BEETHOVENS KLAVIERSONATE NR. 25, OP. 79
ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND
ZUM MUSIKALISCHEN INHALT






Beethoven um 1808



EINLEITUNG

Dem "kompakteren" Umfang dieses kleinen Werks entsprechend gestaltet sich auch unsere Seite dazu etwas "kompakter":

ZUR ENTSTEHUNG UND VERÖFFENTLICHUNG 

Auch diese "Sonatina" beschreibt Thayer (S. 475) als im Jahr 1809 entstanden.  Er weist dann noch darauf hin (S. 478), dass die früher vorherrschende Auffassung, dass es sich bei op. 79 um ein älteres Werk handelte, durch die Entwürfe von 1809 widerlegt werde und verweist in diesem Zuzammenhang auf Nottebohms "Zweite Beethoveniana", S. 269.  

Auf die allgemeinen Lebensumstände Beethovens während dieser Zeit sind wir bereits in unserer Entstehungsgeschichte zu op. 78 eingegangen.  Deshalb können wir uns hier gleich der Veröffentlichungsgeschichte dieses kleinen Werks widmen, die wir hier so zusammenfassen wollen:

- Dass dieses kleine Werk auch zu den Clementi überlassenen Sonaten gehört, ergibt sich bereits aus unserer ausführlichen Diskussion dieser Angelegenheit in der Veröffentlichungsgeschichte von op. 78;

- Am 19. September (Thayer: 477-78) bot Beethoven Breitkopf und Härtel "ein paar" Sonaten an, während er dann in seinem Brief vom 4. Februar von "drei Pianoforte Solo-Sonaten" (auch: Kinderman, 136) schrieb;

- In bezug auf op. 79 schrieb Beethoven dann am 21. August 1810: Was die zwei Sonaten betrifft, veröffentlichen Sie sie separat; oder, falls Sie sie zusammen veröffentlichen wollen, beschreiben Sie die G-Dur-Sonate als Sonata facile oder Sonatina, was Sie auch tun können, falls sie sie nicht zusammen veröffentlichen";

- Thayer (S. 503) beschreibt op. 79 als 1810 bei Breitkopf und Härtel erschienen.

ZUM MUSIKALISCHEN INHALT

In bezug auf unsere drei verschiedenen Betrachtungsweisen bieten wir Ihnen wieder die Möglichkeit, durch Anklicken der jeweiligen Überschrift eine Ihnen gemäße Betrachtungsweise auszuwählen.  


 MUSIKWISSCHENSCHAFTLER UND BEETHOVENFORSCHER
 

AKTIVE MUSIKKRITIKER UND FEUILETTONISTEN

DARBIETENDE KÜNSTLER


MUSIKWISSENSCHAFTLER UND BEETHOVENFORSCHER

Hier wenden wir uns an den Beethovenforscher  Kinderman:   

"Notwithstanding its compact dimensions and motivic similarities to Beethoven's Ritterballett of 1791, op. 79 is a highly polished work.  The rhythmic elan of its outer movements is reflected in the unusual direction 'Presto alla tedesca' for the first movement; the relaxed pace more typical of a German dance is supplanted here by vivacious energy.  The second movement, in G minor, marked Andante, displays metrical ambiguity and a remote, archaic quality suggesting the influence of Eastern folklore; one is reminded at least distantly of the Allegretto of the C major Quartet op. 59 no. 3" (Kinderman: 136; --

--  Kinderman schreibt hier, dass, trotz ihres kompakten Umfangs und ihrer motivischen Ähnlichkeiten mit Beethovens Ritterballett von 1791 op. 79 ein hochpoliertes Werk sei.  Er schreibt, dass sich der rhythmische Elan der Ecksätze in der ungewöhnlichen Angabe 'Presto alla tedesca' für den ersten Satz widerspiegele;  hier werde das eher enstpannte Tempo eines deutschen Tanzes mit lebendiger Energie ersetzt.  Der zweite g-Moll-Satz, der mit Andante bezeichnet sei, weise vom Tempo her Zweideutigkeit und einen vagen Einfluß "östlicher Folklore" auf, die Einen zumindest in entfernter Weise an das Allegretto des C-Dur-Quartetts, op. 59, Nr. 3, erinnere).

AKTIVE MUSIKKRITIKER UND FEUILETTONISTEN

Geben wir hier wieder Joachim Kaiser ohne lange Voreinleitung das Wort:

"Problemlos, prägnant.  Eine fast übermütige Demonstration leichthändiger Meisterschaft.  Energisch brillant die knappen Ecksätze, verhalten ausdrucksvoll das g-Moll-Andante.

Das von Beethoven ausdrücklich als >>Sonatine facile<< oder >>Sonatine<< bezeichete Stück scheint bewußt unkompliziert gehalten, spielt mit der elegant beherrschten Form und dem Instrument wie die Katze mit einer quicklebendigen Maus.  Da bleibt kein Vieldeutigkeitsrest.  Beethoven hat hier so eindeutig und direkt komponiert wie der >>späte<< Mozart die >Sonata facile< KV 545, die in Mozarts eigenem Verzeichnis >>Eine kleine Klavier Sonate für anfänger<< heißt.

Dem vergnüglichen Terz-Spiel in der Durchführung des ersten Satzes verdankt das Stück seinen Beinamen >>Kuckucks-Sonate<<.  Tatsächlich beherrscht aber die Terz nicht nur -- als Kuckucksruf -- die Durchführung, sondern sie prägt das Thema des Kopfsatzes, ist entscheidendes Intervall sowohl des g-Moll-Themas als auch des Es-Dur-Mittelteils im Andante und findet sich wieder im Beginn des Vivace.  Es wäre unangemessen, in diesem lustig-luftigen Stück Terz-Konstruktions-Geheimnisse a la Hammerklaviersonate aufspüren zu wollen.  Aber wer die Sonatine sorfgältig durchanalysiert, dürfte ohne weiteres beweisen können, was ohnehin kein vernünftiger Mensch bezweifelt:  nämlich, daß auch dies niemals langweilig regelmäßige oder pendantisch trockene Werk die Hand des reifen Beethoven erkennen läßt" (Kaiser: 437). 


DARBIETENDE KÜNSTLER

Der aktive Pianist Anton Kuerti gibt uns zu dieser Sonate den folgenden Überblick:

Kuerti ist hier einleitend der Meinung, dass sogar der ernsteste Komponist das Recht hat, sich manchmal zu amüsieren, and das sei augenscheinlich, was Beethoven mit diesem kleinen, charmanten Werk getan habe.  Diese Sonate sei die einzige der 32 Klaviersonaten, die wirklich als "Sonatina" bezeichnet sei, und das beschreibe wirklich am besten ihre bescheidenen Proportionen.  

Presto alla tedesca

Kuerti beschreibt den Einleitungssatz als einen sprühenden Tanzrhythmus, dessen Wiegen sich jedoch in der verhältnismäßig ausführlichen Entwicklung  eher in ein hinkenden Gang verwandle.    Das "Hinken", schreibt Kuerti, und verweist damit auf die aus zwei Noten bestehende Figur, die ziemlich überbetont oft wiederholt werde, sei aus der zweiten und dritten Note des ersten Themas abgeleitet.    Das Bestehen auf dieser "kuckucksartigen" Figur werde aber mit der Zeit etwas anstrengend, jedoch rechtfertige sich das Werk wiederum durch die Finesse, mit der die Rekapitulation durch begleitende Wiederholungen der selben Figur eingeleitet werde.  

Andante

Kuerti beschreibt das  Andante als ein "kurzes Kleinod", das einen viel tieferen Eindruck hinterlasse, als seine Länge andeuten würde.  Hier habe sich Beethoven in einer für ihn seltenen Stimmung verinnerlichter Melancholie befunden, die eher an Komponisten wie Chopin oder Mendelssohn erinnere.  . . .    Die einfache Intensität des mittleren Abschnitts und die Wiederkehr des Einleitungsthema sseien dann für Beethoven charakteristischer.   

Vivace

Kuerti ist der Auffassung, dass man beim abschließenden Vivace an Haydns Verspieltheit erinnert werde mit seinen überraschenden Pausen und Wiederholungen, seiner ausdrucksvollen Frische und seiner einfachen klavieristischen Textur.   (Kuerti: 41).

Kunst der Fuge: Beethoven-Sonaten

Für diejenigen von Ihnen, die sich s e h r ernsthaft mit dieser Sonate auseinandersetzen möchten, bieten wir hier auch einen Link zur Beethoven Bibliography Data Base des Ira Brilliant Center for Beethoven Studies in San Jose, Kalifornien:


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