ende von "Dichtung und Wahrheit"]
Reisen im Leben europäischer Künstler der Neuzeit
 




Reiseszene aus Beethovens Zeiten



 

VORWORT


Der Zweck dieser Sonderseite ist es, das Thema des Reisens im Leben der Künstler und Musiker der klassischen und romantischen Stilperioden zu beleuchten und Links zu relevanten Seiten auf unserer Beethovenwebsite zu bieten, aber auch interessante Links zu anderen Websites.  Dabei konzentrieren wir uns nicht nur auf die interessanten Bildungs- und Konzertreisen, sondern auch auf jene äußerlich eher banal anmutenden Bewegungen von Ort zu Ort, die im Leben dieser Künstler einen Lebensabschnitt einleiteten oder beendeten.  Unsere Betrachtung wird uns vielleicht auch bewusst machen, wie sich der Stellenwert beziehungsweise der Charakter des Reisens im Laufe dieser Zeit veränderte.  Dazu wünschen wir Ihnen wie immer viel Lesevergnügen! 

 


 

PROLOG


Schnelllebigkeit, Nervigkeit und Disharmonie bestimmen das fast alltägliche Reiseleben all jener Solisten oder Dirigenten, die uns heute mit ihren Spitzenleistungen auf dem Gebiet der klassischen Musik begeistern.  Wir dürfen einerseits hoffen und müssen andererseits annehmen, dass sie ihren inneren Ausgleich zu einem nicht geringen Anteil aus der geistigen Kraft der Musik holen. 

Zu einer Zeit, in der das Reisen Weniger im Gegensatz zur Sesshaftigkeit der Meisten die Ausnahme bildete und in der die Musik eine noch sehr dienende, untergeordnete Rolle spiele, sollten auch Musiker nach und nach Gelegenheit erhalten, sich durch Reisen zu bilden und später auch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.   

Im frühen Mittelalter jedoch, das in der englischen Sprache als "the dark ages" bezeichnet wird, galt Europa im Vergleich zur blühenden Kultur der muslimischen Welt noch als primitv und rückständig.  Tragischerweise "gelang" es dem Abendland, diesen Vorsprung durch die Kreuzzüge und den damit ausgelösten Handelsverkehr mit dem nahen Osten auszugleichen.  Dieser kulturelle Austausch belebte auch das Interesse des Westens an seiner eigenen klassischen Vergangenheit wieder.  Eine Folge davon war, dass ab etwa 1500 nordeuropäische Künstler und Wissbegierige den klassischen Süden aufsuchten.  Eines der ersten uns bekannten Beispiele ist das des deutschen Malers Albrecht Dürer, der von 1505-1507 auf seiner zweiten Italienreise Kontakt mit den italienischen Malern in Venedig aufnahm. 


 


                     Dürers Selbstportrait
                          aus dem Jahr 1500

                         Venedig um 1500


Deutschsprachige Links zum Thema Dürer und Venedig

"Hier bin ich ein Herr"
BR-Beitrag zu Dürers Italienreisen

Albrecht Dürer an Willibald Pirckheimer in Nürnberg
Venedig, 28. Februar 1506



 

Mächtige Wissbegierige dieser Zeit versuchten, alle in ihre Hände gelangenden Kunstgegenstände in ihren Residenzen an einem besonderen Ort auszustellen, wie es zum Beispiel Herzog Albrecht V von Bayern im 1568-1571 erbauten Antiquarium seiner Münchner Residenz mit seinen klassischen Skulpturen tat. 

 




Antiquarium der Residenz in München


 
 
 
Deutschsprachige Links zum Antiquarium

Das Antiquarium auf der Website der
Bayerischen Verwaltung der staatlichen
Schlösser und Seen

Das Antiquarium bei Wikipedia.de


 

 

Der letzte Verweis bringt uns in zeitliche Nähe des 1577 in Siegen geborenen flämischen Malers Peter Paul Rubens, der sich von 1600 bis 1608 in Italien aufhielt.    


 


                             Rubens: Mantuaer
                                     Freundschaftsbild


                                 Rubens: Tanz des
                                         italienischen
                                         Landvolks
 

Deutschsprachige Links zu Rubens

Rubens in Italien: S. 262 aus Rudolf Oldenbourgs Buch

Volltext von Oldenbourgs Buch zum Thema


 

 

Auch den 1585 geborenen deutschen Barockkomponisten Heinrich Schütz zog es 1609-1612 zum Musikstudium nach Italien, und zwar nach Venedig zum Markusorganisten Giovanni Gabrieli. 


 


         Heinrich Schütz

                                                           Venedig

                Giovanni Gabrieli
 

Deutschsprachige Links zu Heinrich Schütz

Heinrich Schütz bei Wikipedia.de

Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft

 

 

Der dreißigjährige Krieg bildete von 1618 bis 1648 in Bezug auf die Mobilität deutscher Musiker eine einschränkende Zäsur. 

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                        Der Prager Fenstersturz 1618

                        Der Friede von Münster 1648
 

 

Das Jahr 1685 ging in die Musikgeschichte als das Geburtsjahr der beiden größten deutschen Barockkomponisten, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach ein.  Während Händel durch sein bewegtes Leben und seine Naturalisierung in England zum erfolgreichsten "musikalischen Auswanderer" aus Deutschland wurde, war es Bach nur beschieden, sein eigenes Heimatland im geographisch beschränkten Rahmen zu Fuß zu erkunden. 

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.


 


         Bachs Wohnorte

    J.S. Bach

                 Bachs Reisen
 

 
 
Deutschsprachige Links zu J.S. Bach

Bach-Website: www.bach.de

Bach-Archiv Leipzig


 
 


 


                        Georg Friedrich Händel

                               Rom im 18. Jahrhundert
 

 
Deutschsprachige Links zu Händel

Händel in Rom

Händel bei Wikipedia.de


 

 

 
 
DIE ZEIT DER DEUTSCH[SPRACHIG]EN KLASSIK


Unsere Betrachtung führt uns nun in die Zeit der deutschen Klassik, zu der wir Ihnen auch Links zu Beiträgen unserer eigenen Website bieten können.  Beginnen wir mit dem wohl berühmtesten deutschen Italienreisenden, Johann Wolfgang von Goethe.   

 


 



Goethe in Italien
Gemälde von Tischbein


 

Bevor Goethe jedoch nach Italien reisen konnte, war er, wie wir aus seinem Lebenslauf wissen, bereits anderweitig unterwegs.  Einige seiner Lebensstationen hier in einer kurzen tabellarischen Zusammenfassung: 


Datum

Ereignis

1765-1768

Goethes Jurastudium in Leipzig

1770-1771

Goethes Jurastudium in Straßburg. 

 1772

Goethes Praktikum in Wetzlar

1775

Goethes erste Reise in die Schweiz mit den Brüdern Stolberg

1775

Im November kommt Goethe in Weimar an.

1777

Goethe reist im September nach Eisenach und auf die Wartburg.  Im November/Dezember reitet er allein durch den Harz.

1778

Im Mai reist Goethe mit Herzog Karl August nach Berlin und Potsdam.  Im September hält er sich in Erfurt, Eisenach, Wilhelmstal und auf der Wartburg auf.

1779

Goethe unternimmt mit Karl August eine zweite Reise in die Schweiz. 

1780

Goethe hält sich in Erfurt auf. 

 1781

Goethe reist im Dezember nach Gotha, Eisenach und Erfurt. 

1782

März: Im Auftrag des Herzogs besucht Goethe die thüringischen Höfe. Dezember:  Goethe reist nach Erfurt, Dessau und Leipzig.

1783

Nach Aufenthalten in Erfurt, Gotha und Wilhelmsthal reist Goethe im September/Oktober zum zweiten Mal in den Harz sowie nach Göttingen und Kassel. 

1784

Im August reist Goethe zum dritten Mal in den Harz. 

1785

Von Juni bis August reist Goethe mit Karl Ludwig von Knebel durch das Fichtelgebirge.  In diesem Jahr hält er sich auch zum ersten Mal zur Kur in Karlsbad auf und trifft dort mit Frau von Stein und Johann Gottfried Herder zusammen.

1786-1788

Nach seinem zweiten Aufenthalt in Karlsbad im Juli und August bricht Goethe im September von dort aus nach Italien auf un reist über München, Innsbruck, Verona und Padua nach Venedig.  Im Oktober reist er über Bologna nach Florenz und Rom weiter.  Im Februar 1787 reist er nach Neapel und Sizilien weiter.  Mehr zur Italienreise unten mittels unseres Links zu unserer Seite zur Entstehungsgeschichte von Beethovens Musik zu Goethes Egmont.

1789

Wieder in Weimar, reist Goethe im September nach Aschersleben und in den Harz.

1790

Von März bis Mai hält sich Goethe zum zweiten Mal in Italien auf, dieses Mal in Venedig.  Im Juli reist er in das preußische Feldlager in Krakau und Tschenstochau. 

1792

Im Gefolge von Herzog Karl August nimmt Goethe am Feldzug nach Frankreich als Beobachter teil.  Im November ist Goethe in Düsseldorf bei Heinrich Jacobi.  Im Dezember besucht er die Fürstin Gallitzin in Münster.

1793

Von Mai bis Juli hält sich Goethe in Mainz als Beobachter der dortigen Besatzung auf.

1795

Im Juli und August hält sich Goethe zur Kur in Karlsbad auf.   

1797

Im August reist Goethe wieder in die Schweiz. 

1800

Im April reist Goethe mit Herzog Karl August nach Leipzig und Dessau. 

1801

Im Juni reist Goethe mit seinem Sohn August zur Kur nach Pyrmont und besucht auch Göttingen und Kassel.

1802

Im Juni und Juli hält sich Goethe in Lauchstädt, Halle und Giebichenstein auf. 

1803

Im Mai reist Goethe nach Lauchstädt, Halle, Merseburg und Naumburg.   

1804

Von August bis September hält sich Goethe in Lauchstädt und Halle auf. 

1805

Nachdem sich Goethe von JuIi bis September in Lauchstädt aufhält, reist er auch noch nach Madgeburg und Halberstadt. 

1806

Von Juni bis August hält sich Goethe zur Kur in Karlsbad auf. 

1807

Von Mai bis September weilt Goethe wieder zur Kur in Karlsbad. 

1808

Mai bis September:  Kuraufenthalt in Karlsbad und Franzensbad.

1810

Mai bis September:  Goethe hält sich in Karlsbad, Teplitz und Dresden auf. 

1811

Mai und Juni:  Kuraufenthalt in Karlsbad mit Gattin Christiane und Riemer.   

1812

Mai bis September:  Kuraufenthalte in Karlsbad und Teplitz.  Treffen mit Beethoven! 

1813

April bis August:  Goethe hält sich in Naumburg, Teplitz und Dresden auf.   

1814

Juli bis Oktober:  Goethe reist an den Rhein und Main und bis Heidelberg. 

1815

Im Mai reist Goethe wieder an den Rhein und Main.  Im Juli fährt er mit Freiherr von Stein von Nassau nach Köln.  

1816

Nach dem Tod seiner Frau im Juni hält sich Goethe von Juli bis September in Bad Tennstedt auf.  

1818

Von Juli bis September:  Kuraufenthalt in Karlsbad. 

1819

August bis September:  Kuraufenthalt in Karlsbad.   

1820

April:  Kuraufenthalt in Karlsbad. 

1821

Juli bis September:  Kuraufenthalte in Marienbad und Eger.  Hier lernt er Ulrike von Levetzow kennen. 

1822

Juni bis August:  Kuraufenthalte in Marienbad und Eger.    

1823

Juli bis August:  Goethe hält sich zum letzten Mal in Marienbad und Eger auf.  Abschied von Ulrike von Levetzow.  Die Marienbader Elegie entsteht auf der Rückreise nach Weimar. 
 

Nachfolgend einige interessante allgemeine Goethe-Links, gefolgt vom speziellen Link zur Entstehungsgeschichte zu Beethovens Musik zu Goethes Egmont auf unserer Website.  Darinnen finden Sie auch viel Information über Goethe in Italien: 

 

Goethe bei Wikipedia.de

Goethe bei Zeno.org

Goethe-Gesellschaft in Weimar

Klassik-Stiftung Weimar

Goethezeitportal
Italiensehnsucht deutscher Künstler der Goethezeit
Enthält umfassende Information zu Goethe in Italien

Musik zu Goethes Egmont
Link zu unserer eigenen Entstehungsgeschichte



 

Im Gegensatz zu Goethes Leben macht sich jegliche Reisetätigkeit in Schillers Leben bescheiden aus. Schillers Bewegungen von Ort zu Ort stellen zum Großteil wichtige Einschnitte in seinem Leben dar. 


 





Friedrich Schiller
nach einer Portraitstudie von Weitsch



 

Einige seiner Lebensstationen hier in einer kurzen tabellarischen Zusammenfassung: 


Datum

Ereignis

1759

Geburt Schillers in Marbach

1763-1766

Familie Schiller lebt in Lorch. 

 1766

Die Schillers ziehen nach Ludwigsburg.

1773-1782

Auf Befehl von Herzog Karl Eugen besucht Schiller die Karlsschule in Stuttgart. 1780 erhält er dort einen Posten als Regimentsarzt.

1782

Januar:  Schiller reist heimlich nach Mannheim und nimmt an der Uraufführung seines ersten Dramas, Die Räuber, teil. Mai: Zweiter heimlicher Besuch in Mannheim. Juni: Wegen dieses Besuches absolviert Schiller eine zweiwöchige Haftstrafe. August: Herzog Karl Eugen erteilt Schiller sein Schreibverbot. September: Schiller flieht mit Andreas Streicher nach Mannheim [später Oggersheim]. November/ Dezember: von dort flieht Schiller nach Bauerbach. Von dort aus freundet er sich mit Reinwald in Meiningen an.

1783

Nach seiner unglücklichen Liebe zur Tochter von Frau von Wolzogen kehrt Schiller im Juli/August über Frankfurt nach Mannheim zurück. Vertrag mit von Dalberg.

1784

Schiller reist nach Darmstadt und liest am dortigen Hof, im Beisein von Herzog Karl August aus Weimar, aus dem ersten Akt von Don Carlos vor und wird von diesem zum Weimarer Rat ernannt.

1785

Im April verlässt Schiller Mannheim und kommt in Leipzig an. Mai: Aufenthalt in Gohlis bei Leipzig.

1787

Juli: Auf Einladung von Charlotte von Kalb reist Schiller über Leipzig und Naumburg nach Weimar. Im Dezember besucht er zum ersten Mal Familie von Lengefeld in Rudolstadt.

 1788

Januar-April: Charlotte von Lengefeld in Weimar.  Mai: Schiller in Rudolstadt.  September:  Schiller lernt Goethe bei den von Lengefelds kennen.  Oktober:  Aufenthalt in Rudolstadt.  Dezember:  Schiller wird zum Professor in Jena ernannt. 

1789

Mai: Schillers Antrittsrede in Jena.

1791

Januar: Schiller erkrankt schwer. Juli: Kuraufenthalt in Karlsbad.

1792

Im April hält sich Schiller in Leipzig und Dresden auf.

1793

Im August besucht Schiller seine Eltern in Württemberg und hält sich in Heilbronn auf. September: Schiller weilt in Ludwigsburg.

1794

März: Schiller weilt in Tübingen und Stuttgart und kehrt im Mai nach Jena zurück.

1799

Schiller siedelt von Jena nach Weimar um.

1803

Juli: Schiller ist zur Erholung in Lauchstädt.

1804

April: Schiller reist nach Berlin.

1805

9. Mai: Schiller stirbt in Weimar.
 

Nachfolgend einige interessante allgemeine Schiller-Links, gefolgt vom speziellen Link zu unserer Entstehungsgeschichte der "Ode an die Freude" zu Beethovens Neunter Symphonie: 

 

 

Schiller bei Wikipedia.de

Schiller bei Zeno.org

Schiller-Gesellschaft in Marbach

Klassik-Stiftung Weimar: Schiller-Haus

Unsere Entstehungsgeschichte der "Ode an die Freude"



 

Wolfgang Amadeus Mozart verbrachte viele Jahre seines Lebens auf Reisen und bietet uns daher viel interessantes Material zur Erkundung.


 


               Mozarts auf ihrer Europareise

                    Mozart in Italien

                                   Mozarts in Salzburg



Eine kurze Zusammenfassung dieser Reisen ist aus der folgenden tabellarischen Aufstellung zu ersehen: 


Datum

Ereignis

1756

Geburt Mozarts in Salzburg

1762

Reise nach München und Wien mit seinem Vater Leopold und seiner Schwester Nannerl. 

 1763-1767

Große Europareise der Mozarts nach Paris, London und zurück.  Mehr dazu bietet unser untenstehender Link.

1767-1768

Reise mit seinem Vater und Nannerl nach Wien.

1769-1771

Erste Italienreise mit Vater Leopold. Im August 1771 zweite kurze Italienreise.

1772-1773

Dritte Italienreise mit Vater Leopold.

1773

Reise mit dem Vater nach Wien.

1774-1775

Reise mit dem Vater nach München.

1777-1779

Reise mit der Mutter, zuerst nach Mannheim und dann nach Paris.  Dort Tod der Mutter im Juli 1778.  Rückkehr nach Salzburg.

 1780-1781

Reise nach München. Reise nach Wien, Verbleib in Wien. 

1783

Reise mit Konstanze nach Salzburg.

1787

Reise mit Konstanze nach Prag.  Im Oktober: zweite Reise nach Prag.

1789

Reise mit Fürst Lichnowsky über Prag nach Leipzig und Dresden nach Berlin.

1790

Reise nach Frankfurt zur Kaiserkrönung.

1791

September:  kurze Reise nach Prag.  5. Dezember:  Tod Mozarts in Wien.
 

Nachfolgend einige interessante allgemeine Mozart-Links, gefolgt von speziellen Links zu unserer Website: 

 

 

Mozart bei Wikipedia.de

Mozartwebsite von Paul Sippel

Mozart im Audiovisuellen Archiv
der Österreichischen Mediathek Wien

Mozartwege: Europäische Website zu Mozarts Reisen

Unsere Seite zum Thema Mozart und Beethoven
1. Mozart-Zeittafel mit Kalender zur Europäischen Reise
2. Beethoven, Mozart und die Zauberflöte

Music and Literature
Unsere Übersetzung von Mörikes
Mozart auf der Reise nach Prag



Franz Joseph Haydn sollte erst im letzten Lebensdrittel Gelegenheit zum Reisen haben, konnte aber mit seinen zwei Englandreisen auch seine Vorrangsstellung als Komponist zementieren.




                      Joseph Haydn
                            

                         London im 18. Jahrhundert


Haydns Lebensstationen, einschliesslich seiner Reisen, fassen wir kurz wie folgt zusammen: 


Datum

Ereignis

1732-1737

Nach seiner Geburt lebt Haydn mit seinen Eltern im Heimatdorf Rohrau in Niederösterreich.

1737-1739/1740

Haydn lebt bei Verwandten in der Nachbarstadt Hainburg und erhält dort seine erste musikalische Ausbildung.

 1740-1749

Bis zu seinem Stimmbruch wohnt Haydn in Wien im Kapellhaus, dem Wohnhaus der Chorknaben des Stephansdoms.

1749/1750

Nach seinem Stimmbruch lebt Haydn kurz bei der Familie von Johann Michael Spangler, einem Sänger der Wiener Michaelskirche.

1750-1757

Haydn lebt in Wien. Reisen: Wallfahrt nach Mariazell und 1753 mit seinem Lehrer Michael Porpora Sommeraufenthalt in Mannersdorf.

1757-1761

Haydn steht im Dienst von Graf Morzin. Sie verbringen die Winter in Wien und die Sommer in Dolni Lukavice in Tschechien.

1761-1766

Haydn ist Vizekapellmeister der Esterhazys und verbringt seine Dienstzeit teilweise im Schloss Esterhazy in Eisenstadt und teilweise in Wien.

1766-1790

Haydn arbeitet weiter im Dienst der Esterhazys, die jedoch ihre Residenz ins neue Schloss Esterhaza in Ungarn verlegen. Mitte der 1770er Jahre Reise nach Pressburg mit den Esterhazy-Musikern.

1790

Nach dem Tod von Fürst Nikolaus Esterhazy siedelt Haydn nach Wien um und wohnt dort bis zu seinem Lebensende.

 1791-1792

Haydn unternimmt seine erste Englandreise. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise macht er Zwischenstation in Bonn. Treffen mit Beethoven.

1794-1795

Haydn unternimmt seine zweite Englandreise.

1809

Haydn stirbt am 31. Mai in Wien.
 

Nachfolgend einige interessante Haydn-Links: 

 

 

Haydn bei Wikipedia.de

Haydn im Austria-Forum

Haydn Musik-Kolleg im Austria-Forum

Joseph Haydn-Institut Köln

Joseph Haydn-Institut für Kammermusik, Wien



 




BEETHOVEN


 





         Silhouette Beethovens ca. 1787

         Beethoven etwa 1801

    Beethoven ca. 1804

                Beethoven 1814


Die für diesen Abschnitt ausgewählten Abbildungen Beethovens zeigen den Komponisten zur Zeit wichtiger Lebensabschnitte, die mit Reisen in Verbindung stehen. Wie wir bereits wissen, bietet Beethovens Lebensweg allgemein mehr Gelegenheit zur Betrachtung wichtiger Lebensstationen als interessanter Reisen. In diesem Abschnitt wollen wir jedoch beiden Möglichkeiten folgen.






Anzeige zum Konzert vom 26. 3. 1778

Köln im 18. Jahrhundert


Seine erste Reise führte Beethoven in seiner Kindheit mit seinem Vater nach Köln, um dort am am 26. März 1778 als "Wunderkind"-Pianist aufzutreten. Die linke Abbildung zeigt eine Anzeige zu diesem Konzert. Die Entfernung von etwa 100 km zwischen Bonn und Köln könnte entweder per Schiff rheinabwärts oder per Kutsche erfolgt sein. Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass Beethoven mit seiner Mutter einige Jahre später per Schiff rheinabwärts nach Rotterdam reiste, ist diese Möglichkeit in Bezug auf die Reise nach Köln wahrscheinlicher.




Historische Hafenszene, Rotterdam


In Bezug auf Beethovens Hollandreise zitieren wir hier Barry Cooper direkt aus dem entsprechenden Abschnitt unserer Online-Biografie. Die Reise fand nicht, wie Thayer angenommen hatte, 1781 statt, sondern im Jahr 1783.  Zitieren wir also dazu Cooper:

"By the end of 1783, Neefe's desire that Beethoven should travel had been fulfilled, but the journey to Holland was essentially a private one and there is no evidence that it was subsidized by the Elector. The circumstances surrounding the trip are related by Fischer.(14) Franz Rovantini had a sister, Anna Maria Magdalena, who was employed by a rich widow as a governess in Rotterdam. When Beethoven's mother informed her of Rovantini's death in 1781, she became anxious to visit his grave in Bonn, and eventually did so in autumn 1783. . . . A return visit by the Beethovens was arranged; Johann was unable to go, and so Beethoven went with his mother. During the journey down the Rhine, the weather was so cold that his mother reportedly held his feet in her lap to prevent frostbite. They stayed in Rotterdam for some time, and Beethoven played in several great houses there, astonishing people with his ability. He also performed on the piano at the Royal Court in The Hague, some ten miles away, on 23 November, and was paid 63 florins--far more than anyone else listed at the event. Nevertheless, he returned dissatisfied with the rewards, describing the Dutch as penny-pinchers and vowing not to go to the Netherlands again" (Cooper: 11;  Cooper schreibt hier, dass sich Neefes Wunsch für Beethoven, dass er reisen könne, im Herbst 1783 verwirklichte, jedoch nur in einer Privatreise.  Es gebe auch keine Beweise, dass der Kurfürst diese finanziert habe.  Der Bäcker Fischer habe in seinen Erinnerungen von dieser Reise berichtet, dass Franz Rovantinis Schwester, Anna Maria Madgalena, die in Rotterdam als Kindermädchen arbeitete und auf die Nachricht von Rovantinis Tod im Jahr 1781 durch ihre Kusine (Beethovens Mutter) endlich 1783 nach Bonn kam, um das Grab ihres Bruders zu besuchen.  Beethoven und seine Mutter begleiteten ihre Verwandte auf ihrer Rückreise nach Holland, da Johann van Beethoven unabkömmlich war.  Während dieser Rheinfahrt flussabwärts sei es so kalt gewesen, dass Beethovens Mutter Ludwigs Füße immer in ihrem Schoß hielt, um sie vor dem Erfrieren zu schützen.  Sie hielten sich dann einige Zeit in Rotterdam auf, und Beethoven spielte in einigen großen Häusern und erstaunte seine Zuhörer durch sein Talent.  Er spielte auch am königlichen Hof in Den Haag am 23. November und erhielt dafür eine Gage von 63 Gulden--mehr als alle anderen Konzertteilnehmer.  Trotzdem sei Beethoven mit diesem Erfolg nicht zufrieden gewesen und habe später oft geäußert, dass er nie mehr nach Holland zurückkehren werde, da die Holländer Geizhälse seien.  Cooper entnahm die Einzelheiten in bezug auf das Konzert in Den Haag aus einem Dokument des Hofs von Fürst Willem V von Oranien-Nassau in Den Haag vom 26. November 1783, das sich auf ein 'finanziertes Konzert' vom 23. November bezieht und als ersten Künstler 'Mons. Beethoven, forte-piano, 12 J[ahre] 63" anführte, und zwar aus "Letters to Beethoven and Other Correspondence", übersetzt und editiert von Theodore Albrecht, Band I: 1771-1812, University of Nebraska Press, in Zusammenarbeit mit der American Beethoven Society und dem Ira F. Brilliant Center for Beethoven Studies, San Jose, San Jose State University, 1996, Seite 3).






Ansicht Wiens im 18. Jahrhundert



Beinahe vier Jahre sollten vergehen, bis Beethoven wieder eine Reise unternehmen sollte, nämlich im ersten Halbjahr 1787. Sie führte ihn nach Wien. Dazu zitieren wir hier auch den relevanten Abschnitt unserer Online-Biografie.

"Wir wissen nicht mit Sicherheit, wer Beethovens Wienreise des Frühjahrs 1787 finanzierte, dürfen aber annehmen, dass sie vom Kurfürsten genehmigt wurde und dass Beethoven sogar einige Empfehlungsschreiben vom Bonner Hof in seiner Tasche hatte. Biographische Aufzeichnungen weisen darauf hin, dass Beethoven Anfang April 1787 in Wien eintraf.  Da wir jedoch keine Augenzeugenberichte seines dortigen Aufenthalts haben, müssen wir alle anekdotenhaften Überlieferungen mit sehr viel Skepsis betrachten.  Ihnen zufolge soll Beethoven vor Mozart improvisiert haben und auch einige Unterrichtsstunden von ihm erhalten haben.

Mozartforscher weisen allgemein darauf hin, dass es in den biographischen Unterlagen zu Mozarts Leben keinen Hinweis auf einen solchen Unterricht gebe**. Die Tradition der Anekdoten dieser Begegnung spricht davon, dass Beethoven vor Mozart zuerst ein gut eingeübtes Stück auf dem Klavier spielte, dafür von ihm kühl und höflich gelobt wurde und dass Beethoven ihn deshalb bat, ob er zu einem von ihm gegebenen Thema improvisieren dürfe.  Dabei habe er Mozart durch sein Spiel in solches Erstaunen versetzt, dass Mozart ins Nebenzimmer gerannt sein soll und zu seinen dort anwesenden Freunden gesagt haben soll "auf den gebt acht, der wird noch von sich reden machen."  Tatsache ist jedoch, dass Beethoven kaum zwei Wochen lang in Wien bleiben konnte, da ihn ein Brief aus Bonn erreichte, der ihn über den ernsten Gesundheitszustand seiner Mutter in Kenntnis setzte und er sich daraufhin umgehend auf seine Rückreise machte.

[**Hierzu sollten wir vielleicht auch Barry Cooper's folgenden Kommentar bedenken:

" . . . Ries says that Beethoven regretted never hearing Mozart play, but Czerny claims that Beethoven did hear him and that his playing was 'choppy', with no legato. Most likely, then, Beethoven heard Mozart's playing, perhaps during a theory lesson, but never attended a performance as such" (Cooper: 22; Cooper schreibt hier von Ferdinand Ries' Bericht über Beethovens Bedauern, Mozart nie Klavier spielen gehört zu haben, während laut Czernys Bericht Beethoven Mozart hörte und berichtete, dass sein Spiel 'zerhackt', also ohne Legato, gewesen sei, und dass dies wohl darauf schließen lasse, dass Beethoven Mozart nie öffentlich spielen hörte, sondern vielleicht in einer privaten, theoretischen Musiklektion).]

Beethoven kehrte über München und Augsburg so schnell wie möglich nach Bonn zurück.  Dort traf er den Klavierbauer Stein und auch einen Anwalt namens von Schaden.  Er traf seine Mutter zwar noch lebend, aber todkrank an.  Sie starb im Juli 1787.

Der erste Brief, der uns von Beethoven überliefert ist, ist jener an Herrn von Schaden in Augsburg vom Oktober 1787, in dem sich Beethoven entschuldigt, dass er ihm das ihm vorgestreckte Reisegeld noch nicht zurückerstattet hatte.  Er beschreibt darin auch seine Rückreise und den Gemütszustand, in den ihn der Tod seiner Mutter versetzt hatte.  Einige Stellen daraus sollten wir uns hier betrachten:

". . . ich muß Ihnen bekennen: daß, seitdem ich von augspurg hinweg bin,(3)  meine freude <wie> und mit ihr meine gesundheit begann aufzu hören; . . .  ich traf meine mutter noch an, aber in den elendesten gesun[d]heitsumständen; sie hatte schwindsucht und starb endlich ungefähr vor sieben wochen, (5) nach vielen überstandenen schmerzen und leiden.  sie war mir eine so gute liebenswürdige mutter, meine beste freundin; o! wer war glücklicher als ich, da ich noch den süßen namen mutter aussprechen konnte, und er wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen?  den stummen ihr ähnlichen bildern, die mir meine einbildungskraft zusammensetzt?. . ."

Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe - Band. 1, Brief Nr. 3, Seite 5 - 7
(Autograph im Beethoven-Haus, Bonn; wahrscheinlich am 15. September 1787 geschrieben; zu (3): Am 26. April 1787 traf Beethoven aus Wien wieder für kurze Zeit wieder in Augsburg ein; zu (5): Beethovens Mutter starb am 17. Juli 1787 in Bonn; Angaben S. 7 entnommen)."









Ordensschloss in Mergentheim




In seinem vorletzten Bonner Jahr, im Spätsommer 1791, sollte Beethoven doch auch einmal eine Reise unternehmen, an die er sich immer gerne erinnern würde. Dazu zitieren wir zunächst aus dem relevanten Abschnitt unsere Online-Biografie, gefolgt von einem Link dorthin, aufgrund dessen Sie unserer Sonderseite zu diesem Thema folgen können.

" . . . Als Großmeister des Deutschherrenordens hatte Kurfürst Max Franz über deren Sitzung in Mergentheim am Main zu präsidieren.

Seine Musiker folgten ihm in zwei Schiffen rhein- und main- aufwärts.  Auf Beethovens Schiff übernahmen die Musiker auch die Küchenpflichten.  In Rüdesheim erhielt Beethoven ein "Diplom" für seine heldenhaften Bemühungen, das er laut Wegelers Bericht in den Biographischen Notizen selbst in seinen frühren Wiener Jahren noch sorgfältig aufbewahrte.  In Mergentheim übten die Musiker auch eine von Beethovens Kaiserkantaten ein, konnten aber deren Schwierigkeiten nicht meistern, so dass das Werk nicht zur Aufführung gelangte.  

Während eines Zwischenaufenthalts in Aschaffenburg lernte Beethoven den damals berühmten Pianisten, Abbé Sterkel, kennen.  Nikolaus Simrock berichtete darüber:

"Ich erinnere mich, daß mehrere der Kurfürstlichen Hofmusik bei unserer Durchreise in Aschaffenburg schicklich fanden, den Herrn Kapellmeister Sterkel zu besuchen und Beethoven mit ihm bekannt zu machen. Wir wurden sehr freundschaftlich aufgenommen, und nach einigen Höflichkeiten war der Herr Kapellmeister so gefällig, uns eine seiner Sonaten mit Violinbegleitung vorzutragen, in seinem eigenen, zierlichen, sehr gefälligen Spiel. Darauf ersuchte er Beethoven, zu spielen, und wünschte besonders seine unlängst in Mainz gestochenen Variationen über das Thema von Righini "Vieni amore" von ihm selbst spielen zu hören: daß er gestehe, sie seien ihm zu schwer, er könne sie nicht spielen--darauf suchte Herr Sterkel in einem Pack Musik, konnte aber das Exemplar nicht finden; wir hatten nun etwas Mühe, Beethoven zu bewegen, daß er solche auswendig spielen möge. Es schien uns allen, Herr Kapellmeister glaubte, Beethoven habe sie zwar geschrieben, könne sie aber vielleicht selbst nicht spielen. Dies bemerkte Beethoven selbst. Nun setzte er sich und spielte sie zum Erstaunen der gegenwärtigen Böhmischen, die ihn noch nie so gehört, ganz in der Manier des Herrn Kapellmeisters mit der größten Zier und brillanten Leichtigkeit, als seien diese schweren Variationen wirklich ebenso leicht wie eine Sterkelsche Sonate, und hängte hieran noch ein paar ganz neue! Herr Kapellmeister war in seinem Lobe unerschöpflich und verlangte durchaus, daß wir bei der Rückkehr ihn wieder besuchen möchten, was aber der Eile wegen nicht geschah" (Ley: 52-53.).

Folgen Sie Beethovens Spuren von Bonn nach Mergentheim
auf unserer Sonderseite!

In bezug auf diese Reise erinnerte sich Simrock auch noch an ein anderes Ereignis . . . :

"An einem Orte, wo die Gesellschaft unterwegs zu Mittag aß, stachelten einige der jungen Leute das Aufwartemädchen an, seine Reize Beethoven gegenüber geltend zu machen. Beethoven nahm seine Herausforderungen mit zurückweisender Kälte auf, und als es, von den anderen ermutigt, nicht abließ, verlor der die Geduld und machte seinen Zudringlichkeiten schließlich durch eine Ohrfeige ein Ende . . . " (Ley: 52).


In unserem obigen Abschnitt zu Franz Joseph Haydn verwiesen wir auf dessen erste Englandreise und sein Zusammentreffen mit Beethoven. Wie wir aus unserer Online-Biografie wissen, fand es auf Haydns Rückreise im Jahr 1792 statt. Zitieren wir dazu direkt aus unserer Online-Biografie:

"Als Haydn im Sommer 1792 aus England zurückkehrte, machte er auch in Bonn Halt (Cooper: 38). 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Beethoven ihm bei dieser Gelegenheit seine Kaiserkantaten vorlegte und dass sich aufgrund seines Treffens mit Haydn der Plan entwickelte, dass er nach Wien gehen und dort sein Kompositionsschüler werden sollte.  Dieser Plan wurde bereits im Herbst 1792 in die Tat umgesetzt.  Wie es damals üblich war, trugen sich Beethovens Freunde in sein Abschiedsalbum ein. Werfen wir doch einen Blick auf das Faksimile des Eintrags von Graf Waldstein:


"Lieber Beethoven!  Sie reisen itzt nach Wien zur Erfüllung Ihrer so lange bestrittenen Wünsche.  Mozarts Genius trauert noch und beweinet den Tod seines Zöglings.  Bei dem unerschöpflichen Haydn fand er Zuflucht, aber keine Beschäftigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemandem vereinigt zu werden.  Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie:  Mozarts Geist aus Haydns Händen.  Ihr wahrer Freund Waldstein"  (Ley:  58 - 59).




In Bezug auf Beethovens Reise von Bonn nach Wien über Frankfurt diskutiert Thayer-Forbes deren erste Hälfte bis Frankfurt. Um einen lebendigen Eindruck davon zu bekommen, zitieren wir hier am besten direkt aus TDR I:

"Die Zeitangaben in dem Stammbuche beweisen, daß Beethoven am 1. November noch in Bonn war, und machen es wahrscheinlich, daß es der letzte Tag seiner Anwesenheit war. In Dutens Journal of Travels, übersetzt und vermehrt durch John Highmore (London, 1782), einen Bädeker oder Murray jener Zeit, geht die Postroute von Bonn nach Frankfurt a. M. den Rhein entlang über Andernach nach Koblenz, überschreitet hier den Fluß und führt von Ehrenbreitstein über Montabaur, Limburg, Würges (ein nassauisches Dorf) und Königstein, übereinstimmend mit der im Bonner Intelligenzblatt wenige Jahre später angegebenen Route; ihre Zeit betrug 25 Stunden 43 Minuten. Das war der Weg, den Beethoven mit einem unbekannten Begleiter einschlug. Wenn sie morgens um 6 von Bonn aufbrachen, konnten sie (nach Dutens und Highmore) in Koblenz gegen 3 Uhr nachmittags zu Mittag, in Limburg um 10 Uhr zu Abend essen und am anderen Morgen um 7 Uhr in Frankfurt sein.

Die ersten drei Seiten des oben angeführten Notizbuchs enthalten eine Aufzeichnung der Ausgaben der Reise bis nach Würges. Einer der Posten lautet: »Trinkgeld [Koblenz] weil der Kerl uns mit Gefahr Prügel zu bekommen mitten durch die hessische Armee führte und wie ein Teufel fuhr einen kleinen Thaler.« Diese Armee rückte aus Koblenz am 5. Nov. aus; aber an demselben Tage nahm ein französisches Corps, welches aus Mainz in die Gegend von Limburg vorgerückt war, Besitz von Weilburg. Die Reisenden konnten daher nicht später als in der Nacht des 3. Nov. Limburg passiert haben. Daher war es der 2. oder spätestens der 3. November, an welchem Beethoven seiner Vaterstadt Lebewohl sagte und zu Ehrenbreitstein den Vater Rhein zum letzten Male sah.

Wir geben den Inhalt der drei Seiten des Notizbuches, welche dieser Reise gewidmet sind, im Anhange (X) und führen noch kurz die Gründe an, auf welche wir die Behauptung stützen, daß Beethoven einen Reisegefährten hatte. Dies ist an sich selbst wahrscheinlich und wird erwiesen 1. durch das Auftreten von zwei verschiedenen Handschriften; 2. durch den für die Postpferde bezahlten Preis so beträgt der erste Preis für 11/4 Station 50 Stüber, während der gewöhnliche Preis ein Gulden oder 20 Stüber für das Pferd für eine einzelne Person war; es waren demnach zwei Pferde, und noch 10 St. mehr für den zweiten Passagier; 3. durch das Wort uns bei der Aufzeichnung des Trinkgeldes zu Koblenz; 4. die Rechnungen hören zu Würges auf, aber sie wären natürlich in Wien fortgesetzt worden, hätte sie Beethoven nur aus Rücksichten der Sparsamkeit aufgeschrieben; und 5. die Bezahlung von 2 Gulden für Mittagessen und Abendessen ist sicherlich mehr, als ein junger Mann, nicht übermäßig mit Geld versehen, in jenen Tagen im Posthause ausgegeben haben würde.

Wir dürfen vermuten, daß die Genossen das Ende ihrer Reise gemeinsam erreichten und sich dann hinsetzten, rechneten und die Ausgaben verteilten. Die späteren Ausgaben sind von Beethovens Hand in Wien eingezeichnet, und es bleibt uns überlassen, uns seine Ankunft in Frankfurt und seine Abreise von dort über Nürnberg, Regensburg, Passau und Linz, in dem öffentlichen Postwagen, bis nach Wien auszumalen" [TDR 1, S. 291-292].

Wie sich Beethoven in Wien einlebte, wird ausführlich in unserer Online-Biografie diskutiert und ist nicht Teil unserer gegenwärtigen Betrachtung.




         Prag

         Dresden

    Leipzig

                Berlin


Nach dem Ende seiner offiziellen Ausbildung im Frühjahr 1795 sollte es nicht lange dauern, bis Beethoven im Winter 1796 auf seine erste Tournee gehen sollte. Die Einzelheiten dazu können wir hier aus dem entsprechenden Abschnitt unserer Online-Biografie zitieren:

"Während auch Beethovens jüngerer Bruder Nikolaus Johannes gegen Ende dieses Jahres in Wien eintraf und dort bald eine Anstellung als Apotheker in der Hl.-Geist-Apotheke fand, schmiedete Beethoven wohl bereits Reisepläne für das nächste Jahr, die ihn nach Prag und Berlin führen sollten.   Sein wichtigster Gönner, Fürst Lichnowsky, in dessen Haus er auch teilweise während seiner Studienzeit wohnte, reiste mit ihm nach Prag (wie es dieser bereits 1789 mit Mozart getan hatte).  Aus Beethovens Brief vom 19. Februar 1796 an seinen Bruder Nikolaus Johannes erfahren wir:

 "Prag, den 19. Februar [1796](1)

Lieber Bruder! um daß du doch wenigstens nur Weißt, wo ich bin und was ich mache, muß ich dir doch schreiben. fürs erste geht mir's gut, recht gut. meine Kunst erwirbt mir Freunde und Achtung. was will ich mehr. au[c]h Geld werde ich diesmale ziemlich bekommen. ich werde noch einige Wochen verweilen hier, und dann nach Dresden Leipzig und Berlin[2] reisen. da werden wohl wenigstens 6 Wochen dran gehen bis ich zurückkomme. ich hoffe daß dir dein Aufenthalt in Wien immer besser gefallen wird. nimm dich nur in Acht vor der ganzen Zunft der schlechten Weiber. bist Du schon bei vetter Elß [3] gewesen? -- du kannst mir einmal hieher schreiben, wenn Du Lust und Zeit hast. Ja.(4)

li[ch]nowski(5) wird wohl bald wieder nach Wien, er ist schon von hier weggereiset, wenn du allenfal[l]s Geld brauchst, kannst du keck zu ihm gehn da er mir noch schuldig ist. übrigens wünsche ich, daß du immer glücklicher leben mögest, und ich wünsche etwas dazu beytragen zu können. 

leb wohl lieber Bruder, und denke zuweilen an Deinen wahren treuen Bruder


                                                                                       L. Beethoven.

Grüße Bruder Caspar(6)
meine adresse ist: im goldenen Einhorn auf der Kleinseite . . . "

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief 20, S. 30 - 31.]

(Original: Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu (1): Jahreszahl ergibt sich aus anderen Hinweisen und Dokumenten zu Beethovens Prag-Reise; zu (2): Beethoven hielt sich bis zum April in Prag auf, traf am 23. April in Dresden ein, reiste am 30. April nach Leipzig weiter, und der Berlin-Aufenthalt wird durch die Sitzungsprotokolle der Singakademie dokumentiert (Einträge verweisen auf den 21. und 28. Juni 1796; zu (3): vielleicht ein Vetter des damals in Wien lebenden Grafen Emmerich Eltz-Kempenich;  zu (5): Fürst Karl Lichnowsky; zu (6): Kaspar Karl kam im Frühjahr 1794 nach Wien.  Angaben S. 30-31 entnommen.)

Wie daraus hervorgeht, brachte ihm sein Aufenthalt in Prag Erfolg und neue Freunde.  Während Fürst Lichnowsky also bereits am 19. Februar auf seinem Weg zurück nach Wien gewesen zu sein scheint, reiste Beethoven Ende April nach Dresden.  Dort hielt er sich etwa eine Woche auf, spielte vor dem Kurfürsten und erhielt von ihm eine Schnupftabakdose zum Geschenk, und machte sich dann über Leipzig auf seinen Weg nach Berlin.  Sein dortiger Aufenthalt kann wohl als der erfolgreichste Teil dieser Reise betrachtet werden.  Bei Hofe, für König Friedrich Wilhelm II., spielte er die zwei großen "Sonaten mit obligatem Violoncell", op. 5, die er für dessen Cellisten Duport komponiert hatte.  Die Möglichkeit, dass Beethoven eine Einladung erhielt, in Berlin zu bleiben, kann nicht ausgeschlossen werden.  Allerdings betrachtete er das adelige Berliner Publikum teilweise als "verwöhnte Kinder", die während seiner Darbietungen schluchzten und weinten.  Am meisten schätzte er Prinz Louis Ferdinand, und zwar wegen seines ausgezeichneten Klavierspiels.  Er soll ihm das Kompliment gemacht haben, dass er nicht wie ein Prinz, sondern wie ein Berufsmusiker spiele.  Beethoven nahm jedoch eine eventuelle Berliner Einladung für einen längeren Aufenthalt nicht an und kehrte im Sommer nach Wien zurück.  Aus eventuellen weiteren "sechs Wochen" vom 19. Februar an waren also noch einige weitere Monate geworden!





Pressburg



Im November dieses Jahres trat Beethoven erfolgreich in Pressburg und Pest auf und versuchte dort auch, durch sein Spiel das Klavier seines Freundes Johann Andreas Streicher populär zu machen.  (Der Stuttgarter Streicher war jener Freund Schillers, mit dem dieser 1782 nach Mannheim floh.  Später heiratete der Klavierbauer die Tochter des Augsburger Klavierbauers Stein, Nanette Stein, und verlegte deren Familienbetrieb nach Wien.)  Am 19. November schrieb Beethoven an ihn aus Pressburg:

 "Lieber Streicher!

vorgestern erhielt ich ihr forte piano, was wahrlich vortrefflich gerathen ist, jeder andre würde es suchen an sich zu behalten, und ich -- lachen sie ja recht, ich müßte lügen, wenn ich ihnen nicht sagte, daß es mir zu gut ist für mich, und warum?  -- weil es mir die Freiheit nimmt, mir meinen Ton selbst zu schaffen, übrigens, soll sie das nicht abhalten alle ihre forte-piano so zu machen, es werden sich auch wohl wenige finden, die ebenfalls solche Grillen haben.  am Mittwoch den 23ten dieses Mts. ist meine Akademie, will stein (1) kommen, so soll er mir herzlich willkommen seyn, Nachtlager hat er ganz sicher bey mir. --  

  was den Verkauf des forte-pianos anbelangt, so hatte sich diese Idee schon vor  ihnen <gef> bey mir entsponnen, und ich werde auch gewiß trachten, sie auszuführen.  -- für ihe Gefälligkeit, mir so willfährig zu seyn, danke ich ihnen herzlich lieber St.[reicher], ich wünsche nur in etwa ihre Gefälligkeit erwidern zu können, und daß sie ganz davon, auch ohne daß ich es ihnen hier sage, überzeugt sind, wie sehr ich wünsche, daß die Verdienste ihrer Instrumente auch hier und überall erkannt werden, und wie sehr ich wünsche, daß sie immer mich gern haben mögen, und mich herzlichst betrachten mögen  

als ihren liebenden und warmen Freund

                                                                                   Beethoven.

Pressburg, am 19ten November anno 96 post christum natum

viel schönes an ihre Frau, und an Braut und Bräutigam(2). 

A Monsieur de Streicher Musicien tres renomme a Vienne abzugeben auf der Landstraße in der rothen Rose."

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 23, S. 33-34.]

(Original im Beethoven-Haus in Bonn; zu (1): Streichers Schwager, Mattäus Andreas Stein; zu (2): wohl Streichers Schwager, siehe 'zu (1]' und dessen Braut, Maria Josepha Theresia Stein, geb. Dischler. Angaben S. 34 entnommen).


Beethovens Verbleib während der zwei oder drei Monate nach seiner Rückkehr aus Berlin nach Wien und vor seiner Reise nach Ungarn ist bis heute noch nicht geklärt."

Während sich Beethoven in Wien als erfolgreicher junger Komponist etablierte, lernte er 1799 die Familie von Brunsvik aus Ungarn kennen. Aus der Beethovenliteratur geht zwar allgemein hervor, dass er die von Brunsviks sowohl in Ofen [Budapest] als auch auf Schloss Korompa [nahe Pressburg] besuchte, aber es gibt keine konkreten Verweise auf zeitlich bestimmbare Besuche.





Schloss Grätz bei Troppau



Zeitlich bestimmbar ist dagegen Beethovens Besuch bei seinem Gönner, Fürst Lichnowsky, auf Schloss Grätz bei Troppau im Herbst 1806. Zitieren wir dazu kurz den entsprechenden Abschnitt aus unserer Online- Biografie und danach eine Passage aus unseren Entstehungsgeschichten zur Klaviersonate Nr. 23, Op. 57.

"Beethovens Besuch des von Brunsvik'schen Guts Martonvasar im Sommer 1806 ist aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso ein Produkt der Fantasie wie die angeblichen Tagebuchnotizen Therese von Brunsviks, denen zufolge dort eine heimliche Verlobung zwischen ihr und Beethoven stattgefunden haben soll.

Im Herbst dieses Jahres besuchte Beethoven jedoch sicher Fürst Lichnowsky auf seinem Gut Grätz bei Troppau in Schlesien.  Dort soll Lichnowsky Beethoven gebeten haben, für die anwesenden französischen Offiziere zu spielen.  Beethoven soll dies sofort brüsk abgelehnt haben, seine Sachen gepackt und Grätz verlassen haben.  Er soll sich zu Fuß im Regen ins nächste Dorf begeben haben und dort die Kutsche nach Wien genommen haben. [In bezug darauf erwähnt Cooper, dass Beethovens Appassionata-Manuskript auf dieser dreitägigen Reise durch den Regen Wasserschäden erlitten habe  (Cooper: 159).]  In Wien angekommen, soll er dann Fürst Lichnowskys Büste zertrümmert haben.

So charakteristisch dieser Zwischenfall auch für Beethoven ist und so sehr er auch Zeugnis ablegen mag für Beethovens Temperamentsausbrüche, hatte er doch auch noch wichtigere Folgen.  Dieser Streit mit Lichnowsky kann nämlich dazu geführt haben, dass Beethoven seine jährliche "Rente" von 600 Wiener Gulden verlor."

Im Jahr 1805 wurde aus einer Veröffentlichung also auch nichts und, wie Solomon (S. 145) betonte, habe Beethoven ja das Werk endgültig noch einmal im Jahr 1806 überflogen.  

"In October [1806] Breuning wrote to Wegeler:  "Beethoven is at present in Silesia with Prince Lichnowsky and will not return until near the end of this month. . . . His spirits are generally low and, to judge by his letters, the sojourn in the country has not cheered him."  This visit to the Prince came to an abrupt termination in a scene which has been a fruitful theme for the silly race of musical novelette writers.  The simple truth is related by Seyfried in the appendix to his Studien (page 23) and is here copied literally except for a few additional words interspersed, derived by the present writer from a conversation with the daughter of Moritz Lichnowsky: "When he [Beethoven] did not feel in the mood it required repeated and varied urgings to get him to sit down to the pianoforte.  Before he began playing he was in the habit of hitting the keys with the flat of his hand, or running a single finger up and down the keyboard, in short, doing all manner of things to kill time and laughing heartily, as was his wont, at the folly.  Once while spending a summer with a Maecenas at his country-seat, he was so pestered by the guests [French officers], who wished to hear him play, that he grew angry and refused to do what he denounced as menial labor.  A threat of arrest, made surely in jest, was taken seriously by him and resulted in Beethoven's walking by night to the nearest city, Troppau, whence he hurried on the wings of the wind by extra post to Vienna."(10; Frimmel, in his Beethoven, (2nd ed., 1903, p. 42), tells the story in essentially the same manner on the authority of a grandson of Dr. Weiser, house physician of Prince Lichnowsky.  The story ends with Beethoven's sending a letter to Prince Lichnowsky containing this passage;  "Prince, what you are, you are by accident of birth; what I am I am through myself.  There have been and will still be thousands of princes; there is only one Beethoven."  Authentic or not, the expression may well have come from the lips of Beethoven in a fit of anger.  (Dr. Weiser's version had previously been printed by F.X. Bach in the Wiener Deutsche Zeitung, August 31, 1873).

Fräulein Giannatasio del Rio related the same scene: (11: Grenzboten, xvi, Nr. 14 (1857), April 3) "Once (around 1816) Beethoven was in a gay talkative mood and told us of the time which he spent at Prince Lichnowsky's.  He spoke of the Prince with much respect.  He told how once during the invasion when the Prince had a number of Frenchmen as his guests, he (the Prince) repeatedly tried to coerce him to play for them on the pianoforte and that he had stoutly refused; which led to a scene between him and the Prince, whereupon B. indiscreetly and suddenly left the house. . . . To propitiate him for the humiliation which he had suffered, the bust of his patron had to become a sacrifice; he dashed it into pieces from its place on a cabinet to the floor. . . . " (Thayer: 402-403; --

-- Thayer berichtet also zunächst, dass [Stephan von] Breuning im Oktober [1806] an Wegeler schrieb: "Beethoven ist zur Zeit mit Fürst Lichnowsky in Schlesien und wird, von seinen Briefen zu urteilen, nicht bis Ende dieses Monats zurückkommen. . . . Seine Stimmung ist allgemein sehr gedrückt, und von seinen Briefen her zu urteilen, hat ihn der Aufenthalt auf dem Lande nicht aufgeheitert."   Thayer schreibt dann, dass dieser Besuch dann durch eine Szene, die von der kindischen Rasse der Musiknovellenautoren weidlich ausgeschlachtet worden sei, zu einem abrupten Ende kam.  [Ignaz von] Seyfried berichte jedoch die 'einfache Wahrheit' im Anhang zu seinen Studien (auf Seite 23), was Thayer dann wörtlich wiedergebe, mit Ausnahme einiger zusätzlicher Worte, die Thayer aus einem Gespräch mit der Tochter Moritz Lichnowskys gewonnen habe: "Wenn er [Beethoven] nicht in Stimmung war, erforderte es wiederholte und verschiedenartige Bitten, um ihn dazu zu bewegen, sich ans Klavier zu setzen.  Es war seine Gewohnheit, vor dem Spiel die Tasten mit dem flachen Handrücken zu berühren, oder mit einem Finger auf den Tasten auf- und abzufahren, kurz, alle möglichen Arten, die Zeit totzuschlagen und dabei herzhaft über seine Laune zu lachen.  Als er einmal einen Sommer mit einem Gönner auf dessen Landsitz verbrachte, wurde er von den Gästen [französischen Offizieren], die ihn spielen hören wollten, so belästigt, dass er zornig wurde und ablehnte, das zu tun, was er als unwürdigen Dienst erachtete.  Eine Drohung, ihn zu verhaften, die sicherlich nur zum Spass ausgesprochen wurde, nahm er ernst und veranlasste ihn, sich mitten in der Nacht auf den Weg zu machen in den nächsten Ort, Troppau, wo er in Windeseile per Extrapost nach Wien zurückreiste"(10; Thayer weist darauf hin, dass Frimmel in seinem Werk Beethoven, (2. Ausgabe, 1903, S. 42), diese Geschichte im Wesentlichen genauso erzählte, und zwar nach Angaben von Dr. Weiser, dem Hausarzt Fürst Lichnowskys.  Die Geschichte ende dort mit Beethovens Brief an Lichnowsky, der die folgenden Worte enthalten sollte:      "Fürst, was Sie sind, sind sie durch den Zufall der Geburt, was ich bin, bin ich aus mir selbst heraus.  Es gab und wird noch Tausende von Fürsten geben, es gibt nur einen Beethoven."  Ob nun dieser Brief und diese Worte wirklich Beethovens Worte seien oder nicht, sie klingen Thayers Meinung nach so, dass sie im Zorn schon über seine Lippen kommen konnten.  Thayer verweist noch darauf, dass Dr. Weisers Version dieser Begebenheit ursprünglich in der Wiener Deutschen Zeitung vom 31. August 1873 abgedruckt wurde).

Fräulein Giannatasio del Rio hat laut Thayer über diese Begebenheit auch berichtet: (11: Grenzboten, xvi, Nr. 14 (1857), April 3) "Einmal (um 1816) war Beethoven in einer guten, gesprächigen Stimmung und erzählte uns von seinem Aufenthalt auf Fürst Lichnowskys Landsitz.  Er sprach vom Fürsten mit sehr viel Respekt.  Er erzählte uns, wie einmal, während der Invasion, als der Fürst französische Gäste hatte, Lichnowsky ihn mehrere Male dazu bewegen wollte, für sie auf dem Klavier zu spielen, und dass er sich standhaft geweigert hatte, was zu einem Auftritt zwischen ihm und dem Fürsten führte, worauf B. das Haus Hals über Kopf verließ. . . .  Um sich für die erlittene Demütigung zu rächen, habe er zuhause die Büste seines Gönners auf dem Boden seiner Wohnung zertrümmert. . . . ").





Manuskriptseite zu Op. 57



" . . . Was hat das eigentlich mit der Appassionata zu tun?  Dazu berichtet Barry Cooper:

"It will be remembered that the Sonata in F major, Op. 57, near completion when offered to Breitkopf and Härtel in August, 1804, was still unpublished in 1806.  Beethoven, journeying to Silesia, took the manuscript and had it also with him on his return to Vienna per extra post from Troppau after the explosion at Lichnowsky's.  "During his journey," wrote M. Bigot half a century afterwards on a printed copy belonging to the pianist Mortier de Fontaine, "he encountered a storm and pouring rain which penetrated the trunk into which he had put the Sonata in F minor which he had just composed [!].  After reaching Vienna, he came to see us and laughingly showed the work, which was still wet, to my wife, who at once began to look carefully at it. Impelled by the striking beginning she sat down at the pianoforte and began playing it.  Beethoven had not expected this and was surprised to note that Madame Bigot did not hesitate at all because of the many erasures and alterations which he had made.  It was the original manuscript which he was carrying to his publisher for printing.  When Mme. Bigot finished playing she begged him to give it to her; he consented, and faithfully brought it to her after it had been printed" (Cooper: 159; --

-- Cooper erinnert uns hier daran, dass die F-Dur-Sonate, op. 57, die Beethoven Breitkopf und Härtel Ende August 1804 anbot, auch 1806 noch nicht veröffentlicht war und dass Beethoven das Manuskript auf seiner Herbstreise nach Troppau mit im Gepäck hatte.  Als er dann per Extrapost nach Wien zurückreiste, sei er in ein Ungewitter und in Regen geraten, wie M. Bigot ein halbes Jahrhundert später dem Pianisten Mortier de Fontaine berichtete, "der seinen Koffer durchnässte, in dem er die gerade komponierte F-Dur-Sonate aufbewahrte [!].  Als er Wien erreichte, besuchte er uns und zeigte lachend das Werk, das noch nass war, meiner Frau, die es sofort sorgfältig studierte.  Durch die faszinierende Einleitung angeregt, setzte sie sich ans Klavier, und begann es zu spielen.  Beethoven hatte das nicht erwartet, und war überrascht, dass Madame Bigot trotz der vielen Ausstreichungen und Änderungen, die Beethoven angebracht hatte, überhaupt nicht zögerte.  Es war das Originalmanuskript, das er dem Verleger zum Druck brachte.  Als Madame Bigot mit ihrem Vortrag fertig war, bat sie ihn, es ihr zu überlassen; er willigte ein und brachte es ihr prompt nach dem Druck").





Schloss Esterhazy in Eisenstadt



Ein Jahr später erhielt Beethoven den Auftrag, für Fürst Esterhazy eine Messe zu komponieren und reiste zu deren Aufführung nach Eisenstadt. Zitieren wir hier die relevante Passage aus unserer Entstehungsgeschichte dieses Werks:

"Sowohl Thayer (S. 423) als auch Cooper (S. 171) berichten, dass sich Beethoven Ende Juli 1807 von Baden nach Heiligenstadt begab und dort an der c-Moll-Symphonie und an der C-Dur-Messe arbeitete.  Daher müssen Fürst Esterhazys Zeilen vom 9. August 1807 ihn dort erreicht haben:

"An Herrn Ludwig van Beethoven

                                                                                           [Eisenstadt, 9. August 1807]

Schätzbahrster Herr van Beethoven!

    Mit vielen Vergnügen habe ich aus Ihrem Schreiben von Baaden[1] ersehen, daß ich bis 20ten dieses, eine Messe von Ihnen zu erhalten, die angenehme Erwartung haben könne, deren Erfüllung mir <wirklich recht viel Freude macht; und um so viel mehr Freude machen wird, als ich mir davon sehr viel verspreche, und Ihre geäußerte Besorgniß im Vergleich der Haydnischen Messen, nur noch mehr den Werth Ihres Werkes erhöhet.[2]  Ich wünsche Ihnen übrigens von Herzen die schleunigste Herstellung Ihrer vollkommenen Gesundheit, und bin mit aller Schätzung.

Ihr bereitwilligster

Eisenstadt den 9te Aug 1807.

[Quelle;  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 292, S. 322-323; Original:  nicht bekannt, Text laut GA nach dem Konzept eines Kanzleischreibers; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 291; zu [2]: verweist laut GA darauf, dass Beethovens Begründung offenbar begründet war, da Esterhazy später in einem Brief an Gräfin Henriette Zielinka schrieb: "La messe be Beethoven est insuportablement ridicule et detestable, je ne suis pas convaincu qu'elle puisse meme paroitre  honetement:  J'en suis  colere et honteux."]

Wie Cooper (S. 171) berichtet, sei sie etwa Ende August fertiggestellt gewesen.  Wann Beethoven sich in Eisenstadt mit seinem Werk einfand, um die Proben zu leiten, wird am ehesten aus dem folgenden Bericht ersichtlich, der uns auch einen Eindruck davon vermittelt, dass Beethoven mit seiner Unterkunft nicht zufrieden gewesen sein konnte:  

"The composer's annoyance at Eisenstadt must have been further heightened by the quarters to which he was assigned during his stay.  Victor Papp[13: Victor Papp, Beethoven es a Magyorok (Budapest, 1927), p. 71)] has discovered that instead of being given a room in the castle like a social equal, Beethoven was quartered in the apartment of the Court Secretary of Music, Joseph Baranyuai, whose principal house was in Vienna.  

These accommodations were not designed as living quarters and had been refused by a tenor singer two years earlier as being too damp.  Papp prints a fascimile of Baranyai's receipt for 20 florins as compensation for quartering Beethoven from September 10th to 16th.  Thus presumably he did not leave on the 13th as claimed by Schindler.  However, all of these anecdotes point toward a most unhappy and humiliating experience for Beethoven, and the fact that fourteen years later he referred to this performance to Schindler "with great bitterness" is understandable. . . . " (Thayer: 423-424; --

-- Thayer berichtet, dass Beethoven mit seinem Quartier nicht zufrieden gewesen sein kann, da er, wie Victor Papp entdeckt habe, anstatt wie ein Gleichwertiger im Schloss untergebracht worden zu sein, in der Wohnung des Hofmusiksekretärs Joseph Baranyi untergebracht worden sei. 

Diese Wohnung, berichtet Thayer weiter, sei nicht als Wohnung gebaut gewesen, so dass ein dort einquartierter Tenorsänger zwei Jahre zuvor nach einer anderen Unterkunft verlangte, weil sie zu feucht sei.  Papp, so Thayer, habe in seinem Bericht, Beethoven es a Maryorok [Budapest, 1927] einen Faksimiledruck der Quittung gebracht, der zeige, dass Baranyi vom Fürsten für die Vermietung der Wohnung an Beethoven für die Zeit vom 10. bis 16. September 20 Gulden als Kompensation erhalten habe. Demnach kann, argumentiert Thayer, Beethoven nicht, wie Schindler berichtete, gleich nach der Aufführung der Messe am 13. September abgereist sein.  Jedoch wird auch diese Unterkunft zu Beethovens beschämenden Erfahrungen in Eisenstadt ihren Teil beigetragen haben. . . . ).

Thayer berichtet weiter, dass im Jahr 1807 der 8. September auf einen Dienstag fiel, so dass die Messe, wie es in einem solchen Fall der Brauch war, am nächsten Sonntag, dem 13. September, aufgeführt werden sollte.  Mit welchen Unbillen  Beethoven seine Eisenstädter Tage verbrachte, wird aus diesen Zeilen Fürst Esterhazys an seinen Vizekapellmeister Johann Fuchs sehr deutlich:

"[Eisenstadt, 12. September 1807]

An Meinen Vice-Kapellmeister Johann Fuchs

Es wird mir mein Vice-Kapellmeister die Ursache anzuzeigen haben, warum meine conventionirten Sängerinnen nicht jedesmahl im Dienst bei den Musiquen erscheinen?  gleichwie ich heute mit vielem Mißvergnügen ersehn habe, daß bei der abgehaltenen Probe von der Beethovischen Messe[2] von den fünf Contra-Altistinnen nur eine zugegen war, welches auch der Vice-Kapellmeister beobachten hätte sollen, und daher in demselben hiermit den Auftrag ertheilen mus strengstens darauf zu sehn, daß nicht nur Morgens bei der abzuhaltenden Production von der Beethovischen Messe alles von meinem Musique u Sing-Personale erscheinen, sondern auch ansonsten Niemand ohne hinlängliche Ursache vom Dienst sich entfernen solle, weil ich ansonsten mich gerade an meinem Vice-Kapellmeister als vorgesetzten Chef, welchem es obliegt alles in Ordnung zu erhalten, und Nichts was zuwider dem Dienst zu dulden, halten und denselben zur Verantwortung ziehen müsste.

Eisenstadt am 12t Sept. 1807"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 1, Brief Nr. 293, S. 323; Original: nicht bekannt, Text nach dem Konzept eines Kanzleischreibers; zu [2]: verweist auf op. 86].


Nachdem, wie Thayer (S. 423) berichtet, die Messe am Sonntag, dem 13. September 1807 aufgeführt wurde, fanden sich, dem Eisenstädter Brauch gemäß, "the local as well as foreign musical notabilities" (Eisenstädter und auswärtige Musiker) in den Gemächern des Fürsten ein, um mit ihm über das gegebene Werk zu sprechen.  Als Beethoven eintrat, soll ihn der Fürst mit der Frage "But, my dear Beethoven, what is this that you have done again?" (Aber, mein lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?) begrüßt haben.  Dieser Frage sollen laut Thayer, sich auf Schindler berufend, wohl noch weitere kritische Bemerkungen gefolgt sein, und dies im Beisein des Eisenstädter Kapellmeisters J.N. Hummel, der, neben dem Fürsten stehend, sich das Lachen nicht verkneifen konnte.  Wie jedoch Thayer (S. 424) und Cooper (S. 171) betonen, verließ Beethoven Eisenstadt nicht 'umgehend'.   Auch scheint Beethoven gegen Hummel keinen Groll gehegt zu haben.  Jedoch widmete er das Werk nicht dem Fürsten Esterhazy und überließ ihm auch die Partitur nicht."  





Jerome Bonaparte

Kassel


Auf was verweisen diese Phantombilder? Die Antwort ist einfach: Auf Beethovens nicht zustande gekommene Berufung als Kapellmeister an den Hof Jerome Bonapartes um die Jahreswende 1808/1809! Wie wir wissen, erreichten einige enge Freunde Beethovens stattdessen im März 1809, dass er eine Jahresrente erhielt, falls er sich verpflichten würde, im Kaiserreich Österreich zu verbleiben. Dass dies auch seine Reisemöglichkeiten einschränkte, war eine Folge der Aussetzung dieser Leibrente.

Während Beethovens Privatleben im Jahr 1810 von seiner letztlich nicht erfolgreichen Bekanntschaft mit Therese von Malfatti geprägt war, sollte das Jahr 1811 einen Kuraufenthalt im für ihn reisemäßg "sicheren" Böhmen mit sich bringen.





Teplitz



Wie Thayer [S. 510-511] schreibt, wollte Beethoven eigentlich in den warmen Süden fahren, habe sich aber dann auf Anraten von Dr. Malfatti für Böhmen entschieden. Er wollte dorthin sowohl mit seinem Wiener Freund und Helfer Franz Oliva als auch mit Graf Franz von Brunsvik reisen. Dieser konnte jedoch laut Thayer [S. 511] nicht mit ihm reisen. Wie Thayer [S. 512] berichtet, traf Beethoven Anfang August 1811 in Teplitz ein und logierte im Haus "Harfe" in der Badgasse. Während der ersten drei Wochen habe er sich dort eingelebt und sich auf seine Kur und auf Korrekturarbeiten konzentriert.




Varnhagen von Ense
                          

Rahel Varnhagen von Ense, nee Levin


Bald sollte sich Beethoven jedoch in angenehmer Gesellschaft befinden. Wie Thayer [S. 512-513] berichtet, fuhr der junge, sich in österreichischen Diensten befindliche Leutnant Karl August Varnhagen von Ense nach Teplitz, um sich dort mit seiner Angebeteten, Rahel Levin aus Berlin zu treffen. Thayer läßt ihn dazu selbst zu Wort kommen:

""Kapellmeister Hummel, that dissolute eccentric, whose life was almost completely spent alternating between comfortable champagne drinks and comfortless periods of abstinence, let us hear him play the pianoforte at the Goltz house and at Clary's, also later in a concert and in such a way that even today would still not be eclipsed according to the judgement of connoisseurs, despite the great recent progress in this artistic skill. . . . Yet at the same time I became acquainted with a musicisn who in my opinion put this one completely in the shade. It was Beethoven, whose presence we had long known about, but no one had yet seen. His deafness made him shy and his peculiarities, which had become more marked through separation from other people, limited the little circulating that he did, and aggravated the difficulty that one had of running into him. However, on some of his lonely rambles in the castle park he had seen Rahel, and her facial expression, which reminded of another's whom he esteemed, gave him pleasure. A kind young man, named Oliva, who accompanied him as a true friend, arranged the acquaintance easily. The thing that Beethoven stubbornly resisted despite the most urgent pleas, which in one terrible case took the form of a Prince in Vienna wishing to use force to make him play for his guests, by which he would not be bullied; this very thing he was now willing to do and in abundance; he sat down at the piano and he played his newest, still unknown things or indulged in free fantasy. I found the man in him even more appealing than the artist. And when a close friendship between Oliva and me developed soon thereafter, I was also together with Beethoven daily and gained a still closer relationship with him through the prospect, to which he clung eagerly, that I could supply or revise texts for him for dramatic composition. It is known that Beethoven was violently anti-French and pro-German, and this is another thing that we had in common" [ThayerForbes: 513]

»Der Kapellmeister Himmel, dieser wüste Sonderling, der fast nur noch zwischen behaglichem Champagnerrausch und trostloser Nüchternheit lebte, ließ uns im Golzischen Hause und bei Clary's, wie auch später in einem Konzert, sein Fortepianospiel hören, das auch heute noch, nach dem Urtheil der Kenner, in den neueren großen Fortschritten dieser Kunstübung keineswegs verdunkelt sein würde... Doch in derselben Zeit war ich mit einem Musiker bekannt geworden, gegen welchen mir jener ganz in den Schatten trat. Es war Beethoven, dessen Anwesenheit wir schon lange wußten, aber niemand hatte ihn noch gesehen. Seine Harthörigkeit machte ihn menschenscheu und seine Eigenheiten, die sich in der Absonderung nur immer schroffer ausbildeten, erschwerten und kürzten bald wieder den wenigen Umgang, auf den ihn der Zufall etwa stoßen ließ. Er hatte aber im Schloßgarten auf seinen einsamen Streifereien einigemal Rahel gesehen, und ihr Gesichtsausdruck, der ihn an ähnliche, ihm werthe Züge erinnerte, war ihm aufgefallen. Ein liebenswürdiger junger Mann, Namens Oliva, der ihn als treuer Freund begleitete, vermittelte leicht die Bekanntschaft. Was Beethoven den dringendsten Bitten hartnäckig versagte, was in einem schrecklichen Falle, als in Wien ein Fürst ihn zwingen, körperlich zwingen wollte, seinen Gästen vorzuspielen, ihm keine Gewalt abtrozen gekonnt, das gewährte er jetzt gern und reichlich, er setzte sich zum Fortepiano und spielte seine noch unbekannten neuesten Sachen oder erging sich in freien Phantasien. Mich sprach der Mensch in ihm noch weit stärker an, als der Künstler, und da zwischen Oliva und mir bald enge Freundschaft entstand, so war ich auch mit Beethoven täglich zusammen, und gewann zu ihm noch nähere Beziehung durch die von ihm begierig angefaßte Aussicht, daß ich ihm Texte zur dramatischen Komposition liefern oder verbessern könnte. Daß Beethoven ein heftiger Franzosenhasser und Deutschgesinnter war, ist bekannt, und auch in dieser Richtung standen wir gut zusammen« [TDR 3, S. 272-273].

Thayer schreibt, dass dieser Bericht durch einen Brief Varnhagens an seinen Regimentskommandanten, Graf Bentheim, bestätigt wird:

"I have made Beethoven's acquaintance. The unruly man was very friendly and gentle towards me, said many excellent things and will gladly play for Robert [Rahel Levin] some afternoon, only it is supposed to be kept secret. The strange man lives completely in his art, is very industrious, and is unconcerned about other people. You can be all the more assured by the fact that he greets you with true friendliness and wishes keenly to be excused for his forgetfulness of the moment, but such things probably happen more often with him [than with other people]. He is composing an opera for the Buda theatre for which Kotzebue has written the text. Because of Robert I am twice as well acquainted with him and cherish it three times as much" [Thayer-Forbes, S. 513-514].

»Beethovens Bekanntschaft habe ich gemacht, der wilde Mann war gegen mich sehr freundlich und mild sprach mancherlei sehr Treffendes und will gar für die Robert einen Nachmittag spielen, nur soll es geheim bleiben. Der sonderbare Mann lebt ganz in seiner Kunst, ist sehr fleißig und um anderes unbekümmert. Sie können es sich desto höher anrechnen, daß er mit wahrer Freundlichkeit Sie grüßen und sich dringend wegen seines damaligen Vergessens entschuldigen läßt, aber solcherlei kann ihm wohl öfter begegnen. Er komponirt eine Oper für das Ofener Theater, wozu Kotzebue den Text geschrieben. Wegen der Robert ist mir seine Bekanntschaft doppelt und dreifach lieb« [TDR 3, S. 273].

Wie Thayer-Forbes [S. 514] schreibt, gesellten sich zu ihnen auch noch der Poet Tiedge und Gräfin Elise von der Recke, die allesamt als Gegner der napoleonischen Franzosen beschrieben werden.

Ein weiterer Besucher, schreibt Thayer-Forbes, sei Fürst Kinsky gewesen. Dies habe Beethoven die Gelegenheit gegeben, von diesem Rückstände in seiner Rentenzahlung zu erhalten.





Amalie Sebald



Mit Rahel Levins Freundin Elise von der Recke war laut Thayer-Forbes [S.514] auch die Sängerin Amalie Sebald in Teplitz eingetroffen. Ihre Familie habe bereits für Jahre in der Berliner Singakademie mitgewirkt, und ihre eigene Stimme war laut Thayers Bericht "fascinatingly lovely" [faszinierend lieblich]. Er beschreibt sie auch als Freundin Carl Maria von Webers und fügt hinzu, dass Beethoven von ihrem Charme ergriffen war. Ein Album Amalie Sebalds enthalte den folgenden Beethoven'schen Eintrag:

"Ludwig van Beethoven
Den Sie, wenn Sie auch wollten,
Doch nicht vergessen sollten.
Teplitz, August 8, 1811" [Thayer-Forbes, S. 514].

Aus Thayers weiteren Ausführungen ist zu entnehmen, dass Tiedge, Elise von der Recke und Amalie Sebald um den 6. September nicht mehr in Teplitz weilten, da Beethoven an diesem Tag einen Brief an Tiedge in Dresden schrieb, den wir hier aus TDR III zitieren:

»An Herrn von Tiedge in Dresden,
abzugeben bei der Gräfin Elise von der Recke.

Töplitz am 6ten September 1811.

Jeden Tag schwebte mir immer folgender Brief an Sie, Sie, Sie, immer vor; nur zwei Worte verlangte ich beim Abschiede, aber auch nicht ein einziges gutes Wort erhielt ich; die Gräfin läßt mir einen weiblichen Händedruck bieten; das ist denn doch noch was, was sich hören läßt, dafür küsse ich ihr in Gedanken die Hände, der Dichter aber ist stumm. Von der Amalie weiß ich wenigstens, daß sie lebe. Täglich putze ich mich selbst aus, daß ich Sie nicht früher in Töplitz kennen gelernt. Es ist abscheulich so kurz das Gute zu erkennen und sogleich wieder zu verlieren. Nichts ist unleidlicher als sich selbst seine eigenen Fehler vorwerfen zu müssen. Ich sage Ihnen, daß ich nun noch wohl bis zu Ende dieses Monathes hier bleiben werde; schreiben Sie mir nur, wie lange Sie noch in Dresden verweilen; ich hätte wohl Lust einen Sprung zu der Sachsenhauptstadt zu machen; den nemlichen Tag, an dem Sie von hier reisten, erhielt ich einen Brief von meinem gnädigen musikalischen Ertzherzoge, daß er nicht lange in Mähren verweile und es mir überlassen sei, ob ich kommen wolle oder nicht; so was habe ich so ganz nach dem Besten meines Willens und Wollens ausgelegt, und so sehen Sie mich noch hier in den Mauern, wo ich so schwer gegen Sie und mich gesündigt; ich tröste mich noch, wenn Sie es auch Sünde nennen, so bin ich doch ein richtiger Sünder und nicht ganz ein armer. Heute hat sich mein Zimmergesellschafter verlohren, ich konnte eben nicht auf ihn pochen; doch vermiß ich ihn in der Einsamkeit hier wenigstens Abends und zu Mittage, wo ich das was nun einmal das menschliche Thier zu sich nehmen muß, um das Geistige hervorzubringen, gerne in einiger Gesellschaft zu mir nehme: nun leben Sie so wohl als es nur immer die arme Menschlichkeit kann, der Gräfin einen recht zärtlichen und doch ehrfurchtsvollen Händedruck, der Amalie einen recht feurigen Kuß, wenn uns Niemand sieht, und wir zwei umarmen uns wie Männer, die sich lieben und ehren dürfen; ich erwarte wenigstens ein Wort ohne Zurückhaltung, und dafür bin ich ein Mann.

Beethoven.« [TDR III, S. 278-279].

Thayer-Forbes schließt den Bericht über Beethovens Teplitz-Besuch von 1811 mit einem Hinweis auf Varnhagens Korrespondenz mit Rahel Levin:

"From Varnhagen's correspondence with Rahel we learn that Oliva went on to Vienna on September 23, without Beethoven, who made a rather wide detour via Lichnowsky. Of this visit we learn in one of Jahn's notices, namely: "In the year 1811, B. was at Prince Lichnowsky's on his estate in Grätz near Troppau. The Mass in C was performed at Troppau for which everything possible was dreamed up. The master of athletics was put at the tympani; in the Sanctus Beethoven himself had to show him how to play the solo. The rehearsals lasted three days. After the performance Beethoven improvised on the organ for half an hour to the astonishment of everyone. Fuchs was the soprano Soloist."

Beethoven returned to Vienna refreshed and invigorated both in body and mind"[Thayer-Forbes: 516-517].

>Aus Varnhagens »Denkwürdigkeiten« (II2 352) erfahren wir: »Beethoven, der von Teplitz in Begleitung seines und meines Freundes Oliva nach Wien zurückreiste, hielt sich in Prag nicht lange auf«, und aus dem Briefwechsel mit Rahel (II. 154), daß Oliva schon am 23. September nach Wien weitergereist war, aber ohne Beethoven, der einen weiten Umweg machte, um Lichnowsky zu besuchen. Letzteres geht aus Jahns Aufzeichnungen hervor, welche darüber folgendes enthalten: »Im J. 1811 war B. beim Fürsten Lichnowsky auf seinem Gute Grätz bei Troppau. In Troppau wurde die Messe in C aufgeführt, wozu man alles zusammentrommelte; der Turnermeister wurde an die Pauke gestellt; im Sanctus mußte ihm B. das Solo selbst vorschlagen. Drei Nachmittage wurde probirt. Nach der Aufführung phantasirte B. eine 1, 2 Stunden auf der Orgel zum größten Erstaunen aller. Fuchs war Sopransolist. . . . Wie wir sehen, kehrte Beethoven erfrischt und gekräftigt an Leib und Seele aus Teplitz zurück« [TDR III: 283-284].





Beethovens Lebendmaske von 1812



Im Kapitel zum Jahr 1812 berichtet Thayer-Forbes [S.531], dass Beethovens Freund Streicher für seine Klavierverkaufsräume Beethovens Lebendmaske wünschte, um sie zu denen anderer Künstler hängen zu können. Wie wir sehen, hinterläßt diese keinen lebendigen Eindruck des Komponisten in diesem Jahr. Vielleicht kann unser Bericht zu Beethovens Reiseaktivitäten in diesem Jahr dieses Bild etwas zurechtrücken.

"Uns ist wohl nicht entgangen, dass sich Beethoven mit Oliva im Jahr 1811 zerstritten hatte. In Bezug auf den Grund dafür zitiert Thayer-Forbes [S. 531-532] zwei Briefe Olivas an Varnhagen:

"On March 23 Oliva writes: "I should like to write you a good deal about the things that sadden me, about Stoll, and Beethoven still more, but I must postpone it-- I was ill lately and it moves me greatly to write about things which are so painful." In a letter of June 3 he says: "Concerning my unfortunate affairs I can only say that Of. has treated me very shabbily and I am compelled to seek another engagement; perhaps I shall accept Beethoven's renewed offer and go with him to England. Still cheated me in a very miserable manner and even sought to bring about a rupture with Beethoven, in which he was almost succesful; I am completely separated from him."

»Ich möchte Dir noch so vieles schreiben was mich sehr betrübt, von Stoll, Beethoven noch vieles andere, aber ich muß es verschieben ich war erst unlängst krank, es ergreift mich so sehr von Gegenständen zu schreiben, die mir so wehe thun« . . . >>Von meinen fatalen Verhältnissen kann ich Dir blos melden, daß die Of. sich sehr schlecht gegen mich benehmen und ich dadurch gezwungen bin, mir ein anderes engagement zu suchen, vielleicht nehme ich die erneuerte Anerbietung des Beethoven an und reise mit ihm nach England. Stoll hat mich auf eine sehr elende Art betrogen und sogar mit Beethoven zu entzweien gesucht, was ihm auch beinahe gelungen wäre, ich bin ganz getrennt mit ihm<< [TDR III: 312-313].

Thayer-Forbes [S. 532] beschreibt den politischen Hintergrund der Ansammlung vieler Mitglieder des mitteleuropäischen Adels in Teplitz mit dem Vormarsch Napoleon Bonapartes mit seiner Armee in Richtung Russland. Hier ein Auszug aus dem Teplitzer Melderegister, hier aus TDR III zitiert:

"29. Mai: Kaiser Franz mit großem Gefolge, Wrbna, Althan Kinsky, Zichy, usw. usw. 4. Juni: Marie Luise, Kaiserin von Frankreich, mit Gefolge. Der Großherzog von Würzburg nebst Gefolge.
2. Juli: Die Kaiserin von Österreich mit Hofstaat. Herzog Anton von Sachsen mit Gemahlin und Hofstaat.
7. Juli: Der Herzog von Sachsen-Weimar.
14. Juli: Der König von Sachsen mit Gemahlin und Hofstaat.
25. Juli: Prinz Maximilian von Sachsen mit Gemahlin und Hofstaat.
11. u. 15. August: Fürst Wittgenstein, Baron v. Humboldt, und der Prinz von Curland, in preußischen Diensten, usw.

Von anderen Reisenden, die nicht den königlichen oder diplomatischen Kreisen angehörten, nennen wir:
19. April: Baronin v. der Recke, nebst Demoiselle Meißner. Herr Tiedge.
7. Juli22: Herr Ludwig van Beethoven, Kompositeur aus Wien, wohnt in der Eiche, Nr. 62.
8. Juli: Herr Karl Fürst von Lichnowsky.
15. Juli: Hr. Johann Wolfgang von Goethe, herzogl. Weimarischer Geh. Rat usw. usw., im gold. Schiff Nr. 116.
24. Juli: Herr Ludwig Baron von Arnim, Gutsbesitzer, nebst Gemahlin, dann seine Schwägerin, Frau von Savigny, aus Berlin.
5. August: Hr. Joachim Freiherr von Münch-Bellinghausen.
7. August: Herr Clemens Brentano, Partikulier aus Prag.
9. Aug.: Frau Wilhelmine Sebald, K. preuß. Justiz-Kommissärs Gemahlin nebst Schwester, Mad. Sommer aus Berlin.
18. Aug.: Hr. Fried. Karl von Savigny, Professor usw. aus Berlin.
19. Aug.: Hr. Varnhagen von Ense, K. K. Leutnant v. Vogelsang aus Prag" [TDR III: 314-315].

Thayer-Forbes [S. 533] berichtet, dass Beethoven sich von Wien aus nach Teplitz über Prag auf den Weg machte und in der "goldenen Stadt" am 2. Juli 1812 eintraf, und zwar in Gesellschaft von Olivas Freund Willisen. Er habe sich dort mit Fürst Kinsky getroffen und von ihm 60 Dukaten erhalten. Die Angelegenheit des Kinsky'schen Anteils seiner Rente konnte jedoch nicht geklärt werden. TF verweist dann auf die eingehende Beschäftigung der Beethovenforschung mit Beethovens Verbleib in den Tagen vom 2. bis 7. Juli 1812, verweist aber eine eingehende Diskussion dieses Themas auf einen gesonderten Artikel im Anhang. Verwiesen wird jedoch auf Beethovens Brief an die "Unsterbliche Geliebte", und dieser wird zitiert. Dazu verweisen wir auf unseren folgenden, eigenen Link:



Beethovens Brief an seine "Unsterbliche Geliebte


Nach der Lektüre des Briefs können wir uns vielleicht Beethovens lebendigen "Reisebericht" vor Augen führen und aus ihm eine interessante Dualität herauslesen:

" . . .meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 Uhr gestern hier an, da es an pferde mangelte, wählte die Post eine andere Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorletzten Station warnte man mich nicht bei nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber das reizte mich nur--und ich hatte Unrecht, der Wagen mußte bei dem schrecklichen Wege brechen grundloß, bloßer Landweg, ohne solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben Unterwegs--Esterhazi hatte auf dem gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe Schicksal mit 8 Pferden, was ich mit vier--jedoch hatte ich zum theil wieder Vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe . . . "

Thayer-Forbes [S. 535] entdeckt in Beethovens nach diesem Brief an Varnhagen und Breitkopf und Härtel geschriebene Briefe eine gewisse Müdigkeit in Beethovens Stimmung:

"To Varnhagen: "There is not much to be said about Teplitz, few people and among the few nothing extraordinary, wherefore I live alone! alone! alone! alone!" To Breitkopf and Härtel: "How are we?--on that point much cannot yet be said; on the whole there are not such interesting people here as were last year and are few--a multitude of people is less of a bother than are a few" [Thayer-Forbes: 535--

--TF verweist hier zuerst auf Beethovens Zeilen an Varnhagen: "Über Teplitz kann man nicht viel berichten, wenig Leute und unter den wenigen wenige Äußergewöhnliche, während ich allein bin, allein! allein! allein!", und an de Leipziger Verleger: "Wie es uns geht? Zu diesem Punkt kann man nicht viel sagen; insgesamt sind heuer nicht so viele interessante Leute hier wie letztes Jahr, und deren sind wenige--eine Menge von Leuten ist weniger lästig als einige wenige"].

Thayer-Forbes sieht den Eindruck von Beethovens Einsamkeit auch durch die Aufmerksamkeit, die er seiner Antwort auf die Sendung des kleinen Mädchens Emilie M. aus Hamburg [das Mädchen, eine kleine Pianistin, schrieb an ihn mithilfe ihrer Gouvernante und sandte ihm einen selbst gemachten Geldbeutel]:

"Beethoven an Emilie M. in H.[amburg][1]

Töplitz, den 17. Juli 1812.

Meine liebe gute Emilie, meine liebe Freundin!

Spät kommt die Antwort auf Dein Schreiben an mich; eine Menge Geschäfte, beständiges Kranksein mögen mich entschuldigen. Das Hiersein zur Herstellung meiner Gesundheit beweiset die Wahrheit meiner Entschuldigung. Nicht entreiße Händel, Haydn, Mozart ihren Loorberkranz; ihnen gehöhrt er zu, mir noch nicht.

Deine Brieftasche wird aufgehoben unter andern Zeichen einer noch lange nicht verdienten Achtung von manchen Menschen.

Fahre fort, übe nicht allein die Kunst, sondern dringe auch in ihr Inneres; sie verdient es, denn nur die Kunst und die Wissenschaft erhöhen den Menschen bis zur Gottheit. Solltest Du, meine liebe Emilie, einmal etwas wünschen, so schreibe mir zuversichtlich. Der wahre Künstler hat keinen Stolz; leider sieht er, daß die Kunst keine Gränzen hat, er fühlt dunkel, wie weit er vom Ziele entfernt ist und indeß er vielleicht von Andern bewundert wird, trauert er, noch nicht dahin gekommen zu sein, wohin ihm der bessere Genius nur wie eine ferne Sonne vorleuchtet. Vielleicht würde ich lieber zu Dir, zu den Deinigen kommen, als zu manchem Reichen, bei dem sich die Armuth des Innern verräth. Sollte ich einst nach H. kommen, so komme ich zu Dir, zu den Deinen; ich kenne keine andern Vorzüge des Menschen, als diejenigen, welche ihn zu den besseren Menschen zählen machen; wo ich diese finde, dort ist meine Heimath.

Willst Du mir, liebe Emilie, schreiben, so mache nur die Ueberschrift gerade hieher, wo ich noch 4 Wochen zubringe, oder nach Wien, das ist alles dasselbe. Betrachte mich als Deinen und als Freund Deiner Familie.

Ludwig v. Beethoven."

Quelle: Ludwig van Beethoven. Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd.2, Brief Nr. 585, S. 274-275; Text nach dem Erstdruck: Thayer III, S. 209.

[Zu [1]: Laut GA ist über die Adressatin des Briefes außer der Erläuterung, die Thayer dem Erstdruck voranstellt, nichts bekannt: "Eine kleine, für Beethoven schwärmende Clavierspielerin, ein Kind von 8 oder 10 Jahren, Emilie M. zu H. Laut GA ist dieses Schreiben identisch mit einem Brief, den Beethoven durch den Verlag Breitkopf & Härtel nach Hamburg befördern ließ].

Laut Thayer-Forbes [S. 536] gibt es wenig Hinweise für Beethovens erneuten Umgang in Teplitz mit dem Poeten Tiedge und Gräfin von der Recke, und auch sein Umgang mit Varnhagen von Ense mag sich wohl in Grenzen gehalten haben.



'



Johann Wolfgang von Goethe



Beethovens wohl interessanteste und wichtigste Begegnung während seines Teplitz-Aufenthalts im Sommer 1812 war die mit Goethe. Wie wir aus dem Teplitzer Besuchsregister entnehmen konnten, traf Goethe am 15. Juli 1812 dort ein. Thayer-Forbes [S. 536] berichtet, dass er Beethovens Namen am 19. Juli zum ersten Mal in seine Besuchsliste eintrug. Noch am selben Tag schrieb er den folgenden Satz in einem Brief an seine Gattin Christiane:

"Sage Prinz Friedrich Durchl. daß ich nicht mit Beethoven seyn kann ohne zu wünschen daß es im goldnen Straus geschehen möge. Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen. Ich begreife recht gut wie er gegen die Welt wunderlich stehn muß" [Quelle: Goethe bei Zeno.org Goethe-Briefe bei Zeno.org, eingesehen am 18. Dezember 2013].

Bereits am nächsten Tag habe Goethe mit Beethoven einen Ausflug nach Bilin gemacht, und auch den Abend des 21. Juli haben beide laut Thayer-Forbes zusammen verbracht, wonach er geschrieben habe: "He played delightfully" [Thayer-Forbes": 536; "er spielte wunderbar"].

Obwohl, wie Thayer-Forbes weiter berichtet, Achim von Arnim mit seiner Gattin Bettina [geb. Brentano] am 24. Juli in Teplitz eintraf, konnten beide Goethes Gesellschaft nicht genießen, da sich Goethe mit Bettina im Jahr zuvor zerstritten hatte, als diese seine Gattin Christiane beleidigt hatte.

Wie Thayer-Forbes [S. 537] berichtet, verließ Beethoven Teplitz am 27. Juli und ging auf Anraten seines Arztes, Dr. Staudenheim, nach Karlsbad und am 8. August nach Franzensbrunn. Nach Teplitz soll er erst Mitte September zurückgekehrt sein. Dass er mit Goethe noch im besten Einvernehmen stand, beweisen laut Thayer-Forbes die folgenden Zeilen Goethes vom 27. Juli an seine Gattin Christiane: "Es ist Herr von Beethoven von hier auf einige Tage nach Karlsbad gegangen: wenn ihr ihn finden könnt so brächte mir der am schnellsten einen Brief. Wäre er schon wieder fort; so geht Fürst Moriz v. Lichtenstein in einigen Tagen hierher, durch diesen wünschte ich eine umständliche Nachricht zu erhalten wie es euch geht und was ihr beschließet" [Quelle: Goethe bei Zeno.org Goethe-Briefe bei Zeno.org, eingesehen am 18. Dezember 2013].

Auch am 1. August schrieb Goethe erneut an Christiane und verwies darin auf Beethoven als möglichen Kurier: "Wenn ich die Sendung durch Bethoven erhalte, schreibe ich noch einmal dann wirds nicht mehr nöthig seyn" [Quelle: Goethe bei Zeno.org Goethe-Briefe bei Zeno.org, eingesehen am 18. Dezember 2013].

Wie Thayer-Forbes [S. 537] berichtet, soll Goethe etwas später [laut TDR III am 2. September 1812] an seinen Freund, den Komponisten Carl Friedrich Zelter in Berlin geschrieben haben:

»Beethoven habe ich in Töplitz kennen gelernt. Sein Talent hat mich im Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht Unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie freilich dadurch weder für sich noch für andere genußreicher macht. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern, da ihn sein Gehör verläßt, was vielleicht dem musikalischen Theil seines Wesens weniger als dem geselligen schadet. Er, der ohnehin lakonischer Natur ist, wird es nun doppelt durch diesen Mangel« [TDR III: 320].





Goethes und Beethovens angebliches Verhalten
in der Teplitzer Öffentlichkeit



Das auch von Thayer-Forbes [S. 537] als etwas fraglich eingestufte unterschiedliche untertänige Verhalten Goethes und das eher aufsässige Verhalten Beethovens gegenüber dem in der Teplitzer Öffentlichkeit promenierenden Adel geben wir hier entsprechend als Phantombild wieder und wollen es dabei bewenden lassen.

In Bezug auf das Benefizkonzert zugunsten der Badener Brandopfer und in Bezug auf Beethovens eigene Meinung zu Goethe zitieren wir am besten aus seinem Brief vom 9. August, den er von Franzensbrunn aus an Breitkopf & Härtel in Leipzig schrieb:

" . . .. in K.[arlsbad] spielte ich den sachsen und Preußen etwas vor zum besten der Abgebrannten stadt Baden, es war so zu sagen ein armes Konzert für die armen -- der Signore polledrone half mir dabey und nach dem er sich einmal wie gewöhnlich abgeängstigt hatte spielte er gut -- . . . Göthe behagt die Hofluft zu sehr mehr als einem Dichter ziemt, Es ist nicht vilemehr über die lächerlichkeiten der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehn seyn sollten, über diesem schimmer alles andere vergessen können -- . . . "

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 2, Brief Nr. 591, S. 285 - 287].

[Wir berichteten auch auf unserer Seite zu Beethoven und Liszt über das Benefizkonzert: Liszt und Beethoven].

Wie Thayer-Forbes [S. 538] berichtet, war Beethoven am 7. September zurück auf dem Weg nach Karlsbad und schließt nicht aus, dass sich Goethe und er dort noch einmal getroffen haben könnten. Während Goethe Karlsbad am 12. September verließ, habe er am 8. September in seinem Tagebuch notiert: "Beethovens Ankunft". Beethoven selbst sei Mitte September wieder in Teplitz eingetroffen, jedoch nicht bei besserer, sondern verschlechterter Gesundheit. Sein Aufenthalt wurde jedoch durch die angenehme Gesellschaft von Amalie Sebald erheitert. Hier einige Briefe des Komponisten an sie:

"Beethoven an Amile Sebald in Teplitz

[Teplitz, 17. September 1812][1]

Ich melde ihnen nur, daß der Tyrann ganz Sklawisch an das Bett' gefesselt ist--so ist es! ich werde froh seyn, wenn ich nur noch mit dem Verlust des heutigen Tages durchkomme; Mein gestriger spaziergang bey Anbruch des Tages in den wäldern, wo es sehr neblicht war, hat meine Unpäßlichkeit vergrößert, und vieleicht meine Besserung erschwert. -- tummeln sie sich derweil mit Russen, Lappländern, Samojeden etc herum, und singen sie nicht zu sehr das lied: "Es lebe hoch"

ihr Freund Beethowen

Für Fräulein Amalie Sebald"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 595, S. 291l; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief wie Brief Nr. 594 am 17. September 1812 geschrieben wurde].

"Beethoven an Amalie Sebald in Teplitz

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September 1812][1]

Die Krankheit scheint nicht weiter voranzugehen, wohl aber noch zu kriechen, also noch kein Stillsand! dies alles was ich Ihnen darüber sagen kann -- Sie bei sich zu sehen, darauf muß ich Verzicht thun, vielleicht erlassen Ihnen Ihre Samojeden heute Ihre Reise zu den Polarländern, so kommen Sie zu

Beethoven."

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 596, S. 291-202; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief vermutlich nach Brief Nr. 595 einzuordnen ist].

"Beethoven an Amalie Sebald in Teplitz

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September 1812][1]

Dank für alles, was Sie für meinen Körper für gut finden, für das Nothwendigste ist schon gesorgt--auch scheint die Hartnäckigkeit der Krankheit nachzulassen -- Herzlichen Antheil nehme ich an Ihrem Leid, welches auf Sie durch die Krankheit Ihrer Mutter[2] kommen muß -- Daß Sie gewiss gern von mir gesehen werden, wissen Sie, nur kann ich Sie nicht anders als zu Bette liegend empfangen -- Vielleicht bin ich Morgen im Stande aufzustehen. -- Leben Sie wohl liebe gute Amalie --

Ihr etwas schwach sich befindender

Beethoven."

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 597, S. 292; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief vermutlich nach Brief Nr. 596 einzuordnen ist; zu [2]: verweist auf Wilhelmine Sebald].

"Amalie Sebald an Beethoven in Teplitz

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September 1812][1]

Mein Tyrann befiehlt eine Rechnung -- Da ist sie:

Ein Huhn -- 1 fl. W.W.
Die Suppe 9 x
Von Herzen wünsche ich daß sie Ihnen bekommen möge."

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 598a, S. 292; zu [1]: verweist darauf, dass er wahrscheinlich nach Brief Nr. 597 geschrieben wurde].

"Beethoven an Amalie Sebald in Teplitz.

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September [1812][1]

Tyrannen bezahlen nicht, die Rechnung muß aber noch quittirt werden, und das könnten Sie am besten, wenn Sie selbst kommen wollen NB. mit der Rechnung zu Ihrem gedemüthigten Tyrannen."

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 598a, S. 294; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief nach Brief Nr. 598a geschrieben worden sein muss].

"Beethoven an Amalie Sebald in Teplitz

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September 1812][1]

Ich kann ihnen noch nichts bestimmtes über mich sagen, bald scheint es mir beßer geworden zu seyn, bald wieder im alten Gleise fortzugehn, oder mich in einen längern Krankheits Zustand versezen zu können -- könnte ich meine Gedanken über meine Krankheit durch eben so bestimmte Zeichen als Meine Gedanken in der Musik ausdrücken, so wollte ich mir bald selbst helfen -- auch heut muß ich das Bette noch immer hüthen--

leben sie wohl und erfreuen sie sich ihrer Gesundheit liebe A.
ihr Freund Beethowen

Für Amalie"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 599, S. 294; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief nach Brief Nr. 598a einzuordnen ist].

"Beethoven an Amalie Selbad in Teplitz

[Teplitz, zwischen dem 17. und 22. September 1812[1]

Es geht schon liebe A., wenn sie es anständig heißen, allein zu mir zu kommen, so können sie mir eine große Freude machen, ist aber, daß sie dieses unanständig finden, so wißen sie, wie ich die Freyheit aller Menschen ehre, und wie sie auch immer hierin und in andern fällen handeln mögen nach ihren Grundsäzen oder nach willkühr, mich finden sie immer gut und als

ihren Freund Beewhoven

Für Amalie von sebald"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 600, S. 295; zu [1]: verweist darauf, dass dieser Brief nach Brief Nr. 599 einzuordnen ist].

"Beethoven an Amalie Sebald in Teplitz

[Teplitz, 22. September 1812][1]

liebe gute A.! seit ich gestern von ihnen gieng, verschlimmerte sich wieder mein Zustand, und seit gestern Abends bis jezt verließ ich noch nicht das Bette, ich wollte ihnen heute Nachricht geben, und glaubte dann wieder mich dadurch ihnen so wichtig scheinen machen zu wollen, so ließ ich es seyn -- Was träumen sie, daß sie mir nichts seyn können, mündlich wollen wir darüber liebe A. reden, immer wünschte ich mir, daß ihnen meine Gegenwart ruhe Frieden einflößte, und daß sie zutraulich gegen mich wären -- ich hoffe mich morgen beßer zu befinden, und einige Stunden werden unß noch da während ihrer Anwesenheit übrig bleiben, in der Natur unß beyde Wechselseitig zu erheben zu erheitern--

Gut' Nacht liebe A. recht viel dank für die Beweise ihrer gesinnungen für ihren Freund

Beethowen

in Tiedge will ich blättern[2]"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 2, Brief Nr. 601, S. 295; zu [1]: verweist darauf, dass dieser Brief am Tag der Abreise von Amalie Sebald aus Teplitz geschrieben wurde; zu [2]: verweist darauf, dass es nicht bekannt ist, um welches Werk Christoph Tiedges es sich handelte].





Linz in Oberösterreich



Wohin sich Beethoven nach seiner Abreise aus Teplitz wandte, wird aus Thayer- Forbes folgendem Bericht klar:

"Beethoven's health must have improved soon after the 16th of September, for Kapellmeister Glöggl's Linzer Musik-Zeitung announces his arrival in that place on Octobeer 5th. "Now we have had the long wished for pleasure of having within our metropolis for several days the Orpheus and great musical poet of our time, Herr L. van Beethoven; and if Apollo is favorable to us we shall also have an opportunity to admire his art and report upon it to the readers of this journal." He had come thither, probably direct via Prague and Budweis, to pass a few weeks with his brother Johann, who gave him a large room affording him a delightful view of the Danube with its busy landing place and the lovely country and beyond" [Thayer-Forbes: 540].

"Beethovens Gesundheit muß sich nach dem 16. September sehr rasch gebessert haben; denn Kapellmeister Glöggls Linzer Musikzeitung zeigt seine Ankunft in jener Stadt mit folgenden Worten an: »5. October. Nun haben wir auch das längst schon gewünschte Vergnügen, den Orpheus und größten musikalischen Dichter unsrer Zeit Hrn. L. van Beethoven hier seit einigen Tagen in unserer Hauptstadt zu besitzen; und wenn uns Apollo günstig ist, so werden wir auch Gelegenheit haben, dessen Kunst zu bewundern und in diesen Blättern unsern Lesern das Weitere mitzutheilen.« Beethoven war also vermutlich direkt über Prag und Budweis nach Linz gereist, um einige Wochen bei seinem Bruder Johann zuzubringen. Dieser räumte ihm ein großes Zimmer ein, welches ihm eine anmutige Aussicht auf die Donau mit ihrem belebten Landungsplatze und auf die anmutige Umgegend gewährte" [TDR III: 341-342].

Thayer-Forbes läßt Franz Glöggl, den Sohn des Kapellmeisters in Linz, dann wie folgt berichten:

"Beethoven was on intimate terms of friendship with my father, kapellmeister of the cathedral in Linz, and when he was there in 1812, he was at our house every day and several times took meals with us. My father asked him for an Aequale for 6 trombones, as in his collection of old instruments he had a soprano and a quart trombone, whereas only alto, tenor and bass trombones were commonly used. Beethoven wanted to hear an Aequale such as was played at funerals in Linz, and one afternoon when Beethoven was expected to dine with us, my father apppointed three trombone players and had them play an Aequale as desired, after which Beethoven sat down and composed one for 6 trombones, which my father had his trombonists play, etc." [Thayer-Forbes: 541].

"»Beethoven,« schreibt er, »war mit meinem Vater, Domkapellmeister in Linz, in intimer Freundschaft, und als er im Jahr 1812 da war, war er täglich in unserm Hause und speiste mehrmals dort. Mein Vater sprach Beethoven an, ihm ein Aequal für 6 Posaunen zu schreiben, da er in seiner Sammlung alter Instrumente noch eine Sopran- und Quart-Posaune besaß, da gewöhnlich nur Alt-, Tenor- und Baßposaunen gebraucht wurden. Beethoven wünschte aber ein Aequal, wie es in Linz bei den Leichen geblasen wurde, zu hören; so geschah es, daß mein Vater an einem Nachmittage 3 Posaunisten bestellte, da Beethoven ohnedies bei uns speiste, und ein solches Aequal blasen ließ, nach welchem sich Beethoven niedersetzte und eines für 6 Posaunen schrieb, welches mein Vater von seinen Posaunisten auch ausführen ließ usw." [TDR III: 342].

Thayer-Forbes rundet die gesellschaftlich-musikalisch geprägten Ereignisse, die mit Beethovens Besuch im Linz im Zusammenhang standen, wie folgt mit Glöggl's Bericht ab:

"Among the cavaliers who were in Linz was Count von Dönhoff, a great admirer of Beethoven, who gave several soirees in his honor during the composer's sojurn. I was present at one of these. Pieces were played and some of Beethoven's songs were sung, and he was requested to improvise on the pianoforte, which he did not wish to do. A table had been spread with food in an adjoining room and finally the company gathered about it. I was a young lad and Beethoven interested me so greatly that I remained always near him. Such was made for him in vain and finally the company sat down without him. He was in the next room and now began to improvise; all grew quiet and listened to him. I remained standing beside him ant the pianoforte. He played for about an hour and one by one all gathered around him. Then it occurred to him that he had been called to the table long before--he hurried from his chair to the dining-room. At the door stood a table holding porcelain dishes. He stumbled against it and the dishes fell to the floor. Count Dönhoff, a wealthy cavalier, laughed at the mishap and the company again sat down to the table with Beethoven. There was no more thought of playing music, for after Beethoven's fantasia half of the pianoforte strings were broken. I recall this fantasia with pleasure because I was so fortunate as to have heard it so near him" [Thayer-Forbes: 541].

"Unter den Cavalieren, welche in Linz waren, war vorzüglich Herr Graf v. Dönhoff, ein großer Verehrer Beehoven's, welcher Beethoven zu Ehren während dessen Anwesenheit einige Soiréen gab. Bei einer war ich zugegen. Es wurde mehreres musicirt und Lieder von Beethoven gesungen, und er selbst wurde gebeten, auf dem Pianoforte zu fantasiren, welches er durchaus nicht wollte. Es war schon im Nebenzimmer eine lange Tafel zum Speisen hergerichtet, und es ging endlich zu Tisch. Ich war ein junger Bursch, und mich interessirte Beethoven so, daß ich immer in seiner Nähe blieb. Man suchte ihn und endlich ging man ohne ihn zur Tafel. Er war aber im Nebenzimmer und fing jetzt an zu fantasiren; alles verhielt sich still und hörte ihm zu. Ich blieb bei ihm neben dem Piano stehen. Er fantasirte beiläufig eine Stunde, wo nach und nach alles aufstand und sich herum versammelte. Nun fiel ihm erst ein, daß man ihn schon lange zum Speisen gerufen er eilte vom Sessel in's Nebenzimmer. An der Thür stand ein Tisch mit Porzellangeschirr er stieß aber an den Tisch so an, daß das Porzellan auf der Erde lag. Graf Dönhoff, ein reicher Cavalier, lachte dazu, und man setzte sich mit Beethoven neuerdings zum Tische. Von Musikmachen war keine Rede mehr, denn nach der Fantasie von Beethoven war die Hälfte der Saiten vom Piano abgehauen. Dieser Fantasie erinnere ich mich noch mit Vergnügen, daß ich so glücklich war, ihn in seiner nächsten Nähe gehört zu haben" [TDR III: 342-343].





Johann van Beethoven



Thayer-Forbes [S.541-542] weist dann auf Beethovens eigentlichen Grund hin, Linz zu besuchen, nämlich seinen Bruder Johann und auf ein unangenehmes Ereignis zwischen den Brüdern:

"One of Beethoven's memoranda, copied into the Fischoff manuscript, is this: "In 1812, I was in Linz on account of B." Supposing this B. to stand for Beethoven's brother it confirms certain very unpleasant information obtained in Linz (1860), from perfectly competent authority, namely, that the principal object of the journey thither was to interfere in Johann's domestic affairs.

Soon after coming to Linz, the apothecary, being unmarried and having a house much too large for his necessities, leased a part of it to a physician from Vienna, whose wife's sister some time later joined them. She, Therese Obermeyer, was described as possessing a very graceful and finely proportioned figure and a pleasing, though not beautiful, face. Johann van Beethoven soon became acquainted with her, liked her, and made her his housekeepter and--something more.

When it is considered, that the apothecary was a man of some thirty-five years, that he had gained his present position entirely by his own enterprise, perseverance and good fortune, and that, beyond advice and remonstrance, his brother had no more right to meddle in his private concerns than any stranger, it seems hardly credible that Beethoven, with all his eccentricities of character, could have come to Linz with precisely this purpose in view. But, according to the evidence, this was so. Had the motive of his visit been simply fraternal affection, and had he then and there first discovered his brother's improper connection with Therese, he could justly have employed earnest expostulation and entreaty to the end of breaking it off-- but nothing more; if unheeded, he could leave the house. But to come thither for this express object, and employ force to accomplish it, was an indefensible assumption of authority. Such, at all events, was Johann's opinion, and he refused to submit to his brother's dictation. Excited by opposition, Ludwig resorted to any and every means to accomplish his purpose. He saw the Bishop about it. He applied to the civil authorities. He pushed the affair so earnestly, as at last to obtain an order to the police to remove the girl to Vienna if, on a certain day, she should be still found in Linz. The disgrace to the poor girl; the strong liking which Johann had for her; his natural mortification at not being allowed to be master in his own house; these and other similar causes wrought him up almost to desperation. Beethoven, having carried his point, might certainly have borne his brother's anger with equanimity; might have felt pity for him and sought to soothe him in his trouble. But no; when Johann entered his room with reproaches and upbraidings, he, too, became angry and a scene ensued on which--let the curtain be drawn. It was, unhappily, more disgraceful to Ludwig than Johann. The apothecary, to use the language of the card-table, still had the commanding trump. Should he play it? The answer is in the parochial register at Linz. It is the record of marriage, November 8, 1812, of Johann van Beethoven to Therese Obermeyer. There is some slight reason to think that the journey to Linz was suddenly undertaken in consequence of a false report that Johann was about to marry Therese, and with the intention to prevent it. Whether this is true or not he lost the game and immediately hastened away to Vienna, angry and mortified that the measures he had taken had led to the very result which he wished to prevent; had given to the unchaste girl the legal right to call him "brother", and had put it in Johann's power--should he in the future have cause to rue his wedding-day--to reproach him as the author of this misfortune. . . . " [Thayer-Forbes: 542-543].

"Eine Tagebuchnotiz Beethovens, welche im Fischhoffschen Manuskript mitgeteilt wird, lautet so: »1812 war ich in Linz wegen B.« Darf man annehmen, daß dies B. »Bruder« heißen sollte, so würde dadurch eine gewisse sehr unerfreuliche Mitteilung, die wir im Jahre 1860 in Linz aus vollständig zuverlässiger Quelle erhielten, ihre Bestätigung finden. Nach dieser war nämlich der Hauptzweck von Beethovens Reise dorthin eine Einmischung in seines Bruders häusliche Angelegenheiten.

Bald nach seiner Übersiedelung nach Linz hatte der Apotheker, der unverheiratet war und ein Haus besaß, welches für seine Bedürfnisse viel zu groß war, einen Teil desselben an einen Arzt aus Wien vermietet, dessen Schwägerin, die Schwester seiner Frau, einige Zeit später zu ihm zog. Diese Schwägerin, Therese Obermeyer, wird geschildert als eine Dame von anmutiger und wohlproportionierter Gestalt, und von angenehmen, wenn auch nicht schönen Gesichtszügen. Johann van Beethoven wurde bald mit ihr bekannt, fand Gefallen an ihr, sie wurde seine Haushälterin und noch etwas mehr.

Wenn man erwägt, daß der Apotheker ein Mann von etwa 35 Jahren war, daß er seine gegenwärtige Stellung nur durch seine eigene Unternehmung, seine Ausdauer und sein gutes Glück erlangt hatte, und daß, abgesehen von gutem Rate und vernünftigen Vorstellungen, sein Bruder kein größeres Recht hatte, sich in seine Privatangelegenheiten zu mischen, als irgendein Fremder, so erscheint es kaum glaublich, daß Beethoven, auch bei allen Exzentrizitäten seines Charakters, gerade mit diesem bestimmten Vorsatze nach Linz kommen konnte. Aber augenscheinlich war dies so. Wäre die Veranlassung seines Besuches lediglich brüderliche Zuneigung gewesen, und hätte er erst nach seiner Ankunft an Ort und Stelle die unpassende Verbindung seines Bruders mit Therese entdeckt, so hätte er mit vollem Rechte ernstliche Verhaltungen und Bitten anwenden können, um die Auflösung jener Verbindung zu bewirken; blieben sie unbeachtet, so konnte er das Haus verlassen. Aber mit dieser bestimmten Absicht dorthin zu kommen, und zu ihrer Ausführung Gewalt anzuwenden, das war eine nicht zu rechtfertigende Anmaßung von Autorität. Jedenfalls dachte Johann so und wies es zurück, sich dem Befehle seines Bruders zu unterwerfen. Durch den Widerspruch gereizt, nahm Ludwig zu allen und jeden Mitteln seine Zuflucht, um seinen Vorsatz auszuführen. Er besuchte zu diesem Zwecke den Bischof; er wendete sich an die bürgerliche Obrigkeit; er betrieb die Sache mit solchem Eifer, daß er schließlich einen polizeilichen Befehl erwirkte, das Mädchen nach Wien zu bringen, wenn sie an einem bestimmten Tage sich noch in Linz befinden sollte. Die Beschimpfung des armen Mädchens; die heftige Neigung zu ihr; der begreifliche Ärger, daß man ihm nicht gestattete, Herr in seinem eigenen Hause zu sein: diese und ähnliche Ursachen regten Johann fast bis zur Verzweiflung auf. Beethoven, welcher seinen Zweck erreicht hatte, hätte sicherlich den Verdruß seines Bruders mit Gleichmut ertragen, ja, er hätte wohl Mitleid mit ihm fühlen und versuchen können, ihn in seiner Betrübnis zu trösten. Doch weit gefehlt; als Johann mit Vorwürfen und Schmähworten in sein Zimmer trat, geriet er ebenfalls in Zorn, und es folgte eine Szene bei welcher wir den Vorhang fallen lassen. Leider war dieselbe entehrender für Ludwig wie für Johann.

Der Apotheker um in der Sprache des Spieltisches zu reden hielt den entscheidenden Trumpf noch in der Hand. Sollte er ihn ausspielen? Die Antwort gibt uns das Register der Stadtpfarrei von Linz, in welchem unter dem 8. November 1812 die Heirat Johanns van Beethoven mit Therese Obermeyer eingetragen ist. Beethoven hatte das Spiel verloren. . . . Ein leiser Grund ist noch zu der Annahme vorhanden, Beethoven habe die Reise nach Linz plötzlich unternommen auf Grund einer falschen Nachricht, daß Johann im Begriffe sei, Therese zu heiraten, und mit der Absicht, dieses zu verhindern. Jedenfalls eilte Beethoven nach Wien zurück in einem keineswegs beneidenswerten Gemütszustande. Er war von Zorn und Ärger darüber erfüllt, daß die Maßregeln, die er getroffen hatte, so schlecht erwogen gewesen waren, daß infolge derselben gerade das Resultat herbeigeführt wurde, welches er hatte verhindern wollen; sie hatten dem leichtsinnigen Frauenzimmer das gesetzliche Recht verschafft, ihn »Bruder« zu nennen, und hatten es in Johanns Macht gelegt, wenn er jemals in Zukunft Ursache haben sollte, seinen Hochzeitstag zu bereuen, dem Bruder den Vorwurf zu machen, daß er an seinem Unglücke die Schuld trage. . . . " [TDR III: 343-345].

Leser unserer Reiseseite, die auf einige Lebenserfahrung zurückgreifen können, werden Beethovens Verhalten im Gesamtzusammenhang seines Verzichts auf seine Unsterbliche Geliebte und die Trauer um ihren Verlust in gewisser Weise verstehen können, was noch lange nicht einer Billigung desselben gleichzukommen hat. Wer über ein cholerisches Temperament verfügt, sich aber trotzdem zum für ihn doch schweren Verzicht durchringen konnte, verliert vielleicht angesichts entgegengesetzter brüderlicher Lebensentwürfe die Kontrolle auf eine Weise, wie es eigentlich nicht geschehen sollte.

Während vierzehn Jahre vergehen sollten, bis Beethoven sich auf seine letzte, folgenschwere Reise machen sollte, boten ihm die Jahre dazwischen wenig Gelegenheit, Reisepläne zu verwirklichen.





Phantombild Londons



Das Phantombild Londons fügen wir hier als ein Symbol für Beethovens langgehegten Wünsche, England zu besuchen, ein, da er diese ja nicht verwirklichen konnte. Die verschiedenen relevanten Abschnitte unserer Online- Biografie legen Zeugnis davon ab, aber auch vom komplizierten Leben des immer gehörloser werdenden Komponisten. Daraus wissen wir auch, dass Beethovens Erziehungsversuche an seinem Neffen Carl im Sommer 1826 zu dessen misslungenem Selbstmordversuch beitrugen. Zitieren wir in Bezug auf Beethovens darauf folgende letzte Reise den entsprechenden Abschnitt aus unserer Online- Biografie:

"Während dieses Ereignis Carls Weg zu seiner eigentlichen Berufswahl bahnte, erschütterte es Beethoven so sehr, dass der damals 55-jährige Schindlers Berichten zufolge aussah wie ein Siebzigjähriger. Eine Entscheidung über Carls weiteres Schicksal musste getroffen werden. Stephan von Breuning, Hofrat im Kriegsministerium, riet zu einer militärischen Laufbahn und dass Beethoven seine Vormundschaft niederlegen solle. In der Zwischenzeit hatte Beethoven bereits mit seiner Arbeit an op. 135 begonnen. Die Frage war nun, wo Carl nach seiner Entlassung aus dem Spital sich zur Genesung aufhalten sollte, während Stephan von Breuning Vorkehrungen traf, dass Carl im Regiment von Baron von Stutterheim als Kadett aufgenommen werden sollte, und erklärte sich auch bereit, an Stelle von Professor Reisser vom Polytechnikum, der sein Amt niedergelegt hatte, als Mitvormund über Carl zu wirken.

Es wurde entschieden, dass Beethoven und Carl einige Zeit in Gneixendorf bei seinem Bruder Johann verbringen sollten. Johann hielt sich gerade in Wien auf und machte ihnen diesen Vorschlag. Am 28. September fuhren sie nach Gneixendorf. Es sollte nur ein kurzer Besuch werden. Dieser dehnte sich jedoch auf einen zweimonatigen Aufenthalt aus."




Der Wasserhof, Johann van Beethovens Gut
                          

Beethovenraum in Gneixendorf


"Beethoven traf in Gneixendorf bereits in einem bedenklichen Gesundheitzustand ein. Er hatte auch keine Freude an der Gesellschaft seines Bruders und seiner Schwägerin. Ein Diener namens Michael wurde für ihn bereitgestellt, dem er bald vertraute. Als Michael einmal Schwierigkeiten mit seiner Herrin Therese van Beethoven hatte und sie ihn entlassen wollte, drang Beethoven darauf, dass sie ihn in ihren Diensten behielt. Von diesem Zeitpunkt an nahm Beethoven seine Mahlzeiten in seinem Zimmer ein. Er wanderte tagsüber durch die Felder um Gneixendorf, dabei oft heftig gestikulierend, summend und den Takt zur Musik in seinem "inneren Ohr" schlagend. Auf diese Weise stellte er op. 135 in Gneixendorf fertig, aber auch den letzten Satz zu op. 130. Das Fertigstellungsdatum auf der Originalpartitur zu op. 135 war der 30. Oktober, an dem Johann diese nach Wien mitnahm. Das neue Finale zu op. 130 wurde Artaria am 25. November übergeben. Beethovens Umgang mit seinem Neffen war noch immer so schwierig wie es zu erwarten war, und beide verhielten sich weiterhin ihrem eigenen Wesen gemäß.

Beethovens Gesundheit verschlechterte sich noch sehr in Gneixendorf. Bald konnte er nur Suppe und weichgekochte Eier zu sich nehmen, trank aber immer noch Wein und holte sich dadurch Durchfall. Gegen Ende November verlor er seinen Appetit ganz und klagte immer über Durst. Seine Füße waren auch immer geschwollen. All das wies auf eine sehr ernste Lebererkrankung hin. Johann machte sich nun auch um Carls Zukunft Sorgen und drängte Beethoven, ihn nach Wien zurückzubringen, damit er sich dort bald seinem Regiment anschliessen konnte. Er tat dies aber schriftlich, da Beethoven zu dieser Zeit in einem solch verworrenen Gemütszustand war, dass er Johann einmal sogar bat, sein ganzes Vermögen Carl zu hinterlassen und Therese leer ausgehen zu lassen. In bezug auf das Fahrzeug, das Beethoven und Carl zur Rückkehr nach Wien benutzten, sollten wir uns nicht allzu sehr auf Schindlers Schilderung verlassen, der behauptete, dass Johann Beethoven die Benutzung seiner Kutsche verweigert hatte. Es muss aber angenommen werden, dass die beiden in einem offenen Gefährt reisten, wie Beethoven später seinem Arzt, Professor Wawruch, erzählte.

Sie kamen am Samstag, dem 2. Dezember nach Wien zurück, und Beethoven litt an einer fiebrigen Erkältung, die er sich durch ihre Übernachtung in einem ungeheizten Zimmer zugezogen hatte."

Damit ist unsere Betrachtung der Reisen im Leben Beethovens beendet. Wenden wir uns nun nach der Zeit der Klassik anderen berühmten Reisenden zu.




DEUTSCHSPRACHIGE ENTDECKER DER ZEIT DER KLASSIK UND ROMANTIK



         James Cook

         Alexander v. Humboldt

    Adelbert v. Chamisso

                Charles Darwin


Kapitän James Cook und Charles Darwin wurden nicht nur in ihrer englischen Heimat, sondern in der ganzen Welt für ihre Entdeckungsreise[n] bekannt. Jedoch sollten auch aus dem deutschsprachigen Raum zwei Männer nach dem Tod Cooks im Jahr 1779 und bevor Darwin mit der Beagle 1831 in See stechen sollte, ihre jeweiligen Entdeckungsreisen unternehmen. Beide standen mit Vertretern der deutschen Literatur in enger Verbindung: Alexander von Humboldt, zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, dem Weimarer Kreis um Goethe und Schiller [siehe unsere Abbildung unten], und der romantische Dichter und Botaniker Adelbert von Chamisso mit den Berliner Literaten wie zum Beispiel E.T.A. Hoffmann, dessen Karikatur als Abbildung zur Zeit- und Linktafel Chamissos dient.



Humboldt
Chamisso
Zeit
Ereignis
Zeit
Ereignis

14.9.1769

Geburt in Berlin

30.1.1781

Geburt auf Schloss Boncourt in Frankreich

1769-1790

Kindheit und Jugend.
Talente/Interessen: Naturwissenschaften, Malen und Zeichnen.
Erziehungsziel: preußischer Staatsdienst

1791-1792

Die Bouncourts verlassen ihr Stammschloss 1790 und Frankreich 1792.

1791-1798

Blitzkarriere im Staatsdienst

1792-1796

Die Familie ist auf der Flucht durch die Niederlande und durch Süddeutschland.

1799-1805

Amerikanische Forschungsreise

1796

Die Familie läßt sich in Berlin nieder; Adelbert v. Chamisso besucht das französische Gymnasium und wird Page der Friederike von Preußen

1805-1828

Naturforscher. Verfassung des Reisewerks, aber auch preußischer Gesandter in Paris

1798-1807

Chamisso leistet preußischen Militärdienst.  [Ab 1804 ist er Mitherausgeber des Musenalmanachs; erste Anfänge als Dichter, in der deutschen Sprache]

1829

Rußlandexpedition

1810-1813

Aufenthalt in Frankreich und der Schweiz, dann wieder in Berlin. Literarische Freunde: ETA Hoffmann, Serapionsbrüder

1830-1859

Wissenschaftler.
Koordinator des wissenschaftlichen Mäzenatentums.
Weitere diplomatische Missionen.

1815-1818

Weltumseglung auf dem russischen Schiff Rurik, als Botaniker

24.1.1859

Tod in Berlin

1819-1838

Botaniker und Literat in Berlin. Abfassung seiner Reise um die Welt.  2. und dann 1. Kustos des Herbariums, ab 1835 Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften.

21.8.1838

Tod in Berlin.

Humboldt-Links
Chamisso-Links
Humboldt bei Wikipedia.de

Chamisso bei Wikipedia.de

Alexander von Humbold-Stiftung

Chamisso-Gesellschaft

Alexander v. Humboldt bei Project Gutenberg

Chamisso bei Projekt Gutenberg

Alexander von Humbold bei Projekt Gutenberg

Chammisso bei Project Gutenberg






REISEN VON KÜNSTLERN UND MUSIKERN IN DER ZEIT DER ROMANTIK




E.T.A. Hoffmann



Diesen Abschnitt beginnen wir am besten mit Chamissos Freund E.T.A. Hoffmann. Er ist uns bereits aus einigen Seiten unserer Website als Musikkritiker und Erzähler bekannt. Hoffmanns Reisen waren meist mit beruflichen Versetzungen und Karrierewechseln verbunden, nach denen entweder der Jurist oder der Künstler im Vordergrund agierte, während die jeweils andere Seite seiner Persönlichkeit ihre Bedürfnisse daran anpasste.



Datum

Ereignis

24.1.1776

Geburt in Königsberg.

1776-1795

Kindheit und Jugend in Königsberg.  Jurastudium. Interessen: Musik, Malerei, Literatur.

1795-1798

Erste Anstellung als Auskultator in Glogau. 

1798-1800

Hoffmann lebt in Berlin.

1800-1802

Hoffmann arbeitet als Referendar in Posen.

1802-1804

Hoffmann wird als unbezahlter Regierungsrat nach Plock in Polen strafversetzt.

1804-1806

Hoffmann arbeitet im preußischen Staatsdienst in Warschau und ist Mitglied der Musikalischen Gesellschaft.

1807-1808

Hoffmann lebt in Berlin ohne Anstellung.

1808-1812

Hoffmann lebt in Bamberg als Musikdirektor, Musiklehrer und Bühnenbildner.

1813-1814

Hoffmann arbeitet in Dresden und Leipzig als Musikdirektor.

1815-1822

Hoffmann lebt in Berlin, ab 1816 als Kammergerichtsrat, und außerberuflich als Komponist und Dichter.

25.6.1822

Tod Hoffmanns in Berlin

Interessante Hoffmann-Links:

Hoffmann bei Wikipedia
E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft
Hoffmann im Projekt Gutenberg
Hoffmann bei Zeno.org
Link zu unserer Website: Hoffmann als Musikkritiker Beethovens
Link zu unserer Website: Musik und Literatur
1. Hoffmanns Erzählung Ritter Gluck
2. Hoffmanns Oper Undine [Ankündigung Carl Maria von Webers]
3. AMZ-Nekrolog auf E.T.A. Hoffmann
Link zu unserer Website:
E.T.A. Hoffmanns Rezension von Beethovens C-Dur-Messe Op. 86






Franz Peter Schubert



Franz Peter Schubert, der letzte Komponist der Ersten Wiener Schule, der der romantischen Periode zuzurechnen ist, soll hier als Beispiel für jene Künstler gelten, die ihre Heimat eigentlich kaum verließen und nur wenige Reisen unternahmen. Schubert glich dies bestimmt mit dem inneren Reichtum seiner mehr als 600 Lieder hinreichend aus.



Zeit

Ereignis

31.1.1797

Geburt Schuberts in Wien

1797-1808

Kindheit Schuberts im Wiener Elternhaus

1808-1813

Schubert ist Schüler im Kaiserlichen Konvikt in Wien.

1814-1817

Schubert arbeitet in Wien unter seinem Vater als Hilfslehrer.

1817-1828

Schubert lebt als freier Künstler in Wien.

1818

Schubert arbeitet im Sommer als Musiklehrer in Zseliz in Ungarn.

1824

Schubert arbeitet zum zweiten Mal in Zseliz in Ungarn.

1825

Schubert verbringt den Sommer in Oberösterreich.

19.11.1828

Tod Schuberts in Wien.
Interessante Schubert-Links
Schubert bei Wikipedia.de
Schubert im Austria-Forum
Schubert-Manuskripte
Link zu unserer Website: Schubert und Beethoven






Felix Mendelssohn



Vielleicht kann man den Enkel des großen Philosophen Moses Mendelssohn als den ersten romantischen Komponisten bezeichnen, der wie sein klassischer Vorgänger Joseph Haydn in England sehr erfolgreich wurde. Aber auch Italien und andere Stationen reihten sich in seinem Leben aneinander, nicht zuletzt auch seine Besuche bei Goethe in Weimar!



Zeit
Ereignis

3.2.1809

Geburt Felix Mendelssohns in Hamburg.

1809-1824

Kindheit Mendelssohns.  1811 siedelt die Familie nach Berlin um. Dort erhält Felix ab 1816 Musikunterricht von Karl Friedrich Zelter, mit dem er 1821 zum ersten Mal Goethe in Weimar besucht.

1829-1832

Jugend Mendelssohns in Berlin.  1825 besucht er mit dem Vater Paris und stattet auch Goethe einen zweiten Besuch ab.  1829: Aufführung von J.S. Bachs Matthäuspassion durch Mendelssohns Initiative.

1832-1832

Mendelssohn ist auf seinen ersten Konzertreisen unterwegs, und zwar 1829 nach England und Schottland, von 1830 bis 1831 nach Italien [Besuch bei Goethe auf dem Weg dorthin], und 1832 wieder nach London.

1832-1835

Berlin, Düsseldorf und Frankfurt sind die Aufenthaltsorte dieser Jahre.  In Düsseldorf arbeitet Mendelssohn ab 1833 als Generalmusikdirektor, aber er leitet auch die musikalischen Veranstaltungen des Frankfurter Cäcilien-Vereins.  1833 reist er im Frühjahr und Herbst auch wieder nach London.

1835-1841

Mendelssohn ist Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters.  1837 gastiert er auch wieder in England.

1841-1845

1841 wird Mendelssohn zum Kgl,-Preußischen Kapellmeister in Berlin ernannt.  Das Jahr 1842 sieht auch wieder einen England-Besuch.

1845-1847

Mendelssohn verbringt diese Jahre in Leipzig, reist aber 1846 und 1847 jeweils noch einmal nach England.

4.11.1847

Tod Mendelssohns in Leipzig.

Interessante Mendelssohn-Links
Mendelssohn bei Wikipedia.de
Mendelssohn-Portal der Mendelssohn-Stiftung
Mendelssohn-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin
Mendelssohn-Gesellschaft [der Familie Mendelssohn]
Link zu unserer Website: Lesen sie den Abschnitt zur Wiederaufführung
der Matthäuspassion am Ende des Artikels in deutsch oder englisch!






Robert Schumann



Im Rückblick können wir Robert Schumanns Leben sowohl als tragisch als auch als innerlich sehr reich bezeichnen. Es "bescherte" ihm einige Ortswechsel aus beruflichen Gründen, eine erfreuliche Entdeckungsreise nach Wien in seiner Jugend, aber auch die eine oder andere Konzertreise. Durch seine literarischen Interessen und Fähigkeiten wurde er aber auch zum zweiten bedeutenden deutschsprachigen Musikkritiker der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.



Zeit
Ereignis

8.6.1810

Geburt Schumanns in Zwickau in Sachsen.

1810-1826

Kindheit und Jugend Schumanns in Zwickau, beendet durch den Tod des Vaters im Jahr 1826.

1828-1830

Nach dem Abitur versucht Schumann, in Leipzig und Heidelberg eher weniger erfolgreich, Jura zu studieren [1828 reist er nach Wien und entdeckt Schuberts Neunte Symphonie wieder]. 1830: Italienreise und Besuch der Mailänder Scala.

1830-1832

Klavierstudium bei Friedrick Wieck in Leipzig, dann Fingerverletzung.

1832-1834

Schumann studiert nun intensiv Komposition.

1834-1843

Schumann lebt weiter in Leipzig und gründet 1834 die Neue Zeitschrift für Musik.  1840 Heirat mit Clara Wieck. 1844 Konzertreise nach Rußland.

1844-1849

Ende 1844 Umsiedlung nach Dresden, als freischaffender Künstler ohne feste Anstellung. 

1849-1854

Schumann arbeitet als Musikdirektor in Düsseldorf, wird aber Ende 1854 in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert.

29.7.1856

Tod Schumanns in Endenich.

Interessante Schumann-Links
Schumann bei Wikipedia.de
Robert Schumann-Hochschule in Düsseldorf
Robert-Schumann-Gesellschaft, Düsseldorf
Schumann-Portal
Schumann-Manuskripte Online [Universität Bonn]
Link zu unserer Website:
Schumanns Artikel zu seiner Wiederentdeckung
von Schuberts Neunter Symphonie






Johannes Brahms



In Düsseldorf lernte Robert Schumann den jungen Hamburger Komponisten Johannes Brahms kennen und förderte ihn. Nach dem tragischen Tod Schumanns unterstützt Brahms Clara Schumann und begleitet sie auf Konzertreisen. Aufgrund dieses biographischen Zusammenhangs platzieren wir Brahms hier nicht in streng chronologischer Reihenfolge. Wenn wir einen Blick auf unsere kurze Zeittafel werfen, können wir sehen, dass Brahms im Grunde am Anfang seines Erwachsenenlebens "auszog, um sein Glück zu machen" und dieses dann zumindest beruflich in Wien fand, wo er ab 1872 sesshaft war.



Zeit
Ereignis

7.5.1833

Brahms wird in Hamburg geboren.

1833-1853

Kindheit und Jugend in Hamburg.

1853

Konzertreisen mit dem Geiger E. Remenyi nach Hannover [Bekanntschaft mit Joseph Joachim], Weimar [Bekanntschaft mit Franz Liszt] und Düsseldorf [Bekanntschaft mit Robert Schumann].

1853-1857

Intensive Freundschaft mit Robert und Clara Schumann; nach Schumanns Einlieferung in Endenich unterstützt Brahms diese und begleitet sie nach dessen Tod im Jahr 1856 auch auf Konzertreisen.

1857-1859

Brahms arbeitet als Chordirigent in Detmold.

1859-1862

Brahms lebt in Hamburg und ist dort Leiter eines Frauenchors, kann aber keine ehrenvolle Anstellung finden.

1862-1872

Während dieser Jahre ist Hamburg noch der offizielle Wohnsitz von Brahms.  1862 besucht er Wien für 8 Monate, und 1863 wird er zum Dirigenten der Wiener Singakademie ernannt, legt das Amt aber bald wieder nieder. Neben anderen Reisen und Rückreisen in seine Heimatstadt zieht es ihn aber auch immer wieder nach Wien zurück. 1865-1872: Sommeraufenthalte in Baden-Baden.

1872-1897

Brahms siedelt endgültig nach Wien über.  Sommeraufenthalte: 1873+1873: Baden-Baden;1877 und 1878 in Pörtschach, 1880 in Bad Ischl, und 1884 und 1885 in Mürzzuschlag; mit seinem Arzt und Freund, Dr. Billroth, unternimmt Brahms ab 1878 auch neun Reisen nach Italien.

3.4.1897

Brahms stirbt in Wien.

Interessante Brahms-Links:
Brahms bei Wikipedia.de
Brahms im Austria-Forum
Werke über Brahms bei Zeno.org
Brahms-Gesellschaft, Hamburg
Brahms-Institut, Musikhochschule Lübeck






Anton Bruckner



Spätestens ab 1872 wirkten der Wagner-Gegner Johannes Brahms und der Wagner-Freund Anton Bruckner in der selben, großartigen Musikhochburg: Wien. Mit Eduard Hanslick als Musikkritiker auf der Seite der Wagner-Gegner wurde Bruckners Leben dort nicht leichter. Wenn wir einen Blick auf seine kurze Zeittafel werfen, sehen wir, dass er sich in seinem Leben sehr langsam auf sein eigentliches Ziel zubewegte, nämlich als einer der größten Komponisten der Romantik in die Musikgeschichte einzugehen. Im Vollbesitz seiner Kräfte reiste er dann entweder, um selbst als Organist zu brillieren oder um als Zuhörer den Premieren von Wagner-Opern beizuwohnen und dem Komponisten selbst seine Bewunderung auszusprechen.



Zeit
Ereignis

4.9.1824

Geburt in Ansfelden, Oberösterreich.

1824-1837

Kindheit und Jugend in Ansfelden.

1837-1840

Sängerknabe im Stift St. Florian.

1840-1841

Lehrerseminar in Linz.

1841-1845

Hilfslehrer in Windhaag und Kronstorf.

1845-1855

Bruckner wirkt in St. Florian: zuerst als Hilfslehrer, und ab 1850 als Stiftsorganist.  Von dort aus reist er 1854 zum ersten Mal nach Wien und besteht eine Musikprüfung unter Ignaz Aßmeyer.  1855 reist er zum zweiten Mal nach Wien und wird, meist im Fernunterricht, Schüler von Schechter.

1855-1868

Bruckner wirkt als Domorganist in Linz.  1865 trifft er in München zum ersten Mal Richard Wagner und Hans von Bülow anläßlich der Uraufführung von Tristan und Isolde.

1868-1896

Bruckner lebt und wirkt in Wien und wird Nachfolger Schechters am Wiener Konservatorium, und ab 1875 Lektor für Musiktheorie an der Universität Wien.  Von dort aus unternimmt er die folgenden Reisen: 1869 als Organist nach Frankreich;  1871 eine Konzertreise nach London; 1873 und 1876 trifft er Wagner in Bayreuth; 1880 unternimmt er eine Konzertreise in die Schweiz, und zwar als Organist, und 1882 trifft er Wagner zum letzten Mal in Bayreuth anläßlich der Uraufführung von Parsifal.

11.10.1896

Tod Bruckners in Wien.

Interessante Bruckner-Links:
Anton Bruckner bei Wikipedia.de
Bruckner im Austria-Forum
Stift St. Florian: Anton Bruckner
Das Bruckner-Haus in Linz






Richard Wagner



Zum von Bruckner bewunderten Richard Wagner bieten wir Ihnen anstelle einer kurzen Zeittafel und allgemeiner Links einen direkten Link zu unserer Sonderseite "Beethoven und Wagner", die eine ausführliche Wagner-Zeittafel und abschließend interessante, allgemeine Wagner-Links bietet. Alles Weitere finden Sie auf diesen Seiten, während wir in bezug auf Wagners Persönlichkeit am besten höflich schweigen.



Beethoven und Wagner






Franz Liszt





Wir stimmen mit der Wagner-Urenkelin und Liszt-Ur-Ur-Enkelin Nike Wagner gerne überein, dass Franz Liszt zu den eher sympathischen Künstlern des 19. Jahrhunderts zu rechnen ist. Im Zusammenhang mit unserem Thema ist hinzuzufügen, dass er ein Paradebeispiel des reisenden Künstlers des 19. Jahrhunderts liefert. Nachstehend bieten wir Ihnen interessante allgemeine Links zum Thema Franz Liszt und einen Link zu unserer Seite Liszt und Beethoven, die sein Leben im Hinblick auf seine Verbindung zu Beethoven erkundet.



Franz Liszt bei Wikipedia.de
Franz Liszt bei Zeno.org
Franz Liszt Archiv Göppingen-Budapest
BAM-Portal: Franz Liszt
Franz Liszt und die Revolution [ein interessanter Aufsatz im PDF-Format]
The Project Gutenberg Book of Franz Liszt [in englischer Sprache]
Link zu unserer Website: Franz Liszt und Beethoven


Unser Beitrag zu Franz Liszt bildet sowohl das Ende unserer Betrachtung der Musiker der romantischen Stilperiode und unserer gesamten Betrachtung der Künstler und ihrer Reisetätigkeiten.





EPILOG


Warum wir uns entschlossen haben, mit Franz Liszt im Jahr 1886 abzubrechen, erhellt vielleicht auch aus der obigen Bilderreihe. Die ersten drei Bilder weisen auf das Jahr 1888 und zeigen von links nach rechts Friedrich Nietzsche, der Ende dieses Jahres den Rubicon überschritt, den 1886 von Carl Benz entwickelten Motorwagen und seine Gattin Bertha, die mit diesem 1888 von Mannheim nach Pforzheim fuhr und damit die erste Automobilfahrt über eine längere Strecke unternahm. Es folgt das Flugzeug der Gebrüder Wright und eine Abbildung von ihnen. Sie waren 1902 mit ihren ersten Flugversuchen erfolgreich. Beide technischen Entwicklungen sorgten für eine erhöhte Beschleunigung des Lebens der Menschen dieser Zeit, die dann auch in der Kunst und Musik ihren Ausdruck fand, wie in der Uraufführung der Oper Salome im Jahr 1905 [es folgt ein Bild des Komponisten Richard Strauss], der "freitonalen Musik" Arnold Schoenbergs, mit der er 1908 zu experimentieren begann, und schließt mit einem Bild des Komponisten Igor Strawinsky ab, dessen Balletmusik Les Sacres du Printemps 1913 die Musik revolutionierte. Ein neues Zeitalter war angebrochen, und eine Darstellung seiner Auswirkungen würde sicher den Rahmen unsere Betrachtung sprengen. Wir hoffen jedoch, dass das Ihnen hier gebotene Lesematerial Vergnügen bereiten konnte.