BEETHOVENS KLAVIERSONATE
NR. 26, OP. 81A
ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND
ZUM MUSIKALISCHEN INHALT






Beethoven um 1808



EINLEITUNG

Die dritte der im Jahr 1809 entstandenen Sonaten  (siehe Thayer, S. 474-475), op. 81a, steht mit den äußeren Lebensumständen Beethovens aus zwei Gründen im größten Zusammenhang.  Auch diese Gründe sind, was wir in unserer nun folgenden Entstehungsgeschichte zur Sprache bringen werden.

ZUR ENTSTEHUNG 

Wie wir bereits aus unserer Entstehungsgeschichte der 24. Klaviersonate, op. 78, wissen, verließ der Wiener Hochadel Anfang Mai 1809 Wien im Rückzug vor dem Einmarsch der Franzosen.  Thayer berichtet dazu:   

". . .  On May 4th, the Empress left Vienna with the Imperial family.  Archduke Rudolph accompanied her, and Beethoven mourned his departure in the well-known first movement of the Sonata, Op. 81a.  Beethoven's manuscript bears these inscriptions in his own hand: "The Farewell, Vienna, May 4, 1809, on the departure of his Imperial Highness the revered Archduke Rudolph" . . .  " (Thayer: 464; --

Thayer berichtet hier, dass Erzherzog Rudolph von Österreich Wien am 4. Mai mit der kaiserlichen Familie verließ und daß Beethoven seinem Verlust im bekannten ersten Satz der Sonate, op. 81a, nachtrauerte.  Beethovens Manuskript weise diese Eintragung in seiner eigenen Handschrift auf: "Das Lebe Wohl, Wien, am 4ten May, 1809, zum Abschied seiner Kaiserlichen Hoheit, des verehrten Erzherzogs Rudolph" . . . ).

 



Erzherzog Rudolph


Dass Erzherzog Rudolph als einer der drei Partner des im Frühjahr 1809 zustandegekommenen Pensionsvertrags mit Beethoven in diesem Jahr sehr stark als dessen Mäzen im Vordergrund stand, ist uns bereits aus unseren Biographischen Seiten bekannt.  

Wie Barry Cooper (S. 184-186) berichtet, erwähnte Beethoven bereits in seinen Briefen vom März des Jahres die drohende Kriegsgefahr, und dass dieser am 9. April erklärt wurde.  Daher hätte sich, berichtet Cooper, der Wiener Hochadel zu dieser Zeit auf den Rückzug aus Wien vorbereitet.  

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Beethoven im April 1809 mit der Komposition des ersten Satzes dieser Sonate beschäftigt war.  Barry Cooper (S.184) vertritt die Meinung, dass Beethoven dem Erzherzog das handschriftliche Manuskript dieses ersten Satzes noch vor seiner Abreise überreichte.  

In bezug auf Beethovens Pläne für weitere Sätze zu diesem Werk wirft  Barry Cooper (S.184-186) ein, dass Beethoven diese Sätze, Abwesenheit und Das Wiedersehen, vielleicht von Anfang an geplant hatte, dass diese aber erst einige Monate später entstanden seien.  

Wie wir auch bereits wissen, wurde Beethovens Schaffenskraft durch die Belagerung der Stadt durch die Franzosen (von der Bombardierungsnacht vom 11-12 Mai, die Beethoven laut Ferdinand Ries' Bericht im Keller seines Bruders Caspar Carl mit Kissen über seinen empfindlichen Ohren verbrachte, bis zum Waffenstillstand am 12. Juli) und die nachfolgende Zeit der sehr langsamen Beruhigung stark beeinträchtigt.  

Am 26. Juli schrieb Beethoven an Breitkopf und Härtel: 

 

                                                                         "[Wien, 26. Juli 1809]

Mein lieber Herr, sie irren sich wohl, wenn sie mich so wohl glaubten, wir haben in diesem Zeitraum ein recht zusammengedrängtes Elend erlebt,  wenn ich Ihnen sage, daß ich seit dem 4ten May wenig zusammen hängendes auf die Welt gebracht beynahe nur hier oder da ein Bruchstück -- der ganze Hergang Der Sachen hat bey mir auf leib und Seele gewirkt, noch kann ich des Genußes des mir so unentbehrlichen Landlebens, nicht theilhaftig werden --

. . . -- die Kontributionen fangen mit heutigem dato an[4] --  Welch zerstörendes wüstes Leben um mich her nichts als trommeln, Kanonen Menschen Elend in aller Art --"

 (Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 2, Brief Nr. 392, S. 71-73)

(Original:  Bonn, Beethoven-Haus; zu [4}: verweist auf die Zahlungen, die die Wiener zur Unterstützung de fransösischen Truppen zu leisten hatten, und neue Befehle ergingen an diesem Datum; dies betraf auch Beethoven; Einzelheiten S. 72 entnommen). 

Cooper liefert uns dazu einen Bericht Baron de Tremonts, der Beethoven während der Belagerungszeit durch die Franzosen besuchte.  An diesem Tag soll Beethoven laut Cooper zudem keine Dienstboten zur Verfügung gehabt haben: 

"Picture to yourself  the dirtiest, most disorderly place imaginable--blotches of moisture covered the ceiling; an oldish grand piano, on which the dust disputed the place with various pieces of printed and manuscript music; under the piano (I do not exaggerate) an unemptied chamber pot; beside it, a small walnut table accustomed to the frequent overturning of the secretary placed upon it; a quantity of pens encrusted with ink, compared with which the proverbial tavern-pens would shine; then more music.  The chairs, mostly cane-seated, were covered with plates bearing the remains of lat night's supper, and with clothing, etc." (Cooper: 184-186; --

--"Stellen Sie sich den schmutzigsten, schlampigsten Platz vor--Feuchtigkeitsflecken waren am Plafond zu bemerken; ein altes Klavier, auf dem sich der Staub und verschiedene Musikdrucke- und Manuskripte um den Platz stritten; unter dem Klavier (ich übertreibe nicht) ein nicht ausgelehrter Nachttopf; daneben ein Walnußholztisch, der es gewohnt zu sein schien, dass der daraufgestellte Sekretär des öfteren umgestülpt wurde; eine Anzahl von vor trockener Tinte starrender Federn; im Vergleich zu diesen kann man die berüchtigten Federn in Tavernen als glänzend bezeichnen; dazu noch mehr Musik.  Die Stühle, zumeist Rohrstühle, waren mit Tellern,  Kleidung und dergleichen bedeckt, usw.").

Cooper bezeichnet diesen Bericht Tremonts als noch krasser als die Berichte anderer Besucher, was sich wohl durch die Zeitumstände erklären lässt.  Cooper weist jedoch auch darauf hin, dass Beethovens Skizzenbuch dieser Zeit, Landsberg 5, bestätige, dass seine in den unmittelbaren Vorjahren sehr rege Produktivität in dieser Zeit gelitten hatte.  Das Skizzenbuch weise für diese Zeit Entwürfe für das 5. Klavierkonzert und Das Lebewohl auf, danach jedoch nur einige vereinzelte Notizen.

Nach Thayers Angaben (S. 474-475), "We suppose the sonata to have been completed in 1809 and delayed until January 30th" (wurde op. 81a noch im Jahr 1809 fertiggestellt und für die Rückkehr des Erzherzogs am 30. Januar 1810 zurückgehalten.  Demnach trage Beethovens Originalmanuskript des dritten Satzes seine eigenhändige Aufschrift:  " Die Ankunft des . . . Erzh. Rudolph, den 30. Januar 1810" ).

 

ZUR VERÖFFENTLICHUNG UND WIDMUNG 

Aus unseren Entstehungsgeschichten der 24. und 25. Klaviersonaten wissen wir bereits, dass Beethoven zum erstenmal am 19. September 1809 Breitkopf und Härtel gegenüber von "einigen Klaviersonaten" sprach und am 4. Februar 1810 sich genauer auf drei Klaviersonaten bezog, die er diesem Verleger anbot (siehe auch Kinderman, S. 136).  

In diesem Zusammenhang können wir auch auf unsere ausführliche Diskussion der englischen Publikation durch Clementi auf unserer Seite zur 24. Klaviersonate hinweisen.

Thayer weist darauf hin, dass Breitkopf und Härtel diese Sonate 1811 veröffentlichte.  In diesem Zusammenhang sollten wir Beethoven selbst mit seinem Brief vom 9. Oktober an diesen Verleger das Wort erteilen:

 

                                                    "Vien am 9ten 8ber [=Oktober] 1811.

   Von hier aus Tausend Entschuldigungen und Tausend Dank für ihre angenehme Einladung nach leipzig; sehr wehe that es mir meinem innern triebe  dahin und in die Umliegenden pegenden nicht folgen zu können, aber diesesmal war Irrthum an allen Ecken der ungarische Landtag ist, [1] man spricht schon vorher davon daß der Erzherzog primas von Ungarn werden soll, und das Bischofthum Ollmüz zurücklaßen, [2] ich selbst trage mich seiner kaiserl. Hoheit an, die als primas von Ungarn nicht weniger als 3 Millionen Einkünfte haben würden, eine Million für mich jährlich Rein durchzubringen (versteht sich alle Musikalischen guten Geister, die ich dadurch in Bewegung für mich sezen wollte)  in Tepliz erhalte ich keine weitern Nachrichten indem man von meinem Plane weiter zu gehn nichts wußte, ich glaube also bey meiner Reise, die ich vorhabe, bey meiner Anhänglichkeit die ich für ihn hege, zu letzt obschon nicht ohne manchen Unwillen doch der letztern nachgeben zu müßen, um so mehr, da man bey Feierlichkeiten meiner <wart> brauchte, also nachdem das pro <und Contra> erwählt flugs nach Vien, [3] und das erste Donnerwort, was ich höre ist, daß dem gnädigsten Herrn auf einmal alles Pfaffthum und Pfaffthun verschwunden ist, und also die ganze Sache nichts seyn wird. --

   General soll er werden was man ja bald (sie wissen versteht), und ich general<adjutant>quartiermeister bey der Bataille, die ich aber nicht verlieren will -- was sagen Sie dazu? --

   ein anderes Ereigniß waren noch die Ungarn für mich,  indem in meinen Wagen steige Nach Tepliz zu reisen erhalte ich ein Paket von ofen, mit dem ersuchen für die pesther  <Theater> Eröffnung des Neuen Theaters etwas zu schreiben, [4]  nachdem ich 3 Wochen in T.[eplitz] zu gebracht mich leidlich befand, seze ich troz dem Verbot meins Arztes hin, um den Schnurbärten, die mir von Herzen Gut sind, zu helfen, schicke am 13ten September mein paket dorthin ab, [5] in der Meynung daß den 1ten 8ber die Sache vor sich gehn solle, derweil verzieht sich die ganze Sache nun noch über einen ganzen Monath, [6] den Brief, worin mir dieses angedeutet werden sollte, erhalte ich durch Mißverständnisse erst hier, [7] und doch bestimmte mich auch dieses TheaterEreigniß, wieder nach Vien zu gehen -- Unterdessen aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ich habe das reisen gekostet und es hat mir sehr wohl <gethan> bekommen, jezt möchte ich schon wieder fort von hier -- eben erhalte ich das Lebe wohl etc ich sehe daß Sie doch auch andere E.[xemplare] Mit französischem Titel [8], warum denn,  lebe wohl ist was ganz anderes als les adieux das erstere sagt man nur einem Herzlich allein, das andere einer ganzen Versammlung ganzen städten [9] -- da sie mich so schändlich recensiren laßen, so sollen sie auch herhalten, viel weniger Platen hätten sie auch gebraucht, und das so sehr jetzt erschwerte Umkehren wäre dadurch erleichtert worden damit Basta -- wie komme aber ums himmels willen zu der Dedikation meiner Fantasie mit orchester and den König von Baiern? [10]  antworten Sie doch sogleich hierüber, wenn sie mir dadurch ein Ehrenvolles Geschenk bereiten wollten, so will ich ihnen dafür danken, sonst ist mir so etwas gar nicht recht,  haben Sie es vielleicht selbst dediziert, wie hängt dieses zusammen,  Ungefragt darf man Königen nicht einmal etwas widmen -- dem Erzherzog war auch das Lebewohl nicht gewidmet,[11]  warum nicht die Jahrzahl tag und datum wie ich's geschrieben [12] abgedruckt,  künftig werden sie schriftlich geben, alle Überschriften <so heran> Unverändert, wie ich sie hinge sezt, beyzubehalten -- das  oratorium lassen sie wie überhaupt alles recensiren durch wen sie wollen, Es ist mir leid ihnen nur ein Wort über die elende R.[ezension] geschrieben zu haben, [13] Wer kann nach solchen R.[ezensionen] fragen, wenn er sieht, wie die elendsten Sudler in die höhe von eben solchen elenden R.[ezensenten] gehoben werden, und wie sie überhaupt am unglimpflichtsten mit Kunstwerken umgehen und durch ihre Ungeschicklichkeit auch müßen, wofür sie nicht gleich den gewöhnlichen Maaßstab, wie der schuster seinen Leisten, finden -- ist etwas bey dem orator. zu berücksichtigen so ist es, daß es mein erstes und frühes Werk dieser Art war in 14 tägen zwischen allem möglichen tumult und andern unangenehme ängstigenden Lebensereignissen (Mein Bruder hatte eben eine Todeskrankheit) geschrieben wurde, [14] -- 

   Rochlitz hat, wenn mir recht ist, schon noch ehe es ihnen zum stechen gegeben nicht günstig von dem Chor der Jünger "wir haben ihn gesehen" (in C dur) gesprochen, [15] er nannte ihn komisch, eine Empfindung, die hier wenigstens Niemand im publikum darüber zeigte, da doch unter meinen Freunden auch Kritiker sind.  Daß ich wohl jetzt ganz anders ein Oratorium schreibe als damals, das ich wohl jezt ganz anders ein oratorium schreibe als damals das ist gewiß -- 

   und nun recensirt solange ihr wollt, ich wünsche euch viel vergnügen; wenns einem auch ein wenig wie ein Mückenstich pact, so ist's ja gleich vorbey und ist der stich vorbey, dann macht's einem einen ganz hübschen spaß re-re-re-re-re-cen-cen-si-si-si-si-sirt-sirt-sirt. -- Nicht bis in alle Ewigkeit, das könnt ihr nicht.  hiermit Gott befohlen -- 

   in dem oratorium war eine stelle wo die Horn sollten im stiche auf zwei linien gebracht werden nemlich das 2te horn hat Baßschlüßel das erste aber violin, [16] leicht wird ihr Korrektor diese stelle finden, muß doch jeder Mensch mehr als einen schlüßel haben, wenn er auch nichts je auf schließt. -- einen Brief an Kotzebue werde ich ihnen schicken, [17] und bitten daß sie ihn an seinen aufenthalts Ort befördern; -- auch wird jemand von Berlin aus, dem ich das Briefporto ersparen <meine> seine Briefe an sie abschicken,[18] daß sie mir dieselben dann hieher wieder gütigst befördern,  nicht wahr sie nehmen mir schon so etwas nicht übel, was das Porto aus macht, werde ich ihnen nach jedesmaliger anzeige gleich abtragen -- der Himmel erhalte sie nun, ich hoffe sie bald zu sehen, zu sprechen, sie sehen daraus meinen festen Vorsaz zu reisen -- den sächsichen und besonders den leizpgier liebhaber alles schöne für ihr wohlwollen für mich, wovon ich manches gehört, so auch vielen Dank den Musikkünstlern, von deren gutem Eifer für mich ich auch gehört.  

 ihr 

                                                                              Ludwig van Beethoven.

Wann erscheint die Messe? [19]

 -- -- der Egmont? [20] 

schicken Sie doch die ganze Partitur meintewegen abgeschrieben auf meine Kosten (die Partitur h.d.) an Göthe,  wie kann ein deutscher erster Verleger gegen den deutschen dichter so unhöfflich, so grob seyn? also geschwinde die Partitur nach Weimar.[21]

  was die Meße so könnte die dedikation verändert werden, das Frauenzimmer ist jetzt geheirathet, und müßte der Name so verändert werden, [22] sie kann also Unterbleiben,  schreiben sie mir nur, wann sie sie heraus geben, und dann wird sich schon der Heilige für dieses Werk finden -- 

An Breitkopf Und Hertel in leipzig."

(Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 2, Brief Nr. 523, S. 214-218]

(Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist auf die Ungarische Versammlung in Preßburg die am 29. August 1811 zusammentrat und bis zum 1. Juni 1812 tagte; zu [2]: Erzherzog Rudolph wurder bereits 1805 zum Nachfolger des Kardinals von Olmütz bestimmt, aber zum Zeitpunkt des Todes von Kardinal Colloredo trat er noch nicht dessen Nachfolge an; zu [3]:  Teplitzer Aufzeichnungen verweisen darauf, dass Beethoven dort am 18. September nach Wien abreiste; zu [4]:  verweist auf Beethovens Gelegenheitsmusik zu Kotzebues Dramen,  König Stephan oder Ungarns erste Wohltäter, op. 117, das Vorspiel, und  Die Ruinen von Athen, op. 113, das Nachspiel; zu [5]:  verweist auf Thayers Angabe dass Beethoven das Paket erst am Montag, dem 16. September 1811 versandt hatte, sich auf Brief Nr. 525 berufend; zu  [6]: verweist auf das ursprünglich geplante Eröffnungsdatum vom 4. Oktober 1811, dem Namenstag des Kaisers, und dessen Verschiebung auf den 9. February 1812; zu [7]: verweist auf die Tatsache dass dieser Brief nicht erhalten blieb; zu [8]: verweist auf die Ausgabe von 81a, für die Beethoven eine zweisprachige Titelseite bestellt hatte, siehe Brief Nr. 499 vom 20. Mai 1811, und auf die Tatsache, dass der Verleger diese Ausgabe mit zwei verschiedenen Titeln, einem in deutscher, einem in französischer Sprache, herausbrachte; zu [9]: verweist vielleicht auf pianistische Modetitel der zeit, wie Les Adieux de Paris oder Les Adieux des Londres; zu [10]: verweist auf die Tatsache, dass die Originalausgabe von op. 80, der Chorfantasie, König Maximilian Joseph von Bayern gewidmet war; zu [11]: siehe Brief Nr. 492 vom 12. April 1811; zu [12]: verweist auf die Tatsache, dass das Stichmuster der Originalausgabe von op. 81 a nicht erhalten blieb und dass das Autograph des ersten Satzes von Beethoven mit "Vien am 4ten May 1809" datiert wurde; zu [13]: verweist auf die Möglichkeit, dass Beethoven auf die Rezension von op. 75 in einem Brief reagiert hatte, der nicht erhalten blieb; zu [14]: verweist auf die Tatsache, dass Beethoven an op. 85 länger arbeitete; zu [15]: verweist auf Nr. 4, Chor der Krieger; zu [16]: verweist auf op. 85, Takte 39 - 41 der Einleitung; zu  [17]: siehe Briefe Nr. 546 und 545 vom 28. Jan. 1812; zu [18]: verweist vielleicht auf Amalie Sebald; zu [19]: verweist darauf, dass Op. 86 im Oktober 1812 veröffentlicht wurde; zu [20]: verweist auf die Tatsache, dass die Ouvertüre, op. 84 bereits im Dezember 1810 herauskam; zu [21]: verweist auf Goethes Notiz vom 23. Januar 1812, über den Empfang des Werks,; zu [22]: verweist auf die Tatsache, dass nicht bekannt ist, wer hier gemeint ist; Einzelheiten S. 217-218 entnommen). 

 

 

Wie wir sehen, war Beethoven nicht zufrieden mit der französischen "Überseztung" seines deutschen Titels, und das mit gutem Grund.  Auch war er nicht damit zufrieden, dass seine Datumsangabe des 4. Mai nicht gedruckt wurde, und verlangte, dass man sich in Zukunft genau an seine Titelangaben halten solle.

In seiner Auflistung der Veröffentlichung dieser Sonate verweist Thayer auch noch auf den genauen Zusammenhang der Werkbezeichung als op. 81 a:

" . . .   the distinction of 81a for the sonata and 81b for the sextet was apparently first established by Breitkopf and Härtel in their thematic catalogue of 1851)" (Thayer: 521; --

-- Thayer führt hier an, dass diese Sonate von Breitkopf und Härtel zum ersten Mal im Katalog von 1851 mit 81a gekenntzeichnt wurde, wohingegen Beethovens Sextett als op. 81b bezeichnet worden sei).

 

ZUM MUSIKALISCHEN INHALT

In bezug auf unsere drei verschiedenen Betrachtungsweisen bieten wir Ihnen wieder die Möglichkeit, durch Anklicken der jeweiligen Überschrift eine Ihnen gemäße Betrachtungsweise auszuwählen.  


 MUSIKWISSCHENSCHAFTLER UND BEETHOVENFORSCHER
 

AKTIVE MUSIKKRITIKER UND FEUILETTONISTEN

DARBIETENDE KÜNSTLER


MUSIKWISSENSCHAFTLER UND BEETHOVENFORSCHER

Hier wenden wir uns an die zwei Beethovenforscher- und Biographen   Kinderman und Cooper:   

Kinderman beschreibt op. 81a, das 'Lebewohl', als die 'gewichtigste' der drei 1809 entstandenen Sonaten.  Wie op. 78 wende sie in ihrem Einleitungssatz eine Motto-Technik an.  In diesem Fall habe Beethoven die Daten der Abreise und der Ankunft des Erzherzogs in sein Manuskript aufgenommen und dem emotionalen Fortgang von 'Abschied-Abwesenheit-Wiedersehen' erlaubt, den Grundcharakter der drei Sätze zu bestimmen.  In der ersten Ausgabe habe ihn der Gebrauch französischer anstatt deutscher Titel irritiert, und das nach Kindermans Meinung wohl nicht nur aufgrund des Unterschiedes der Bedeutung von 'Das Lebe Wohl' und 'les adieux', sondern wohl auch wegen der Beziehung des absteigenden Hornmotivs (G-F-Es-Dur, mit Es-Dur-As-Dur-G in der Unterstimme) am Anfang der langsamen Einleitung zu den Silben 'Le-be-wohl', die er über die Akkorde geschrieben hatte.

Die anfängliche Harmonisierung dieses 'Lebewohl'-Motivs in der langsamen Einleitung des ersten Satzes bestätige das Es-Dur der Tonika nicht, sondern führe verwirrenderweise zum submedianten c-Moll, und dann, im achten Takt, zu einer anhaltenden Harmonie der entfernten Ces-Dur-Sexte.  Das erste starke Auftreten des Es-Dur-Tonika-Dreiklangs werde so sechs Takte lang bis zum nachfolgenden Allegro verzögert.  Die tonale Zweideutigkeit der langsamen Einleitung trage zu dessen schwebendem, suchenden Charakter bei, Qualitäten, die im zweiten Satz, 'Abwesenheit', wiederkehren.   Zur gleichen Zeit gewinne das 'Lebewohl'-Motto einer schrittweise absteigenden Terz im Allegro des ersten Satzes, das mit einer kraftvollen Neuinterpretation des G-F-Es-Dur-Fortschreitens über einem chromatisch abfallenden Bass beginne, einige Bedeutung.  In der Durchführung werte Beethoven die Beziehung dieses Mottos zu zweideutigen Harmonien weiter aus und führe die Musik so in entfernte Tonarten; aber die für diese Sonate charakteristische harmonische Kühnheit zeige sich vor allem in der Koda, wo die Tonika und die Dominante wiederholt zusammen erklängen.  Hier scheinen die Imitationen des Originalmottos im Hintergrund zu verschwinden und damit anzudeuten, dass die Abreise vonstatten gegangen sei.    (In vielen Passagen dieses Allegros sei das 'Lebewohl'-Motiv in ganzen Noten geschrieben, so dass seine tatsächliche Dauer im Spiel seinem anfänglichen Auftreten im Adagio nahekomme, wo es in Viertelnoten angegeben sei.)

Die 'Abwesenheit' hat laut Kinderman einen langsamen, prozessionsartigen Charakter (wie die Introduzione der Waldstein-Sonate) und führe direkt zum Finale.  Obwohl die Grundtonart c-Moll sei, verweile die Einleitung nicht auf dem Tonika-Dreiklang, sondern auf einem abnehmenden Septimen-Akkord; tatsächlich werde die Harmonie  in einer späteren Wiederholung des Eingangsmotivs auf der selben Tonhöhe durch den Einsatz eines dissonanten Akkords (11. Takt) intensiviert.   Unmittelbar danach werde das Motiv zusammengerafft und durch Akzente über einem absteigenden Bass betont.  Diese ausdrucksvolle Passage führe durch einen kurzen Übergang zu einem tröstenden, gesangvollen Gegenstand in der dominanten Tontart.  Die ganze, diese zwei Themen umfassende Passage werde dann wiederholt, angefangen in B-Moll; es wird uns damit zu verstehen gegeben, dass diese kreislaufartige Wiederholung der Trauer und des Trostes ohne Ende weitergehen könne.   

Nach sechs Takten eines dritten Abschnitts, in dem die Musik zum Septimen-Akkord des dominanten Es-Dur absteige, trete das lange erwartete Ereignis in Form einer entschiedenen und jubelnden Ausarbeitung dieses Akkords in einem Zehn-Takte-Übergang ins Finale ein.  Dies sei selbstverständlich der Augenblick des Wiedersehens.    Dann verwandele ein tanzendes Vivacissimimamente in Sonatenform das 'Lebewohl'-Motiv aus dem ersten Satz in eine funkelnde Figurierung.    Beethoven wiederhole das symbolische Fortschreiten aus der 'Abwesenheit' im 'Wiedersehen' dadurch, dass er harte, düstere, unharmonisierte Oktaven in graziöse Doppelschläge mit Vorschlägen im schwingenden 6/8-Takt verwandele.  Laut Kinderman beinhaltet dieses Finale nicht nur das Endresultat des gesamten Fortschreitens in allen Sätzen, wie in der  Pathethique, sondern es bildet auch den dramatischen Höhepunkt des ganzen Werks.   Offenbar verzögerte Beethoven den Abschluß dieses überschwänglichen Finales bis ihm die  tatsächliche Rückkehr des Erzherzogs einen Anlass zur Feier und Verewigung seiner Freundschaft in einem Kunstwerk bot.   (Kinderman: 137-138).

Cooper vertritt die Meinung, dass diese Sonate insgesamt als die einzige Sonate mit spezifischen autobiographischen Verbindungen gelte; aber genauso wie die Pastorale könne sie nicht als programmatisch eingestuft werden.   Jeder Satz rufe nur eine Stimmung hervor, und zwar durch den Einsatz hergebrachtef rhetorischer Mittel, und entwickle das musikalische Material auf rein abstrakte Art.  (Cooper: 184-186).

AKTIVE MUSIKKRITIKER UND FEUILETTONISTEN

Geben wir hier wieder Joachim Kaiser ohne lange Voreinleitung das Wort:

"Beethoven hat dieses Werk in einem Brief an den Verlag Breitkopf & Härtel (vom 2. Juli 1810) als >>charakteristische Sonate<< angekündigt.  Ins Autograph schrieb er den Titel samt Begründung:  >>Das Lebe Wohl /Vien am 4ten May 1809 / bej der Abreise S. Kaiserl. Hoheit - des Verehrten Erzherzogs / Rudolf<<.  Die drei Sätze vertonen drei Phasen einer Beziehung zwischen zwei Menschen:  Abschied, Abwesenheit, Wiedersehen.  Dabei geht es nicht um mehr oder minder verborgene Programmatik.  Die Sonate nennt ihr charakteristisches Programm, führt es buchstäblich aus und heißt nach ihm:  >>Les Adieux<<.  Wenn Beethovens Klaviersonaten Beinamen tragen, ist Vorsicht geboten.  An der Popularität, die sich mit derartigen leicht zitierbaren Bezeichnungen verbindet, kleben fast immer Mißverständnisse.  Sei es, daß diese Beinamen unsinning sind (>>Hammerklaviersonate<<), irreführend (>>Appassionata<<), ablenkend (>>Mondschein-Sonate<<) oder, wie im Falle von Opus 81 a, ärgerlich ungenau, weil Beethoven >>Lebewohl<< meinte, aber auf >>Adieux<< festgelegt wurde.  Es ist nicht ohne Ironie, daß dies ausgerechnet einem literarisch so interessierten und beschlagenen Komponisten widerfuhr, wie Beethoven es war -- durchaus im Gegensatz zu vielen Nur-Musikern vor ihm.  Wie hellhörig Beethoven auch Worte zu wägen wußte, belegt sein tief verärgerter Brief vom 9. Oktober 1811 an Breitkopf & Härtel:  >>Eben erhalte ich das Lebewohl usw.; ich sehe, daß Sie doch auch andere Exemplare mit französischem Titel (herausgeben wollen).  Warum denn?  >>Lebe wohl<< ist etwas ganz anderes als >>les adieux<<.  Das erstere sagt man nur einem herzlich allein, das andere einer ganzen Versammlung, ganzen Städten.<<

Die drei Anfangsakkorde vertonen ausdrücklich und buchstäblich das >>le-be-wohl<<, und auch die drei Sonaten-Sätze haben ein Programm:  Abschied, Abwesenheit, Wiedersehen.  Ohne Mühe lassen sich dabei Schmerz, langsam verschwindendes Pferdegetrappel, das Abschiedswinken und der Wiedersehensjubel aus der Musik herauslesen und heraushören.

Also Programm-Musik?  Diese Frage wird oft dahingehend beantwortet, daß dem Werk zwar ein Programm zugrunde liege, daß man es aber auch ohne jedes Programmn, als >>absolute<< Musik, hören und würdigen könne.

Mit diesem stets plausiblen >>sowohl -- als auch<< brauchen wir uns nicht zufriedengeben.  Denn:  kein äußerer programmatischer Vorgang ordnet hier die vergehende Musikzeit.  Die Verlaufsform der >>Les Adieux<<-Sonate ist durchaus und ohne jeden Abstrich so sonatenhaft wie bei Pathetique oder Kreutzer-Sonate, die ja auch mit langsamer Einleitung anheben.  (Ein echt programmatisches Gegenbeispiel wäre >>Till Eulenspiegels lustige Streiche<< von Richard Strauss.  Zwar >>Rondo<< genannt, beginnt dies Stück mit dem Auftritt Tills, dann illustriert es nacheinander sein Liebeswerben, seine Enttäuschung, seine Streiche.  Es endet damit, daß Till am Galgen verröchelt, bevor eine Coda sein Thema apotheotisch verklärt. ...)  Die unleugbar existente und charakteristische programmatische Tendenz der >>Les Adieux<<-Sonate bereichert den Sonatenkosmos, setzt ihn indessen nirgendwo außer Kraft.  Abschieds-Unrast, Trennungsschmerz und Wiedersehensjubel sind hier ein Widerstand.  Die Sonate umschließt, und ordnet!, ihr mitkomponiertes Programm:  >>Les Adieux<< steht darum keinen Augenblick auf der Seite der Programm-Musik.

Niemand kann, niemand darf ganz klar entwirren, ganz penibel auseinanderklauben, wann denn nun in der Les Adieux-Sonate die realistische Tonmalerei aufhört und die >>Vergeistigung<< anfängt, wie sich Illustration und Abstraktion zueinander verhalten, wo genau die Grenze liegt zwischen skeletthafter, in altertümlichen >>Pfundnoten<< vorgetragener, das >>Lebewohl<< signalisierender Polyphonie und den impressionistischen, zumindest subtil chromatischen Effekten.  Auch die Les Adieux-Sonate macht -- wie so manches große Kunstwerk -- ein Geheimnis daraus, wann sie ihr Problem, ihr Programm entwickelt oder wann sie sich in die Eigengesetzlichkeit ihrer Spielform verschließt.  Diese beiden Komponenten lassen sich nicht fein säuberlich auseinanderlegen, was keineswegs den Schluß erlaubt, sie seien identisch.  Erst wenn das Lebewohl-Signal und die Lebewohl-Trauer, schmucklose Monotonie und schwungvoller Ernst, expressive Empfindsamkeit und die rauschhaft rasche, namenlose Freude des Finales sich die Waage halten, erst dann offenbart die Les Adieux-Sonate ihre reine Philosophie des Abschieds.  Zumal der erste Satz erfordert eine spirituelle, fast philosophische Interpretationshaltung wie kein anderes Werk Beethovens zuvor" (Kaiser: 441-443). 


DARBIETENDE KÜNSTLER

Der aktive Pianist Anton Kuerti gibt uns zu dieser Sonate den folgenden Überblick:

Kuerti beschreibt op. 81a als das letzte berühmte Werk der mittleren Stilperiode Beethovens und führt weiter aus, dass sie als der Höhepunkt dieser Gruppe angesehen werden könnte und als inhaltlich am ausgewogensten.  Verglichen mit op. 53 und op. 57, schreibt Kuerti, sei diese Sonate kürzer, erscheine aber genauso inhaltsreich durch ihre geballte Ausdruckskraft.  Klavieristisch etwas weniger virtuos, sei sie immer noch in der Lage, uns zu beeindrucken, ohne uns vom emotionalen Gehalt abzulenken, und, nur etwas weniger sparsam im Gebrauch ihres Materials, erscheine sie jedoch viel großzügiger durch den weniger fragmentierten und wärmeren Charakter ihrer Ideen.   

Nur im Nachhinein und durch gründliches Studium, schreibt Kuerti, könnten wir in ihr einige Einzelheiten finden, die auf den komplexen Stil des späten Beethoven vorausdeute.   In bezug auf diese verweist Kuerti auf die geheimnissvolle, rätselhafte Vorbereitung des einleitenden Allegros, auf die experimentellen, sich ungewöhnlich schlängelnden Harmonien in der Durchführung und auf die erweiterte Koda mit ihrer fast impressionistischen Mischung von Tonika und Dominante.  

Über die drei gedankenvoll herabsteigenden Akkorde, die diese berühmte Sonate einleiten, habe Beethoven in deutscher Sprache die Worte "Lebe wohl" geschrieben.  Sehr zum Leidwesen des Komponisten habe der Verleger auf eigene Faust die französische Übersetzung "Les Adieux" auf der Titelseite angebracht, und diese sei dem Werk von da an verblieben.  

Nur in zwei oder drei anderen Werken, besonders in der "Pastorale" und in der "Schlachtsymphonie" verweise Beethoven auf einen programmatischen Inhalt, aber das Programm von "Les Adieux" rufe keine Bilder wie ein Gewitter, einen Hirtentanz oder einen Kuckuckschlag hervor wie dies in der Sechsten Symphonie geschehe.  Vielmehr drücke sie drei ganz bestimmte Stimmungen aus:  Beethovens Trauer beim Abschied von Erzherzog Rudolph, seinem Freund und Gönner, der Wien auf längere Zeit verlassen hatte (im ersten Satz); seine Einsamkeit während der Abwesenheit des Erzherzogs (im zweiten Satz) und seine Wiedersehensfreude über die wohlbehaltene Rückkehr seines Freundes (im letzten Satz).  

Adagio; Allegro

Die Adagio-Einleitung stelle sofort die ernste Stimmung des Werks her.  Der unerwartete Moll-Modus des dritten "Lebe wohl"-Akkord sei der erste in einer Reihe von eindringlichen harmonischen Effekten; wenn das Einleitungsmotiv wiederholt wird, sei der dritte Akkord nicht nur unerwartet, sondern beinahe erotisch schockierend, wenn er sich in die entfernte Ces-Dur hin auflöse.   

Aufsehenerregende Harmonisierungen der dritten Note des "Lebe wohl"-Motivs beherrschen laut Kuerti die Durchführung und die Koda.  Diese drei absteigenden Noten bilden auch das zweite Thema  (19), und kurz vor dem Ende des Satzes erscheinen sie wieder (22) in einem Echo-Effekt, der durch das gleichzeitige Anklingen des Tonika- und Dominanten-Akkords hervortrete.  

Andante espressivo;

Der tiefgründig melancholische zweite Satz, wie so viele langsame Sätze dieser Stilperiode, bewegt sich laut Kuerti an der Grenze zwischen Unabhänigkeit und Funktion als Einleitung zum letzten Satz.  Seine markantesten Augenblicke seien die, in denen er, mitten in seiner Traurigkeit, unendlich süß werde und vielleicht eine rührende Erinnerung an glücklichere Augenblicke darstelle.     

Vivacissimamente

Der letzte Satz stelle seine Freude bis zur Koda (24) ununterbrochen dar, wo das Hauptthema dann in einer besinnlichen Stimmung mit einem langsameren Tempo entwickelt werde und vielleicht eine vorübergehende Erinnerung an den Trennungsschmerz darstellen solle.   

Nur wenige Passagen können laut Kuerti konkreter interpretiert werden: das Einleitungsmotiv der Sonate weise vielleicht auf die Posthörner der Kutsche hin, die Erzherzog Rudolph hinwegführen; das Allegro-Thema klingt seiner Meinung nach wie die zwangsweise, schmerzvolle Trennung zweier Freunde; die isolierten und unbegleiteten Passen von 32-el-Noten im Andante seien wohl eine symbolische Darstellung der Einsamkeit, und der explosive Ausbruch am Anfang des letzten Satzes lege nahe, dass sie vielleicht Beethovens plötzliches Erspähen des wiederkehrenden Erzherzogs darstelle, und die nachfolgenden, dahinrasenden Arpeggios versinnbildlichen wohl die Umarmung der beiden Freunde, gefolgt von einem Freudentanz.  

Kuerti räumt ein, dass all diese außermusikalischen Hinweise und Vergleiche vielleicht sehr zutreffend sind und, obwohl sie uns bei unserem Genuß der Sonate helfen können, liege das Wesentliche dieser Sonate nicht in den Ereignissen, sondern in den allgemeinen Gefühlen, die mit ihnen verbunden seien.   (Kuerti: 45-46).

Hier auch wieder unser Link zu Midi-Hörproben der Beethoven-Sonaten:

 Kunst der Fuge: Beethoven-Sonaten

Bevor wir Sie in Richtung Ihrer eigenen bibliographischen Nachforschungen mittels unseres letzten Links entlassen, möchten wir Ihnen auch nicht diesen englischen Online-Artikel zur "Lebebohl"-Sonate vorenthalten.  Einen zwar nicht sehr wesentlichen Detailhinweis möchten wir dazu noch anfügen:  Da dieser Artikel 1996 abgefasst wurde, bezieht er in Beethovens mögliche allgemeine Motivation auch den Tod Franz Joseph Haydns am 31. Mai 1809 mit ein.  Demgegenüber vertritt, wie wir hier bereits in unserer Entstehungsgeschichte diskutierten, Barry Cooper in seinem Buch aus dem Jahr 2000 die Auffassung, dass Beethoven den ersten Satz der Sonate bereits am 4. Mai 1809 Erzherzog Rudolph am Tag seiner Abreise aus Wien überreichte, woraus zu schließen wäre, dass dieser Satz an diesem Tag bereits fertiggestellt gewesen sein konnte.  Hier nun der Link zu diesem Artikel:

Eytan Agmon von der Bar-Ilan Universität Ramat-Gan in Israel diskutiert zwei Interpretationen des Ersten Satzes dieser Sonate in Music Theory Online: The Online Journal of the Society for Music Theory

Für diejenigen von Ihnen, die sich s e h r ernsthaft mit dieser Sonate auseinandersetzen möchten, bieten wir hier auch einen Link zur Beethoven Bibliography Data Base des Ira Brilliant Center for Beethoven Studies in San Jose, Kalifornien:


Opus 81 a - Suche